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Ausgabe 47/2009
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16.11.2009
 

Umwelt

Der Sisyphus aus Nairobi

Von Horand Knaup und Christian Schwägerl

Umwelt: Der Sisyphus aus Nairobi
Fotos
REUTERS

2. Teil: Die Unep kann nur mahnen, erinnern und antreiben

Niemand hatte Steiner, ehemals Chef der Weltnaturschutzunion IUCN, auf dem Zettel, als 2006 die Nachfolge von Klaus Töpfer als Unep-Chef anstand. Den Ausschlag gab der damalige Uno-Generalsekretär Kofi Annan. Er wollte einen Anwalt der Sache und keinen kompromissgeschulten Berufspolitiker. Steiner holte neue Leute, änderte Strukturen, vertiefte die Kontakte zu Nichtregierungsorganisationen und warb um Vertrauen bei den Geber-Regierungen. Mit Erfolg: Er holte Länder wie Spanien und Südkorea ins Boot und konnte die Zuwendungen für Unep um 30 Prozent steigern.

Das Ziel einer "Green Economy", einer grünen Weltwirtschaft, in der Umweltschutz und Wohlstand sich nicht ausschließen, ist spätestens seit Beginn der Weltfinanzkrise Steiners oberste Priorität. Wenn Hunderte Milliarden zur Rettung der Banken mobilisiert werden können, muss das für die Rettung der Lebensgrundlagen auch möglich sein. Es ist die Idee, Regierungen und Unternehmen weltweit auf ein neues ökologisches Regelwerk zu verpflichten. Begrenzte Ressourcen, ob Wälder, Fischgründe oder die Atmosphäre, sollen nicht mehr kostenlos sein und einen Marktpreis nicht erst dann bekommen, wenn sie zerstört werden.

So müssten die Industrieländer die Staaten in den Tropen dafür bezahlen, ihre Regenwälder als CO2-Speicher vorzuhalten. "Nur wenn wir für den Wald mehr bezahlen, als die Leute rausholen können, die den Wald abholzen, haben wir eine Chance", sagt er. Die "Green Economy" hat inzwischen auch den Segen des Uno-Hauptquartiers. Für Steiner ein besonderer Erfolg: "Vor zwei Jahren wären die Leute in New York noch davongelaufen."

Steiner wurde in Brasilien geboren, er hat in Oxford und London studiert, in Pakistan, in Südafrika, in Simbabwe gearbeitet. Für das Weltparkett ist er also wie gemacht. Doch sein größtes Problem ist die operative Kraftlosigkeit der Unep. Das "globale Umweltgewissen" wird die Unep bisweilen genannt. Sie kann mahnen, erinnern und antreiben, aber sie kann keine Regeln einführen oder Strafen verhängen. Auch über Grenzwerte, Richtlinien und Ausgleichszahlungen wird anderswo entschieden.

Zudem ist die Unep nur ein Uno-Programm und keine mächtige, eigenständige Uno-Organisation wie etwa die Weltgesundheitsorganisation WHO. Es gibt keine Pflichtbeiträge der Regierungen, nur freiwillige Spenden.

Manche der 500 Unep-Mitarbeiter in Nairobi, zusammengewürfelt aus allen Teilen der Welt, widmen sich lieber der Verwaltung als neuen Ideen. Da macht sich einer, der von einer schlagkräftigen Truppe träumt, der Strukturen ändert, Abteilungen neu mischt und Ergebnisse sehen will, nicht nur Freunde. Steiners Versuch, die Unep aus der Rolle des Mahners herauszuholen und sie zum Akteur zu machen, stößt auch auf Kritik.

In Kenia zum Beispiel helfen Unep-Leute, den Mau-Forest zu retten, den zentralen Wasserspeicher des Landes, in Mali und auf Haiti wollen sie ganze Ökosysteme wiederbeleben. Die Unep habe aber gar nicht die Kapazitäten, um solche Projekte operativ anzugehen, sagen Kritiker aus den großen Geber-Staaten. Die Organisation übernehme sich. Er solle sich weniger um das Unep-Profil kümmern und mehr um das, was bei internationalen Prozessen wirklich herauskommt, lautet ein anderer Kritikpunkt. Steiner kontert: "Die Unep kann nicht nur im Labor Ideen ausbrüten. Wir müssen auch beweisen, dass unsere Ansätze umsetzbar sind."

Eine Aufwertung der Unep zur Uno-Organisation erhofft sich Steiner vom Nachhaltigkeitsgipfel in Rio de Janeiro im Jahr 2012. In der Tat braucht der globale Umwelt- und Klimaschutz eine schlagkräftigere Struktur. Im September haben Nicolas Sarkozy und Angela Merkel mit einem Schreiben an Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon das Anliegen unterstützt und die Debatte neu angefacht. "Das war ein Signal, mehr noch nicht", sagt Steiner.

Wie verarbeitet er den alltäglichen Frust auf diesem Posten, den Umstand, dass die Umweltzerstörung immer noch viel schneller voranschreitet als alle grünen Bemühungen?

Steiner sitzt auf seiner Terrasse in Nairobi und denkt lange nach. "Ach, wir haben ja eine Menge erreicht. Wir sind nicht mehr nur die Entwicklungsverhinderer, sondern längst Akteure bei wirtschaftspolitischen Entscheidungen." Südkorea etwa habe die Unep als Berater eingespannt, um die Volkswirtschaft möglichst umfassend auf Umweltschutz zu trimmen. Dann sagt er: "Es ist eine Sisyphusarbeit, und es braucht eine gewisse Portion Sturheit."

Der Mann ist ein hartnäckiger Optimist. Er glaubt, dass es viel mehr Lösungen als Probleme gibt. Geschärft hat er seine Arbeitsauffassung nicht zuletzt als Generalsekretär der Weltstaudammkommission, wo er Konflikte beim Bau riesiger Staudämme vermeiden helfen sollte: "Da saßen an einem Tisch die Großkonzerne zusammen mit den Menschen, die drohten, sich aus Protest zu ertränken." Am Ende hätten sich beide Seiten zumindest auf einen Bericht verständigt.

Solche Differenzen sind aber Kleinkram im Vergleich zu den großen Herausforderungen der kommenden Wochen. Vor dem Kopenhagen-Gipfel stehen die Zeichen auf Streit statt auf Einigung. Die Industriestaaten fordern von den Entwicklungsländern, zur CO2-Reduktion konkret beizutragen. Die Entwicklungsländer wiederum beharren auf Milliardenhilfen, um teure umweltfreundliche Kraftwerke und Dämme gegen Überschwemmungen zu bezahlen.

Drei Wochen vor dem Uno-Klimagipfel in Kopenhagen redet Steiner unablässig auf Politiker ein, um für einen kraftvollen Klimavertrag zu werben. Das allgemeine Gerede, die Kopenhagen-Konferenz werde scheitern, empört ihn. "Wer jetzt die Erwartungen senkt, versündigt sich an den Erfolgschancen", sagt er.

Ohne verbindliche, wissenschaftlich tragfähige Reduktionsziele und ohne konkrete Milliardenzusagen der Industriestaaten für den Klimaschutz in ärmeren Ländern dürfe die Konferenz nicht beendet werden. Zeit für die Regierungen, ihren konkreten Beitrag zu ermitteln, hat es reichlich gegeben. "Eine Klimapolitik der kleinen Schritte reicht nicht mehr", sagt Steiner, "jetzt geht es ums Ganze."

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Die neuesten Beiträge:
21.12.2009 von cluster15: jetzt mal Tacheles

Tja, was man Sie was schlimmer wird, Wortklauben oder Datenklauben..... Keine Ahnung was Sie meinen, der lineare Trend zeigt einen Anstieg von etwas mehr als 0.4 Grad Celsius Warum 1940 oder 1970? Von 1930-1970 ist [...] mehr...

21.12.2009 von cluster15: A posteriori

Kausalketten im Nachhinein konstruieren zu können, heißt nicht in jedem Fall, dass die Ereignisse tatsächlich in der Abfolge als solche im Vorhinein geplant waren (schönes Beispiel wäre das Minenfeld der Evolution). Ich hatte [...] mehr...

21.12.2009 von snoopdog: Beamtenspeech.

... und falls das Klima sich nicht reglementskonform entwickeln will, dann ist fristgemäß bis spätestens 31.12.09... Beamtenspeech pur ... hoffentlich kriegen Sie Ihre Kaffeepause eben so zuverlässig geregelt mehr...

20.12.2009 von denkmal!:

[QUOTE=Blackjack51;4733832][QUOTE=denkmal!;4733314]Also ich bin meinen chinesischen Solarzellen absolut zufrieden. Sie überteffen sogar die angegebenen Werte. ---Zitat--- Hast du die Panels messen lassen? Das können nur wenige [...] mehr...

20.12.2009 von de.nada: Hatte was zu erledigen. ;)

Ich weiß nicht wie ehrlich "Die Welt" ist. Ich weiß nicht mal ob die Welt weiß was PR ist und was nicht. (hoffentlich erscheint nur dieses) mehr...

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