Von Bjørn Lomborg
Bis zum Jahr 2050 wird sich der globale Energiebedarf verdoppeln. Alternative Energiequellen aber sind noch weit davon entfernt, wirklich tauglich für den Masseneinsatz zu sein. In einem Beitrag für den Copenhagen Consensus Center aus dem Juli dieses Jahres haben Isabel Galiana und Chris Green von der kanadischen McGill University das Ausmaß der technischen Herausforderung aufgezeigt. Um drei Viertel des CO2 bis 2100 einzusparen und gleichzeitig ein vernünftiges Wirtschaftswachstum beizubehalten, müsste eine Kapazität nichtfossiler Energiequellen zur Verfügung stehen, die zweieinhalbmal so groß ist wie der globale Energieverbrauch des Jahres 2000. Wenn wir auf dem gleichen Pfad bleiben, wird die technische Entwicklung nicht annähernd ausreichen, um CO2-freie Energiequellen wettbewerbsfähig mit fossilen Energieträgern zu machen, sowohl was deren Preis angeht als auch deren Effizienz.
Green und Galiana untersuchten den Stand der klimaschonenden Energiequellen von heute, einschließlich Atom-, Wind-, Solarkraft und Geothermie. Ergebnis: Die Technik ist noch nicht reif, weder in Größenordnung noch Zuverlässigkeit. Meist bedarf es absoluter Grundlagenforschung. Wir sind nicht einmal nahe dran, die echte technische Revolution zu starten. Und wir sollen nicht vergessen: Künftige Generationen werden uns nicht an unseren Ambitionen messen, sondern an dem, was wir erreicht haben.
Derzeit überbieten sich die Politiker in phantasiereichen Versprechen, die nur wenig oder gar keine Aussicht auf Erfüllung haben. Betrachten wir Japan. Im Juni versprach man, die CO2-Emissionen bis 2020 um acht Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken. Was das bedeutet, hat Roger Pielke vom Center for Science and Technology Policy Research berechnet: Acht neue, noch leistungsstärkere Atomkraftwerke müssten gebaut werden; eine Million neuer Windturbinen müssten aufgestellt, Solar-Panels auf fast drei Millionen Hausdächern installiert, der Anteil von rigoros gedämmten Häusern verdoppelt und der Verkauf von grünen Autos von 4 auf 50 Prozent gesteigert werden.
Das wäre eine Herkules-Aufgabe, zumal für eine Nation, die schon heute führend ist in Energieeffizienz. Und dennoch wurde das Versprechen des Premiers scharf kritisiert. Erst als der neue japanische Premier unlängst eine noch viel strengere Reduzierung um 25 Prozent versprach, applaudierte man ihm. Dass dem Plan jede Aussicht auf Umsetzung fehlt, störte niemand. Schöne Worte werden höher bewertet als realistische Ziele.
53 Milliarden Euro für Solarkraft halten den Klimawandel um eine Stunde auf.
Unser derzeitiger Ansatz, die globale Erwärmung zu stoppen, besteht darin, sich ausschließlich darauf zu fokussieren, wie viel Kohlendioxid wir mit Abgaben einsparen können, und nicht, wie wir das technisch erreichen. Das bedeutet, wir spannen den Karren vor die Pferde.
Am effizientesten wäre es, die öffentlichen Ausgaben für Erforschung und Entwicklung von CO2-freier Energiegewinnung drastisch zu erhöhen. Wir müssen nicht fossile Energie teurer, sondern alternative Energien billiger machen.
Geld für Forschung und Entwicklung in einer Größenordnung von 66 Milliarden Euro würde jährlich gebraucht. Das ist 55-mal so viel, wie die Regierungen heute dafür ausgeben. So gewaltig diese Summe erscheinen mag, so wäre sie doch nur ein Bruchteil jener Kosten, die die CO2-Reduzierung verschlingen würde. Berechnungen zufolge verhindert jeder Euro für Forschung und Technik elf Euro Schaden durch den Klimawandel.
Wir können uns dabei nicht auf Privatunternehmen verlassen. So wie in der medizinischen Forschung, so werden auch hier die frühen innovativen Durchbrüche keine echten Erträge abwerfen. So gibt es derzeit keinen starken Anreiz für private Investitionen.
Mehr öffentliche Forschungsgelder würden zugleich viele der politischen Probleme des Kyoto-Ansatzes lösen. So würden aufstrebende Nationen wie China und Indien viel eher den billigeren, klügeren und ergebnisreicheren Innovations-Pfad wählen.
Kohlendioxid-Steuern könnten eine wichtige, sekundäre Rolle dabei spielen, Forschung und Entwicklung zu unterstützen. Die kanadischen Umweltökonomen Green und Galiana schlagen zunächst eine schwache Besteuerung von fünf US-Dollar pro Tonne CO2 vor, um die Finanzierung solcher Forschungsprogramme sicherzustellen. Später, so ihr Vorschlag, sollte die Steuer angehoben werden, um mit diesem Geld auch den Einsatz von effizienten und bezahlbaren Technologiealternativen zu fördern.
Wichtig ist, das Geld nicht dafür zu verschwenden, die heutigen, uneffizienten Alternativtechniken ein wenig aufzupeppen. Einen anschaulichen Fall dazu bietet gerade Deutschland: Riesige Geldmengen werden dort aufgewendet, um winzige Mengen Kohlendioxid mit Solarkraft einzusparen. 716 Euro lassen es sich die Deutschen kosten, um mit den Solar-Panels eine Tonne Kohlendioxid-Emission zu vermeiden - und ersparen dem Planeten Erde damit einen geschätzten Schaden von vier Euro. Der maximale Effekt des gesamten deutschen 53 Milliarden Euro teuren Solarförderungsprogramms ist es, die globale Erwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts um eine Stunde aufzuschieben. Ein imposantes Beispiel für eine Politik, die sich gut anfühlt, aber rein gar nichts bringt.
Politiker sollten mit bedeutungsschweren Verhandlungen zur CO2-Reduzierung aufhören und stattdessen ein Bündnis eingehen, in Forschung und Entwicklung zu investieren, um alternative Energien auf das nötige Niveau zu bringen.
Seit Politiker 1992 in Rio de Janeiro das erste Mal versprachen, Kohlendioxid einzusparen, haben wir 20 Jahre ohne Fortschritt verschwendet. Dafür haben wir keine Zeit mehr.
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