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Ausgabe 50/2009
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Schulen Ende des Aussortierens

Behinderte Kinder: Förderschulen vor dem Aus
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2. Teil: Durch das Schulsystem werden zwei Lebenswelten voneinander getrennt

An der Tannenhag-Schule in Friedrichshafen zum Beispiel sind die Räume hell, die Lehrer verständnisvoll, ihre Klassen bestehen meist aus nur fünf oder sechs Kindern. "Es herrscht ein angenehmes Wohlfühlklima", sagt Jürgen Göbel. Trotzdem würden er und seine Frau Karin ihren Sohn Tim am liebsten so schnell wie möglich von dieser Schule herunternehmen.

Tim ist sieben Jahre alt und wie viele Kinder mit Down-Syndrom ein freundliches Kind. Wenn er morgens um 7.20 Uhr an seinem Heimatort Kressbronn abgeholt wird, begrüßt er den Schulbus winkend mit "Hallo, Bus". Und wenn er gegen 16 Uhr zurückgebracht wird, ruft er dem Bus ein fröhliches "Tschüss, Bus" hinterher. Sofern er nicht eingeschlafen ist auf der langen Fahrt durch den halben Landkreis. Oft muss Tim erschöpft aus dem Bus herausgetragen werden.

Dabei könnte sein Schulweg aus knapp 40 Schritten bestehen. Die Göbels wohnen direkt neben einem Schulzentrum, das neben einer Grundschule sogar eine Förderschule bietet. Aber es ist eine Förderschule für Lernbehinderte. Und da das Schulamt Tim als "geistig behindert" einstuft, muss er nach Friedrichshafen.

Bis zur Einschulung war Tim im Kindergarten mit Nachbarkindern zusammen. Jetzt sind die meisten Kontakte eingeschlafen, bedauert Karin Göbel. Sie hat Angst, dass sich ihr Sohn an eine Umgebung gewöhnt, in der es nur Behinderte gibt; und Tims ehemalige Freunde sich an eine Umgebung gewöhnen ganz ohne Behinderte. "Das Schulsystem sorgt dafür, dass beide Lebenswelten komplett voneinander getrennt werden", sagt Tims Mutter.

Dass es auch anders funktionieren kann, beweist die "Pinguin"-Klasse der Sophie-Scholl-Schule in Gießen. Mara streichelt ihrem im Rollstuhl sitzenden Mitschüler über den Kopf und fragt, ob sie ihm die Stifte holen solle. Ein paar Räume weiter liest ein Junge dem Down-Mädchen Charlotte aus einem "Heidi"-Buch vor. Dazwischen brüten Kinder an Gruppentischen über Arbeitsblättern, angeleitet von Lehrern oder Integrationshelfern.

Die Sophie-Scholl-Schule nimmt alle auf: Lernbehinderte, geistig Behinderte, sozial Auffällige. "Wir haben auch Hochbegabte", sagt Invield Helmer, die kommissarische Leiterin der privaten Grund- und Gesamtschule. Bis zu fünf Kinder mit "sonderpädagogischem Förderbedarf" vertrage eine 22-köpfige Klasse. Die übrigen sind nichtbehinderte Schüler, deren Eltern von der individuellen Betreuung überzeugt sind und dafür monatlich 270 Euro Schulgeld zahlen.

Speziell aufs Lerntempo zugeschnittenes Arbeitsmaterial

Der personelle Aufwand - im Schnitt wird jede Klasse von 1,5 Lehrkräften unterrichtet - erscheint hoch, ist jedoch insgesamt nicht höher, so haben Bildungsexperten ausgerechnet, als würden die Kinder mit Förderbedarf an separaten Schulen unterrichtet werden. Die Lehrer an inklusiven Schulen müssen mehr im Team arbeiten und sich auf oft anstrengende Methoden einstellen. Aber es lohne sich, sagt Helmer. Auch Leistungsstärkere profitierten, wenn sie speziell auf ihr Lerntempo zugeschnittenes Arbeitsmaterial bekämen.

Nach einer Studie der Bertelsmann Stiftung geben die Länder derzeit allein für das lehrende Personal an Förderschulen pro Jahr zusätzlich 2,6 Milliarden Euro aus. Würde man die Förderschullehrer dezentral an Regelschulen einsetzen, könnte dort jeder Schüler mit Förderbedarf zusätzlich zum normalen Unterricht noch 2,4 Stunden Förderunterricht bekommen. Für eine Klasse mit vier Förderschülern wären das fast zehn Wochenstunden für individuelle Betreuung. Gleichzeitig entfielen Kosten für den meist in Kleinbussen organisierten Überlandtransport.

Ob eine solche Rechnung aufgeht, wird derzeit im Landkreis Offenbach ausprobiert. Statt eine Förderschule in Mühlheim am Main zu sanieren, wollte der Landrat das Geld lieber für Personal ausgeben. Er schloss eine Vereinbarung mit dem Kultusministerium: Die Schule wird geschlossen, die zehn Lehrerstellen werden für den Förderunterricht auf vier umliegende Schulen verteilt. Zudem können diese Schulen zusätzlich Sozialpädagogen zur Unterstützung der Förderschüler einstellen - bezahlt vom Kreis, der das Geld für ein komplettes Schulgebäude spart.

Ein Modell für die ganze Republik, in der gerade mal 15,7 Prozent der Förderschüler in allgemeinen Schulen lernen? Vor allem Länder, die zuletzt viel Geld in den Ausbau von Förderschulen investiert haben, tun sich mit einem Richtungswechsel schwer. Gerade im Osten, der stark unter sinkenden Schülerzahlen leidet, würden zum Teil "absurd viele Schüler zu Förderschülern erklärt", sagt Ada Sasse, Pädagogikprofessorin an der Berliner Humboldt-Universität. In Mecklenburg-Vorpommern etwa haben die Behörden bei 10,9 Prozent der Schüler einen "Förderbedarf" attestiert, in Rheinland-Pfalz nur bei 4,4 Prozent. Sasse hat den Verdacht, "dass es in einigen Ländern auch darum gehen könnte, die teuren Förderschulen gut auszulasten".

Mindestens 80 Prozent der Förderschüler, meinen Bildungsforscher wie Hans Wocken, könnten und sollten an normalen Regelschulen unterrichtet werden. Doch ob sich das so leicht umsetzen lässt, wird selbst in den einer Reform aufgeschlossenen Kultusministerien bezweifelt. Fachreferenten wie der Niedersachse Peter Wachtel haben zwar "weitgehend Einigkeit erzielt" über "Kompetenzzentren" oder "Schulen ohne Schüler", von denen aus Sonderpädagogen flexibel an Regelschulen abgeordnet werden, um dort je nach Bedarf Förderschüler zu unterstützen. Jedoch führen umfassende Veränderungen im Schulsektor häufig zu Unruhe und Protesten. Und viele Politiker sind noch skeptisch, ob die Regelschulen wirklich in der Lage sind, Förderschüler ohne Qualitätsverlust aufzunehmen.

Andererseits wird der Druck noch zunehmen. Schon im nächsten Jahr soll ein Uno-Beauftragter in Genf Bericht erstatten, wie weit Deutschland mit der Umsetzung der Konvention gekommen sei. Eine Schelte werde sich die Republik kaum erlauben können, heißt es in den Kultusministerien. "Schon deshalb wird uns keine Wahl bleiben", meint Wachtel, "als an die Förderschulen ranzugehen."

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Broko 12.12.2009
Es wird immer schwerer, heutzutage eine Klasse zu halbwegs passablen Lernergebnissen zu führen - in sozialen Brennpunkten sowieso. Als Krönung will man jetzt also diesen Lerngruppen auch noch hochgradig verhaltensauffällige [...]
Es wird immer schwerer, heutzutage eine Klasse zu halbwegs passablen Lernergebnissen zu führen - in sozialen Brennpunkten sowieso. Als Krönung will man jetzt also diesen Lerngruppen auch noch hochgradig verhaltensauffällige Schüler zuführen - was will dieses Land eigentlich? Ein Land von Analphabeten werden?
nachtwut 12.12.2009
Die nun geforderte Veränderung ist kein selbstheilendes System und wirft logischerweise neue Probleme auf. Ein Aufbegehren gegen die Praxis von Schulbehörden "jeden Zappelphillip in eine Sonderschule abzuschieben", [...]
Die nun geforderte Veränderung ist kein selbstheilendes System und wirft logischerweise neue Probleme auf. Ein Aufbegehren gegen die Praxis von Schulbehörden "jeden Zappelphillip in eine Sonderschule abzuschieben", ist sicherlich in Mehr als einem Einzelfall ehrenhaft. allerdings darf man auch nicht vergessen, dass es häufig die Eltern selbst sind, die einen solchen Vorgang forcieren, erhoffen sie sich doch für ihr schwieriges Kind eine bessere Förderung. (Siehe auch Thema "Ritalin") Und: Eine Klasse mit 22 Schülern (in einer teilprivaten Schule oder einer in einem so genannten "guten Viertel") verträgt vielleicht 5 (realistisch sind wohl max 3) "Förderschüler" - aber was ist mit der Realität: Klassen mit 30 bis 32 Schulern, möglicherweise in "Problemvierteln" oder einfach Klassen mit über 80% Migrationsshintergrund, also in Klassen, die mit "sich selbst" genug zu tun haben? Und wie schützen wir diese speziellen Kinder, wenn wir schon so genannte gesunde Kinder nicht schützen können in den Ecken auf dem Schulhof... (siehe Thema "Gewalt an Schulen" ). Kinder an Spezialschulen werden in der Regel durch gemeinnützige Fahrdienste in die Schule gebracht - Wie wird die neue Praxis aussehen? Der Leistungsdruck ist schon an den Grundschulen hoch - die irrrsinnige Einstufungspraxis des deutschen Schulsystems bringt das mit sich. Entstehen so nicht "neue Ungerechtigkeiten". Man müsste mehr tun, wie nur ein paar Förderschulen schließen udn ein paar Sozialpadagogen mehr ausbilden... Viel mehr...
nachtwut 12.12.2009
Die nun geforderte Veränderung ist kein selbstheilendes System und wirft logischerweise neue Probleme auf. Ein Aufbegehren gegen die Praxis von Schulbehörden "jeden Zappelphillip in eine Sonderschule abzuschieben", [...]
Die nun geforderte Veränderung ist kein selbstheilendes System und wirft logischerweise neue Probleme auf. Ein Aufbegehren gegen die Praxis von Schulbehörden "jeden Zappelphillip in eine Sonderschule abzuschieben", ist sicherlich in Mehr als einem Einzelfall ehrenhaft. allerdings darf man auch nicht vergessen, dass es häufig die Eltern selbst sind, die einen solchen Vorgang forcieren, erhoffen sie sich doch für ihr schwieriges Kind eine bessere Förderung. (Siehe auch Thema "Ritalin") Und: Eine Klasse mit 22 Schülern (in einer teilprivaten Schule oder einer in einem so genannten "guten Viertel") verträgt vielleicht 5 (realistisch sind wohl max 3) "Förderschüler" - aber was ist mit der Realität: Klassen mit 30 bis 32 Schulern, möglicherweise in "Problemvierteln" oder einfach Klassen mit über 80% Migrationsshintergrund, also in Klassen, die mit "sich selbst" genug zu tun haben? Und wie schützen wir diese speziellen Kinder, wenn wir schon so genannte gesunde Kinder nicht schützen können in den Ecken auf dem Schulhof... (siehe Thema "Gewalt an Schulen" ). Kinder an Spezialschulen werden in der Regel durch gemeinnützige Fahrdienste in die Schule gebracht - Wie wird die neue Praxis aussehen? Der Leistungsdruck ist schon an den Grundschulen hoch - die irrrsinnige Einstufungspraxis des deutschen Schulsystems bringt das mit sich. Entstehen so nicht "neue Ungerechtigkeiten". Man müsste mehr tun, wie nur ein paar Förderschulen schließen udn ein paar Sozialpadagogen mehr ausbilden... Viel mehr...
tomberlin55 12.12.2009
Mein Sohn wurde jahrelang von einen der hier genanten fertig gemacht, geschlagen, beleidigt und so weiter. Da die im Artikel beschriebene Wandeleung unser Gesellschaft hin zu den "asozialen", d.H. denen die nichts fürs [...]
Mein Sohn wurde jahrelang von einen der hier genanten fertig gemacht, geschlagen, beleidigt und so weiter. Da die im Artikel beschriebene Wandeleung unser Gesellschaft hin zu den "asozialen", d.H. denen die nichts fürs Gemeinwohl leisten, passiert, traute sich die Schule nichts gegen den Jungen zu machen. Was ist sagen will: was ist mit den anderen, den nicht lernbinderten oder auffälligen? Sollte sich der Staat nicht primär um diese kümmern und sie für den Rest nicht runterfallen lassen? 20 Kinder müssen sich einen Lehrer teilen, während für den Sonderschüler, dem das eh nichts nutzt, ein extra Lehrer abgestellt wird? Macht es nicht mehr sinn, den 20 einen 2. Lehrer zu stellen?
indosolar 12.12.2009
weil selbst das sogenannte Fachpersonal nicht willens oder in der Lage ist, Ursachenforschung zu betreiben oder besorgte Eltern zu unterstuetzen.Fallballspiel meines eigenen Kindes: Das Kind wuchs im Ausland auf, auslaendische [...]
weil selbst das sogenannte Fachpersonal nicht willens oder in der Lage ist, Ursachenforschung zu betreiben oder besorgte Eltern zu unterstuetzen.Fallballspiel meines eigenen Kindes: Das Kind wuchs im Ausland auf, auslaendische Mutter, deutscher Vater. Weil die Mutter es nicht fertig brachte, dem Kind die Muttersprache beizubringen, wechselte ich zurueck nach Deutschland. Die Integration des Kindes im staatlichen Kindergarten war haarstraeubend, Nachfragen und Bitten um Hilfe wurden damit abgetan, das Kind entwickele sich ganz normal, haette keine Probleme, Feststellung des ASD ohne das Kind ueberhaupt gesehen zu haben. 8 Wochen spaeter stellt der Schularzt Nichtschulfaehigkeit fest, wegen Disylblie!? und verschiedener anderer Defekte. Die normale Intelligenz des Kindes wird erst festgestellt, nachdem ich als Vater darauf draengte, die Tests in englisch zu wiederholen. Danach Anweisung zur Foerderschule. Es wird beim ASD um mehr Hilfe gebeten, da die Probleme in der Erziehung auf die Mutter uebergreifen, die ihre eigene Verantwortung nicht erkennt. Dies fuehrt zum familiaeren Konflikt. Der wird vom ASD nicht etwa geklaert, sondern mit Hilfe von Frauenschutzorganisationen verstaerkt, als Rache gegen den Vater genutzt. Die Mutter trennt sich unter Mitnahme des Kindes, der ASD unterstuetzt es, ohne eine Argument gegen den Vater zu haben. Das Kind wird vor allem wegen der sprachlichen Schwierigkeiten, das Kind spricht mittlerweile nur noch deutsch und englisch, versteht seine eigene Muttersprache nicht mehr, erneut zur Foerderschuluntersuchung angewiesen. Die Lehrer fordern den Vater auf, mehr fuer die sprachliche Integration zu tun, das kann er aber nicht, weil er nur Umgang hat, denn das Kind muss in Deutschland immer zur Mutter (einziger Grund). Der Vater protestiert und bittet wenigstens um ein Wechselmodell mit dem Kind, zu dem er ein sehr gutes Verhaeltnis hat und das von der Mutter bei Lernschwierigkeiten misshandelt wird, mehr helfen zu koennen. Diese Bitte wird von der Kindesmutter mit Unterstuetzung des ASD und ihrer Anwaeltin als Grund gesehen, den Sorgerechtsentzug zu beantragen. Bleibt anzumerken, dass das Kind in zwei Jahren trotz einer blockierenden Mutter zureichend Deutsch gelernt hat, von seiner Schule und den Lehrern als ausserordentlich kreativ und in technischen und naturwissenschaftlichen Dingen als sehr begabt betrachtet wird, trotzdem auf der Strecke bleiben wird, da er erstens seiner sprachlichen Entwicklung beraubt werden soll und zweitens im Zweifelsfalls die Behoerde immer recht hat. Nicht fuer umsonst steht die deutsche Familienpolitik im Kreuzfeuer internationaler und Menschenrechtsorganisationen. Schulpolitik ist nicht trennbar von Familienpolitik und hier liegt der groesste Nachholbedarf in unserer Gesellschaft. Die ganzen Foerder- und Sonderschulen naehren wie die Entwicklungspolitk letztendlich nur ihre eigene Administration! Weg damit und mehr Geld und Aufwand fuer ganz normale Schulen. Integration die ausgrenzt ist keine!
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