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Ausgabe 51/2009
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14.12.2009
 

Bildung

Im Dschungel

Von Michael Fröhlingsdorf, Charlotte Klein, Leon Scherfig und Markus Verbeet

Auszubildender Dennis B., Kollege: Raus aus der Schule, aber nicht rein ins ArbeitslebenZur Großansicht
Hartmut Schwarzbach / Argus

Auszubildender Dennis B., Kollege: Raus aus der Schule, aber nicht rein ins Arbeitsleben

2. Teil: Durcheinander der Fördermaßnahmen

Ob die Jugendlichen erfolgreich sind, hängt häufig auch vom Zufall ab. Viele brauchen eine spezielle Förderung, aber nur wenige bekommen sie. Mancherorts gibt es Bemühungen, das Durch- und Nebeneinander der Fördermaßnahmen zu ordnen. Die Stadt Bielefeld etwa hat 2007 ein "Jugendhaus" zur Koordinierung eingerichtet. Dessen Leiter Klaus Siegeroth klagt, dass "die Qualifizierungen von den Betrieben nicht positiv wahrgenommen" werden. Von den 644 Schülern, die in Bielefeld im vergangenen Jahr keinen Ausbildungsplatz fanden, seien nunmehr 83 fündig geworden. Der Rest muss im kommenden Jahr wieder sein Glück versuchen und mit den neuen Schulabgängern um die Stellen konkurrieren.

Andere Projekte wollen dafür sorgen, dass keine Förderung mehr ohne Berufsabschluss endet. "In Zukunft sollen ausbildungsreife Jugendliche ohne Ausbildungsplatz keine Zeit mehr in Übergangsmaßnahmen verlieren", beschreibt die Bertelsmann-Stiftung ihr Vorhaben, an dem Ministerien aus fünf Bundesländern beteiligt sind. Wer keinen Betrieb finde, der ihn nehme, müsse etwa an einer Schule ausgebildet werden.

In naher Zukunft aber wird sich wohl wenig ändern. So lange können sich die Politiker an einem Vorteil des Übergangssystems freuen: Es führt zu schöneren Statistiken. Schließlich haben Politik und Wirtschaft das große Versprechen gegeben, dass alle, die wollen und können, einen Ausbildungsplatz angeboten bekommen. Im Oktober hielten die Partner fest, "dass dies gelingt". Nicht gezählt wurden die Jugendlichen, die erst einmal ins Übergangssystem rutschen, auch wenn sie sich später um einen Ausbildungsplatz bemühen.

"Ausbildungsmarktbilanz rechnerisch stabilisieren"

"Mit dieser Berechnung wird systematisch die tatsächliche Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage erheblich unterschätzt", sagt die Göttinger Professorin Heike Solga. Wenn man alle Jugendlichen zähle, die einen Schulabschluss vorweisen könnten und eine Ausbildung machen wollten, hätten im Jahr 2008 "mehr als 150.000 Ausbildungsplätze gefehlt". Das Bundesinstitut für Berufsbildung hält fest, dass das Übergangssystem in den vergangenen Jahren "auch ganz wesentlich die Funktion" hatte, "die Ausbildungsmarktbilanz rein rechnerisch zu stabilisieren".

Für Dennis B. aus Hamburg geht es nur darum, sein Leben zu stabilisieren. Durch Zufall ist er bei den Autonomen Jugendwerkstätten in Hamburg gelandet. 120 junge Menschen können hier beispielsweise zu Tischlern, Malern oder Kfz-Mechatronikern ausgebildet werden. "In normalen Betrieben würden unsere Leute die Probezeit nicht überstehen", sagt Geschäftsführer Michael Maaß, "wir geben ihnen die letzte Chance."

Dennis B. will sie unbedingt nutzen. Wenn alles gut läuft, wird er im nächsten Frühjahr den Gesellenbrief als Elektroniker in den Händen halten. Wenn es schlecht läuft, wird er zum Hartz-IV-Empfänger. Das Übergangssystem hat dann auf jeden Fall ein Problem weniger: Dennis B. wird seinen 25. Geburtstag feiern und damit den Anspruch auf besondere Fördermaßnahmen verlieren.

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insgesamt 21 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
16.06.2010 von kiki1311: Fördermaßnahmen als Warteschleifen?

Ich finde es unerhört, die bestehenden Fördermaßnahmen für jugendliche Ausbildungsplatzsuchende als reine Warteschleifen zu interpretieren, die angeblich dem Jugendlichen nichts bringen. Dies ist meiner Erfahrung nach nicht der [...] mehr...

20.12.2009 von lisek: Licht

"Niemand aber zündet ein Licht an und bedeckt es mit einem Gefäß oder setzt es unter eine Bank; sondern er setzt es auf einen Leuchter, damit, wer hineingeht, das Licht sehe." (Lk 8,16) "...wir wissen, dass [...] mehr...

19.12.2009 von fourelephants: Reich werden im Übergangssystem

Es gibt auf kommunaler Ebene seit Jahren nachgewiesen effektive Alternativen zu den angesprochenen Warteschleifen (BvB, Beufsfachschulen, EQJ etc.) die benachteiligten Jugendlichen die notwendige Förderung WÄHREND einer [...] mehr...

19.12.2009 von Der_Franke: Logik?

Aber anderseits wir die Politik nicht müde im Rahmen des demographischen Hypes zu erzählen, daß zu wenig Kinder geboren werden, und das seit Jahrzehnten. Nun gut, sind eben alles Märchenerzähler. mehr...

19.12.2009 von c++: Kapitalismus?

Das Problem ist, dass es für Unqualifizierte kaum Jobs gibt. Die antikapitalistische Antwort sind 1 € Jobs, so dass die Jugendlichen beschäftigt werden, ohne dass sich die Arbeit selbst finanziell trägt. So ähnlich [...] mehr...

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