Wirtschaft



AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 52/2009
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19.12.2009
 

Vermögen

Die Rache des Jüngers

Von Beat Balzli

Um das Milliardenerbe von Baron August von Finck wird eine hässliche Familienfehde ausgetragen. Vor Gericht will einer der Söhne nun die Enterbung seiner Halbbrüder erreichen.


In der niedersächsischen Provinz tragen Milliardärssöhne keine Armani-Anzüge, fliegen keine Hubschrauber - und haben auch sonst nicht immer alles im Griff. Helmut von Finck, 50, sitzt in der Nähe von Soltau bei Hamburg. Er trägt Hotellatschen, einen alten Pulli, noch ältere Jeans und erzählt von seinen Erfahrungen mit Psychotherapeuten.

Der Mann mit den struppig-grauen Locken wirkt, als sei er chronisch auf der Flucht. Er weiß nicht wohin mit seinen Händen, geschweige denn mit sich selbst. Der Sohn des verstorbenen Barons, Großgrundbesitzers und Bankiers August von Finck weiß nur, dass er mit der mondänen Welt der Superreichen nicht klarkommt.

So oft wie möglich verkriecht sich der Münchner hier auf seinem Pferdegestüt, 80 Hektar geschützte Welt, weit weg von den Erwartungen und Machtkämpfen des Geldadels, der ihn gern belächelt.

Finck steht am Fenster des Dachgeschosses seines Landhauses. Er schaut rüber auf die Koppel, erzählt vom Sonnenaufgang, von natürlicher Besamung seiner Zuchtstuten und von seinem Rennstall. Überall im Raum stehen Pokale, Trophäen, Champagnerkübel.

Das Finale einer tragischen Familienfehde

Manchmal verkauft Finck auch Pferde. Ein Scheich aus Dubai hätte ihm beinahe mal eine Million bezahlt. Doch der Tierarzt entdeckte dann irgendeine Malaise an dem Pferd. "Wir gehen auf jedes Tier ein", sagt er. "Mit Tieren kann ich es gut, mit Menschen ist es eher schwieriger."

Bald wird es noch schwieriger. Der Milliardärsspross will endlich "aus dieser Opferrolle raus". Ausgerechnet gegen seine eigene Familie zieht der Sohn aus zweiter Ehe des Barons nun vors Münchner Landgericht. In diesen Tagen reicht Helmut von Finck seine Klage ein. Es soll das Finale einer tragischen Familienfehde werden.

Finck kämpft gegen seine zwei Halbbrüder August und Wilhelm aus der ersten Ehe seines Vaters. "Ich war immer das schwarze Schaf", sagt Helmut. Seit Jahrzehnten fühlt er sich von beiden verstoßen und vor allem um ein gigantisches Vermögen betrogen. Denn der Milliardärssohn ist im Gegensatz zu seinen Stiefgeschwistern gar kein Milliardär, sondern nur ein ganz kleiner Millionär.

Mit reichen Unternehmern und mehreren Anwälten im Rücken, will er nun einen beinahe 25 Jahre alten Vertrag, mit dem er einst für 65 Millionen Mark auf sein viel größeres Erbe verzichtete, für "nichtig" erklären lassen. Im Gegenzug sollen seine Brüder enterbt werden, "weil sie mit dem Verkauf der Bank Merck Finck & Co an die britische Barclays gegen das Testament meines Vaters verstoßen haben".

August von Finck soll 4,6 Milliarden Euro besitzen

Helmut sinnt auf Rache, auch für seinen Sohn Nino, 24. Dafür hoffen seine Prozessfinanzierer auf Rendite. Sie wollen am Ende ein Stück vom Milliardenkuchen.

Die Attackierten könnten kaum mächtiger sein. Das US-Magazin "Forbes" zählt August von Finck mit 4,6 Milliarden Euro zu den 100 reichsten Familien der Welt. Wilhelm von Finck junior, Sohn des 2003 verstorbenen Bruders Wilhelm, soll laut Schätzung des "manager magazins" ein Vermögen von 1,7 Milliarden Euro besitzen.

Große Teile des Geldes liegen heute in der Schweiz, wo der Clan Traditionskonzerne wie die Restaurantkette Mövenpick, die Industriegruppe Von Roll und den Warenprüfer SGS kontrolliert. Die Familien besitzen Ländereien, dicke Aktienpakete und mittlerweile sogar wieder eine Bank.

Kann die Attacke des Münchner Alt-Hippies gegen solche Gegner gelingen? Glaubt Helmut von Finck ernsthaft, dass die Richter am Ende diesen immensen Reichtum neu verteilen werden?

Eine schwere Kindheit im goldenen Käfig entfaltet jetzt ihr ganzes Zerstörungspotential. "Als ich ganz klein war, durfte ich mit dem Papa auf die Jagd", erinnert sich Finck an die wenigen positiven Erlebnisse mit seinem 61 Jahre älteren Vater. Sonst war der Baron "ganz weit weg, nie ansprechbar, sehr ernst, nie lustig".

Das Kind bekam die Härte einer "patriarchalischen Koryphäe" zu spüren. Der alte Herr rauchte billige Zigarren und saß in über 20 Aufsichtsräten. Im Hause des Patrons zählte nur Leistung. Gute Noten galten als einzig akzeptable Währung. "Die Schule machte mir Angst", erzählt sein Sohn, die Zeugnisse seien schlecht gewesen. "Als ich zwölf Jahre alt war, sprach er mit mir das letzte Wort."

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insgesamt 36 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
25.12.2009 von maustadt: Pferde statt Schweine

Er ist immerhin Pferdezüchter geworden, während Prinz August von Hanover nur Schweinezüchter ist! mehr...

24.12.2009 von lisek: Ich nehme an, es war Westgeld...

Für die meisten von uns ist, es schwer vorstellbar, dass Geld wirklich keine Rolle spielt. Die Frage ist, wofür es steht, denn bei allem Gerede ums Geld: Geld meint immer etwas anderes. Das Gute am Ostgeld war, dass es vieles [...] mehr...

24.12.2009 von rays: Meine kleine Meinung dazu!

Ich bezweifle das er mit einer Klage Erfolg haben wird, denn Vertrag ist Vertrag. Enzig der Verkauf könnte zu einem Problem für seine beide Brüder werden, aber mit sehr guten Anwälten, die sie haben, wird das auch kein Problem. [...] mehr...

24.12.2009 von Nils74: Oh Mann ...

Ja, der Alte, der das alles aufgebaut hat, wird nicht nur einmal vor der Wand gestanden sein und sich gefragt haben, warum er für 20min Spaß mit der Mutter dieses Versagers so bestraft worden ist, während er den Kopf rhythmisch [...] mehr...

24.12.2009 von wolfnator: Enteignen

[QUOTE=sysop;4744769]Um das Milliardenerbe von Baron August von Finck wird eine hässliche Familienfehde ausgetragen. Vor Gericht will einer der Söhne nun die Enterbung seiner Halbbrüder erreichen. Who cares??!! Schade nur, [...] mehr...

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