Wirtschaft


AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 52/2009
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Vermögen Die Rache des Jüngers

2. Teil: Das Testament des Vaters war demütigend


Dann folgte, was in reichen Familien immer folgt, wenn die Nachkommen zu versagen drohen. Die Eltern schoben das Problemkind ins Internat ab. Der Einstieg in die wilden Jahre begann. Der Junior kiffte und brannte mit einer Frau durch. Mehrere Anläufe zum Abitur scheiterten.

1980 starb der Vater. Das Testament sah die Dreiteilung des Vermögens vor. Allerdings galt für den jüngsten Bruder eine Spezialregelung. Seine Finanzen sollten bis zu seinem 38. Geburtstag unter Aufsicht gestellt werden. Und auch dann sollte er nicht frei sein. Er war nur als Vorerbe eingesetzt. Erst nach seinem Tod durfte sein eigener Sohn richtig erben.

Das Testament des Vaters war demütigend, sein Tod trotzdem traumatisch. "Ich hatte jetzt gar keinen Halt mehr, rutschte ab in Drogen und schwere Depressionen", erzählt Helmut mit zitternder Stimme.

Anfang der Achtziger schwärmte er für Bhagwan, Therapien, Gruppensex "und wurde zum Spielball zwischen Guru und Psychologen". Helmut nannte sich Swami Anand Nityo, zu Deutsch: der, dem die Freude angeboren ist. Mit drei anderen Bhagwan-Mönchen lebte Finck ab Herbst 1983 in einer Bretterbude im US-Sektendomizil bei Oregon. "Ich habe genug vom Geld", sagte Deutschlands reichster Aussteiger im Februar 1984 einer Reporterin.

"Es war eine wahnsinnige Hippie-Szene"

Zu Hause in München nahmen ihn seine Stiefbrüder beim Wort. Um die Bank vor dem gierigen Guru zu schützen, wollten sie ihren Halbbruder endlich loswerden - und seinen Anteil kassieren. Sie zitierten den Jünger per Fax nach Deutschland. Zwölf Monate und etliche LSD-Trips später unterschrieb der am 14. Februar 1985 einen folgenschweren Vertrag.

Für 65 Millionen Mark kauften die viel älteren Stiefbrüder ihm alle persönlichen Ansprüche aus dem Erbe und den Schenkungen des Vaters ab. Helmut schied als persönlich haftender Gesellschafter aus der Bank aus und beschäftigte sich nur noch mit Frauen und Drogen. Er versuchte sich gar als Betreiber einer Disco namens "Confetti", was seinen Bewusstseinszustand gut umschrieb. "Es war eine wahnsinnige Hippie-Szene, ich war sehr spirituell", sagt er heute. Die Liebe zu den Pferden habe ihn schließlich gerettet. Der dreifache Vater fand "seine Berufung".

65 Millionen Mark für ein Drittel eines Milliardenimperiums? Finck fühlt sich heute von seinen Stiefbrüdern über den Tisch gezogen. Der Jünger will jetzt Gerechtigkeit.

Die ersten juristischen Scharmützel liegen drei Jahre zurück. Nachdem sein Sohn Nino von seinen Onkeln Auskunft über das Vermögen seiner Nacherbschaft verlangt hatte, verhärteten sich schnell die Fronten. Im Juni hob der Bundesgerichtshof ein Urteil des Oberlandesgerichts München gegen Ninos Auskunftsbegehren auf.

Alle Beteiligten bereiten sich auf eine schmutzige Erbschlacht vor

Eine Nebenbemerkung in der Urteilsbegründung befasst sich mit dem Verkauf der Familienbank Merck Finck & Co an Barclays im Jahre 1990. Sie könnte die beiden Milliardäre teuer zu stehen kommen. "Danach könnte allenfalls zweifelhaft sein, ob es dem Erblasserwillen entsprochen hätte, wenn familienfremde Dritte an der OHG beteiligt worden wären", schrieben die Richter. Für Fincks Anwälte ist die Anmerkung der Bundesrichter eine Steilvorlage, um mit der aktuellen Klage das Erbe des verstorbenen Barons neu zu sortieren.

Der Vertrag von 1985 soll für nichtig erklärt werden, weil der Bhagwan-Jünger damals nicht geschäftstüchtig gewesen sei und nicht wusste, was er unterschrieb. 65 Millionen Mark seien eh ein Witz. Schon damals hätten es mindestens mehrere hundert Millionen sein müssen.

Die Gegner werden hart bleiben. Bei der Finck'schen Hauptverwaltung in München ist für eine Stellungnahme niemand zu erreichen. Auch die Anwälte schweigen. Aber die Verteidigungslinie lässt sich anhand früherer Schriftsätze erahnen: Helmut von Finck habe "sein Erbrecht verwirkt", weil er mit dem Vertrag von 1985 "gegen die vom Erblasser angeordnete Auflage, persönlich haftender Gesellschafter des Bankhauses Merck Finck & Co zu bleiben, verstoßen" habe. Die Stiefbrüder hätten gar keine andere Wahl gehabt, als "an einem möglichst raschen und geräuschlosen Ausscheiden von Helmut von Finck mitzuwirken". Die Reputation der Bank sei "aufgrund der öffentlich zur Schau gestellten Bhagwan-Zugehörigkeit" in hohem Maße gefährdet gewesen. Dadurch hätte er seinen Brüdern den "Vertragsabschluss faktisch aufgezwungen".

Alle Beteiligten bereiten sich nun auf eine schmutzige Erbschlacht vor. Ob der Kläger das durchhält?

"Ich habe nie etwas Böses getan", sagt Helmut von Finck. Zähe Kämpfer sehen anders aus.

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insgesamt 36 Beiträge
vorspiegeln 23.12.2009
sie haben alles richtig gemacht. Hippies brauchen kein Geld.
sie haben alles richtig gemacht. Hippies brauchen kein Geld.
lemming51 23.12.2009
..............65 Mio, die hat er (hoffentlich noch so ziemlich), das sollte reichen.Bedenke: die engsten Familienangehörigen sind die ärgsten aber natürlichen Feinde eines jeden Menschen. :-)
..............65 Mio, die hat er (hoffentlich noch so ziemlich), das sollte reichen.Bedenke: die engsten Familienangehörigen sind die ärgsten aber natürlichen Feinde eines jeden Menschen. :-)
anna1 23.12.2009
...es geht um Gier. Und zwar nicht um die des "Hippies", sondern um die der Konzerne und der Brüder. Reputationen von Banken werden nicht durch "gierige Gurus" beschädigt sondern durch skrupellose Banker. Der [...]
...es geht um Gier. Und zwar nicht um die des "Hippies", sondern um die der Konzerne und der Brüder. Reputationen von Banken werden nicht durch "gierige Gurus" beschädigt sondern durch skrupellose Banker. Der unbequeme Sohn, der vermutlich durch seine Geschichte intensiven Zugang zu Herz und Gefühl hat, hat das Recht auf Gerechtigkeit. Es ist egal, ob er - ich bezweifle es - weitere Millionen für dämlichen Luxus braucht, das interessiert ihn vermutlich gar nicht. Er könnte mit einem Teil der Milliarden Gutes tun. Möge ihm Gerechtigkeit widerfahren!
Thombor 23.12.2009
Erbschaftssteuer erhöhen für alle Erbschaften über 2 Millionen Euro: auf 98%! Dann hat sich das Thema. Das Geld wurde ohnehin zusammengegaunert von den "adeligen" Vorvätern.
Zitat von sysopUm das Milliardenerbe von Baron August von Finck wird eine hässliche Familienfehde ausgetragen. Vor Gericht will einer der Söhne nun die Enterbung seiner Halbbrüder erreichen. http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,668272,00.html
Erbschaftssteuer erhöhen für alle Erbschaften über 2 Millionen Euro: auf 98%! Dann hat sich das Thema. Das Geld wurde ohnehin zusammengegaunert von den "adeligen" Vorvätern.
HerrDerSchatten 23.12.2009
Kann mir mal jemand sagen warum dieser Taugenichts Geld will und warum die Regelung mit dem Vormund demütigend war? Er kann offensichtlich nicht mit Geld umgehen, ist strohdoof oder naiv und sollte dann evtl. nicht mit [...]
Kann mir mal jemand sagen warum dieser Taugenichts Geld will und warum die Regelung mit dem Vormund demütigend war? Er kann offensichtlich nicht mit Geld umgehen, ist strohdoof oder naiv und sollte dann evtl. nicht mit Milliardenbeträgen herumhantieren sondern etwas tun das er kann und nicht Papies Geld verbraten. Andere Taugenichtse ohne Papa mit dicker Brieftasche sind in der Gosse gelandet oder arbeiten Randstadt, soll der Herr sich doch freuen nicht da gelandet zu sein. 65 Mille sind nämlich ein sehr dickes Polster, davon kann man leben ohne sich je sorgen machen zu müssen und die hart arbeitenden Brüder werden von idiotischen Einmischungen verschont. Mag ja sein das sein Vater nicht nett zu ihm waren - aber mit ca 40 sollte man irgendwann verantwortung für sein eigenes Leben übernehmen, dass hilft in der Regel.
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