Von Jörg Diehl
Die Villa, der Aston Martin, alles perdu. Ralf Hölzen, 46, groß, schlank, ergraut, ein Stück Schwarzwälder Kirsch auf dem Kuchenteller, sitzt in einem Rentnercafé im niederrheinischen Goch und löffelt Sprühsahne aus seinem Kaffee. Er wohnt jetzt wieder bei seinen Eltern, zwei Straßen weiter.
Ende Januar wird sich Hölzen vor dem Vorarlberger Landesgericht Feldkirch verantworten müssen. Er und sein Kumpan Dietmar B., 52, sind von der österreichischen Justiz angeklagt wegen versuchten schweren Betruges und Besitzes von falschen Geldscheinen.
Vor fast einem Jahr waren Hölzen und B. in einer Bank im Kleinwalsertal festgenommen worden. Das Duo soll dort versucht haben, 202 Millionen Dollar Falschgeld einzutauschen. Weitere falsche 291 Millionen Dollar fand die Polizei im schwarzen Samsonite-Koffer der beiden.
Einer der größten Erfolge im Kampf gegen falsche US-Noten
Nominell war das einer der größten Fahndungserfolge, den europäische Polizeiorgane im Kampf gegen falsche US-Noten je erzielen konnten. Von einem strategischen Ermittlungscoup mochte freilich nicht mal die österreichische Kripo sprechen. Dazu mangelte es den Angeklagten an Plan und Professionalität.
Vielmehr dürfte der Prozess in Feldkirch ein Lehrstück darüber werden, wie in Zeiten der Gier auch kleine Leute das schnelle Geld suchten; wie sie glaubten, mit Schrottpapieren und ein bisschen Schlitzohrigkeit zu Reichtum kommen zu können; und wie sie dabei ihre Existenz ruinierten.
"Die Sache", so nennt Ralf Hölzen im Rückblick seine Hoffnung auf den maximalen Reibach, beginnt mit einem unangekündigten Besuch im September 2008. Es läuft gerade nicht gut für ihn. Seine Ehe ist in die Brüche gegangen, die Zulassung als Rechtsanwalt ist ihm entzogen worden, wegen "ungeordneter Vermögensverhältnisse", wie es heißt. Hölzen hat Schulden beim Finanzamt, Zehntausende Euro, und schlägt sich als Berater durch.
Eines Nachmittags treten zwei Männer in sein Büro. Hendrik van den B. ist ein älterer Herr, groß und hager, er trägt einen teuer aussehenden dunklen Anzug und stellt sich als niederländischer Geschäftsmann vor. Der hat Geld, sagt sich Hölzen.
Von Devisengeschäften keine Ahnung
Der andere, klein und kahlköpfig, ist Dietmar B. aus Essen. Seine Erscheinung macht deutlich weniger her. Dass er ein langzeitarbeitsloser, sechsfach vorbestrafter Maschinenschlosser ist, der wegen versuchten Betruges und schweren Bandendiebstahls schon im Gefängnis gesessen hat, sagt er laut Hölzen nicht.
Sie kämen auf Empfehlung eines ehemaligen Mandanten, schmeicheln die Besucher. Hölzen möge ihnen doch bitte einen Kaufvertrag aufsetzen, es gehe um historische Wertpapiere, unter anderem amerikanische Silberzertifikate. Diese fast wie gewöhnliche Dollarscheine aussehenden Noten seien nie als herkömmliches Zahlungsmittel eingesetzt worden, sehr wohl aber früher zwischen Banken gehandelt worden - und noch immer sehr, sehr wertvoll.
Hölzen kennt sich mit Mietsachen aus, Steuerrecht und Straßenverkehrsdelikten; von Devisengeschäften hat er keine Ahnung. Auch wenn ihm seine neuen Mandanten merkwürdig erscheinen sollten, so unterdrückt er doch jegliche Skepsis. Hölzen hat früher auch Anlagebetrüger vertreten, die mit der Gier der Menschen kalkulierten. Jetzt will er dabei sein, wenn mit wenig Arbeit viel Geld verdient wird. Er hofft, seine Pechsträhne könnte schon bald ein Ende finden.
Deshalb will Hölzen mehr tun, als seiner neuen Kundschaft nur juristische Schriftstücke aufzusetzen. Hendrik van den B. scheint das gelegen zu kommen, er überlässt dem Ex-Anwalt eine Note, damit dieser sie überprüfen kann. Hölzen scannt den Schein ein und verschickt ihn per Mail an verschiedene Bekannte.
"Sehr aufwendig und professionell"
Von einer Angestellten der Privatbank Julius Bär erhält er prompt die Antwort, die Papiere seien wertlos. Doch er glaubt der Auskunft nicht, will ihr nicht glauben. Das Geschäft seines Lebens darf nicht vorbei sein, ehe es überhaupt begonnen hat. "Das ist doch meine Chance", sagt er sich.
So jedenfalls erzählt Hölzen die Geschichte. "Ich war naiv" - das ist das Eingeständnis, zu dem er bereit ist. Die kriminelle Energie jedoch, die ihm in der Anklage zur Last gelegt wird, so beteuert er, sei nicht von ihm ausgegangen.
Das österreichische Nationale Analyse Center (NAC) hat die 493 bei Hölzen und B. gefundenen Scheine untersucht. Es handelt sich bei 295 ursprünglich um Ein-Dollar-Noten. Fälscher haben den Nennwert der Noten auf eine Million Dollar erhöht, indem sie sechs Nullen hinzufügten. Das sei "sehr aufwendig und professionell" gemacht worden, urteilen die Spezialisten. Die übrigen 198 Eine-Million-Dollar-Papiere aus Hölzens Besitz sind laut NAC komplette Fälschungen.
Dem Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden ist das Phänomen der Eine-Million-Dollar-Scheine wohlbekannt. In Deutschland tauchen sie seit 2003 immer häufiger auf. Sie werden vorwiegend mit imitierten Echtheitsbescheinigungen bei Geschäftsbanken zum Umtausch vorgelegt. Im vergangenen Juni fand die italienische Finanzpolizei im Reisegepäck von zwei Japanern gar angebliche US-Anleihen im phantastischen Wert von 134 Milliarden Dollar. Es waren Blüten, und sie waren handwerklich nicht mal gut gemacht.
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Ich habe Zweifel, ob es sich um Blüten im Sinne von Falschgeld handeln kann, da es keine USD 1.000.000 Noten oder Schuldverschreibungen gibt oder gegeben hat. Für möglich halte ich allerdings den Vorwurf des versuchten [...] mehr...
Haben Sie dafür eine Quelle? Laut Wikipedia ist es jedenfalls anders: "Die Note mit dem höchsten Nennwert, die je vom „Bureau of Engraving and Printing“ gedruckt wurde, war ein Gold-Zertifikat von 1934 zu 100.000 [...] mehr...
Es gibt aber keine 5000 Euro Scheine. Im Gegensatz dazu sind sowohl $100.000 als auch $500.000 und $1.000.000 Scheine offiziell gedruckt und anerkanntes Zahlungsmittel. Allerdings werden (wurden) sie eigentlich nur im [...] mehr...
Ich stell jetzt 33€Scheine her, fürs Finanzamt . Die nehmen alles. Grins mehr...
Wenn die Banken aber mehrmals sagen es wären Fälschungen? Das ganze hört sich nach der Variation einer bekannten Zigeuner Masche an, nennt sich rip deal, mit dem Unterschied, dass die Zigeuner IMMER falsche Banknoten haben auf [...] mehr...
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