Von Jörg Diehl
Den Ermittlern zufolge will C. die Papiere von einer Bank prüfen und beleihen lassen. Hölzen gibt später zu Protokoll, Cristian C. habe mit dem Kredit im großen Stil spekulieren und einen satten Gewinn für alle herausholen sollen.
Doch der Spanier vermag sein angebliches Versprechen nicht zu halten, weder kann er die Noten beleihen, noch kann er sie eintauschen. Er ruft nicht mehr an und geht immer seltener ans Telefon. Van den B. und Hölzen werden nervös, sie fürchten, C. werde sich aus dem Staub machen.
Am 21. Januar fährt Ralf Hölzen zum zweiten Mal in die Schweiz, Dietmar B. begleitet ihn. Um 12.45 Uhr sind sie mit Cristian C. in Rohrschach verabredet, doch der lässt seine Kompagnons warten.
Hölzen und B. sitzt die Zeit im Nacken, sie haben bereits vor Tagen einen Termin in der Volksbank Riezlern im Kleinwalsertal vereinbart. Riezlern ist ein beliebter Touristenort für Skifahrer und Wanderer. Da das Tal nur von Deutschland aus zu erreichen ist, hat sich in der Exklave auch eine vitale Bankenszene entwickelt. Viele Deutsche tragen ihre Ersparnisse auf die österreichischen Konten.
Nicht mit dem deutschen Fiskus teilen
Hölzen kennt die Volksbank Riezlern aus seiner Zeit als Anwalt. Dort sollen die Zertifikate zu Geld gemacht werden, denn mit dem deutschen Fiskus, das hat er sich geschworen, teilt er dieses Geschäft nicht.
Als Cristian C. nach über einer Stunde endlich auftaucht, übergibt er den beiden Deutschen einen braunen DIN-A4-Umschlag mit den Scheinen. Hölzen unterschreibt eine Quittung, keiner zählt nach. "Das Zeug ist wertlos", will C. gesagt haben, doch Hölzen und B. hätten ihm nicht glauben wollen.
Im Kleinwalsertal werden sie von der Bankangestellten Jutta B. empfangen. Die Männer sind ungeduldig, sie wollen die vermeintlich historischen Papiere loswerden, die Bank soll in den USA deren aktuellen Marktwert ermitteln und ihn den Konten gutschreiben, die sie in Riezlern eröffnen wollen. Das ist der Plan.
Fünf Noten à eine Million Dollar legen die Besucher zur Ansicht auf den Schreibtisch. "Ich hatte dabei das Gefühl, dass die beiden glaubten, diese Wertpapiere und das Geld seien absolut echt", wird Jutta B. später der Polizei sagen. Da ihr die vorgelegten Papiere nicht bekannt sind, reagiert sie zurückhaltend. Ralf Hölzen und Dietmar B. packen daraufhin noch mehr Scheine aus: zwei Bündel, eines mit 99, eines mit 100 Noten, insgesamt also 199 Millionen Dollar, der Rest bleibt im Koffer. Jutta B. bittet um Entschuldigung und verlässt ihr Büro. Sie telefoniert mit der Zentrale, ein Kollege in Wien sagt ihr, Eine-Million-Dollar-Scheine gebe es seines Wissens nicht. Dann ruft jemand aus der Bank die Polizei.
Die Kernfrage des Prozesses
Ob die beiden Deutschen an den Wert der Noten glaubten oder ob sie bewusst Fälschungen in Umlauf bringen wollten, wird die Kernfrage des Prozesses sein. Die Ermittler werfen Hölzen und B. vor, sie hätten sich spätestens in Riezlern "damit abgefunden, dass die Papiere falsch sein könnten". Ihr Kalkül sei gewesen: Die Volksbank werde den Schwindel schon nicht erkennen und "trotz der Wertlosigkeit der Papiere eine Gutschrift tätigen".
Ralf Hölzen und der in Untersuchungshaft sitzende B. bestreiten das. Sie versichern, dass sie nicht so dumm seien, wissentlich mit einer halben Milliarde Dollar Falschgeld in eine Bank zu gehen. Der frühere Rechtsanwalt will deshalb vor Gericht die seiner Meinung nach eklatanten Ermittlungsfehler und die juristischen Widersprüche der Anklage deutlich machen.
Von Hendrik van den B., dem Mann, der die Blüten auf noch ungeklärten Wegen einst beschaffte, darf Hölzen keine Entlastung erwarten. Er wird in dem Verfahren als Zeuge auftreten. Dem 74-Jährigen haben die Beamten bislang keine Straftat nachweisen können. Er behauptet, von Hölzens und B.s Ausflug ins Kleinwalsertal rein gar nichts gewusst zu haben.
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