Von Beat Balzli
"Wenige Tage später war ich zusammen mit meinem Kunden in einer Illustrierten zu sehen", erinnert sich der Banker an die Panne. Fortan wusste jeder Brancheninsider, für welche Royals er die Rendite besorgt. Doch was kann überhaupt auf Dauer so faszinierend daran sein, jeden Tag die immensen Reichtümer anderer Leute zu bestaunen?
"Man hat oft mit sehr unkonventionellen Menschen zu tun, die sehr viel wissen", schwärmt Weber, dem der Lifestyle ohnehin nicht fremd ist. Bereits während des Ingenieurstudiums an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Lausanne hatte er zusammen mit Kollegen eine Firma für den Handel mit Terminkontrakten gegründet. Mit 28 Jahren verkaufte er seine Anteile an eine britische Finanzgesellschaft - und war ein gemachter Mann.
Weber selbst sieht sich allenfalls als wohlhabend. In seinem Geschäft gelten andere Maßstäbe. "Reich ist man zum Beispiel, wenn Sie eines der berühmtesten Symphonieorchester der Welt in Ihrem Garten spielen lassen und es deutlich mehr Musiker als Zuhörer hat."
Bei den obersten paar Tausend des globalen Geldadels gehe es auch nicht mehr um Gier oder Glamour. "Es geht vor allem um den Ehrgeiz, allen zu zeigen, dass man mit der Umsetzung einer unkonventionellen Idee recht hatte", glaubt Weber, der aber selbst weiß, dass das allenfalls die halbe Wahrheit ist.
Unsterblichkeit kostet extra
In ihrem Renditedenken unterschieden sich Multimillionäre oft nur marginal von Kleinanlegern. Scharenweise seien sie etwa dem amerikanischen Jahrhundertbetrüger Bernard Madoff in die Arme gelaufen, der im vergangenen Jahr zur Rekordhaftstrafe von 150 Jahren verurteilt wurde.
Die verblüffende Regelmäßigkeit von Madoffs jährlichen Renditen machte kaum jemanden stutzig. Selbst die Genfer Privatbank UBP stellte Madoffs Milliardenmaschine eine Unbedenklichkeitsbescheinigung aus.
Weber kann sich das alles nicht erklären. Vielleicht will er aber nur nicht wahrhaben, dass selbst in seinem noblen Umfeld bisweilen die primitivsten Triebe mitregieren - Protzen inklusive.
Lamborghini und Learjet gelten in diesem exklusiven Club als Laster von Leichtgewichten. Webers Kunden wollen gleich Unsterblichkeit. Die kostet extra. Sie bauen zum Beispiel mit sündhaft teuren Antikkutschen eine Sammlung auf, finanzieren die Sanierung des gesamten Heimatdorfs der Familie oder kaufen sich das prominenteste Gebäude am Ort.
"Trophäenobjekte" nennen UHNWI-Banker Geschäfte, die nicht streng betriebswirtschaftlichen Kriterien folgen. "Das schönste Hotel einer Stadt wird gern mal überzahlt", lächelt Weber sein schönstes Therapeutenlächeln.
Emotionslose Investitionen
So kaufte zum Beispiel die Backpulver-Dynastie Oetker in Baden-Baden Brenner's Park-Hotel. Das Schlosshotel Bühlerhöhe im Schwarzwald wurde einst von der Unternehmerlegende Max Grundig zum Luxusparadies veredelt, nun gehört es dem SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp. Und RWE-Chef Jürgen Großmann, dank der ihm gehörenden Georgsmarienhütte Milliardär, schnappte sich kürzlich das vornehme Kulm Hotel im Schweizer Skiort Arosa.
Die Masse der Multimillionäre investiere zwar völlig emotionslos. So mancher dieser Vernunfttypen ist dennoch anfällig für kleine Gefälligkeiten, mit denen die Privatbanker für ein angenehmes Geschäftsklima sorgen. Sie lassen sich gern als Gast einer America's-Cup-Mannschaft zum Segeln einladen. Oder sie fahren im Rolls-Royce zum Formel-1-Rennen nach Monaco - auch auf die Gefahr hin, dass "man dabei stundenlang im Stau steht und das Rennen verpasst", erzählt Weber.
Über solche und noch diskretere Dienste spricht er allerdings nicht gern. Angeheiterte Klienten rufen schon mal mitten in der Nacht an oder laden ihn zu einer Cocktailparty ein, damit er danach sein Urteil über den neuen Freund der Tochter abgibt.
Besonders heikel sind die Apartments, die Weber mitunter für die Geliebten der Superreichen in Paris, London oder Rom kaufen lässt. Das führe dann Jahre später bei der Testamentseröffnung oft "zu sehr verspannten Diskussionen".
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