Von Tobias Rapp
Zweitens gibt es die Quälsongs, Heavy Metal oder Industrial. Metallicas "Enter Sandman" etwa oder "March of the Pigs" von Nine Inch Nails. Musik, die ausgewählt wurde, um dem Gefangenen weh zu tun.
Drittens ist da die Männermusik aus den Charts, Country, Mainstream-Rock, HipHop. Musik, die die Soldaten auch als akustischen Schutzwall mit auf Patrouille nehmen. Musik, die sie gern hören und die nicht nervt, wenn sie aus den Zellen herüberdröhnt, weil ja auch die Soldaten die Dauerbeschallung aushalten müssen.
Und schließlich Pop, Songs von Christina Aguilera oder Britney Spears, die zur sexuellen Demütigung eingesetzt wurden. Als Teil größerer Szenarien, in denen die Gefangenen erniedrigt werden.
"Dass unsere Musik auf diese barbarische Weise missbraucht worden ist, finde ich ekelhaft", sagte Tom Morello, Gitarrist der linken Band Rage Against the Machine, dem amerikanischen Musikmagazin "Spin". "Wenn man weiß, wofür wir ideologisch stehen, ist das schwer zu ertragen."
Pop hat eine große emanzipatorische Kraft, und doch gibt es auch eine lange Tradition rebellischer Musikstile, die immer mit der Qual kokettierten. Musik, die so gemacht war, dass Eltern sie nicht aushalten konnten.
Der Weg nach Guantanamo ist für einen Rocksong eben nicht unwahrscheinlicher als der auf die Bühne von Live Aid. Bono Vox und aller "Rock gegen Rechts"-Folklore zum Trotz.
"Ich kann das nicht so schlimm finden", sagt Stevie Benton, Bassist der Nu-Metal-Band Drowning Pool. "Ein paar Stunden laute Musik hören - in den USA bezahlen die Kids dafür."
Und auch die amerikanische Band Metallica, 1981 in Los Angeles gegründet und immer noch eine der besten Metal-Bands der Welt, gehört nicht zu den Aktivisten. In Interviews hat sich der Sänger James Hetfield darüber gefreut, dass seine Musik zum Quälen von Gefangenen eingesetzt wird.
Da mag Patriotismus mitschwingen, Hetfield sieht sich als jemanden, der den amerikanischen Truppen dabei hilft, den Feind zu besiegen. Aber auch eine merkwürdige Form von Handwerkerstolz. "Wir haben unsere Eltern, unsere Ehefrauen, die Menschen, die wir lieben, schon immer mit dieser Musik bestraft. Warum sollte es den Irakern anders gehen?", sagte er. "Ein Teil von mir ist sogar stolz. Hey, sie haben Metallica ausgewählt!"
Tatsächlich ist vor allem Metal eine Direktübertragung aus der Jungmännerhölle, eine Musik, die von dem Unglück und dem Schmerz berichtet, ein junger Mann zu sein. Metal-Konzerte zu besuchen handelt auch von dem immer gleichen Selbstbeweis: All das kann ich aushalten. Im Verhör wird dies umgedreht: Der Gefangene wird über die Grenze des Aushaltbaren hinweggezwungen.
Es gibt auch technische Entwicklungen in der Popmusik der vergangenen 30 Jahre, die sie für den Einsatz in Verhörzellen erst tauglich gemacht haben. Die besessene Arbeit der Sound-Ingenieure etwa, die mit ausgefeilten Studiotechniken das Letzte aus den Frequenzen herausholen.
Und in popkulturellen Randbereichen wie der Industrial Music spielten Bands wie Throbbing Gristle oder Psychic TV schon in den Achtzigern mit der Idee, dass Musik auch die dunkle Seite von Macht und Gewalt ausdrücken kann.
"Wenn man in ein Konzert oder in einen Club geht, dann sucht man laute Musik, Lichtblitze. Man möchte in Ekstase geraten. Das, was wir erlebt haben, ist genauso, bloß andersrum", bestätigt Ruhal Ahmed. "Man kann schwarze Ekstase dazu sagen."
2004, nach mehr als zwei Jahren, wurde er aus Guantanamo entlassen, in eine Welt, in der Musik überall zu hören ist, in jedem Werbeclip, in jedem Laden, in jedem Taxi. Ruhal Ahmed sagt, dass es ihn nicht stört.
Er habe viele Menschen gesehen, die beinahe verrückt wurden. Die im Lager ihren Kopf gegen die Wand schlugen, wenn sie von den Verhören zurückgebracht wurden, die versuchten, sich umzubringen. Als Ahmed nach England zurückkam, sagte ihm eine Psychologin, dass er wohl Glück gehabt habe, weil er noch so jung war.
Ruhal Ahmed lebt nun das merkwürdige Leben eines Ex-Guantanamo-Häftlings. Seine Familie hat ihn aufgefangen, mit seiner jetzigen Frau war er schon auf der Schule zusammen, bald nach seiner Rückkehr haben sie geheiratet. Er hat nur selten Arbeit, es gibt nicht viele Jobs in Tipton. Im Februar bringt seine Frau das zweite Kind zur Welt, es wird schwierig werden, weil sie dann nicht mehr arbeiten kann. Sie hat einen Job bei der Stadt.
Im Wohnzimmer steht eine riesige Multimedia-Anlage. Ahmed hat sie von dem Geld gekauft, das er für seine Mitarbeit an "Road to Guantanamo" bekommen hat. Wenn er ins Internet geht, nutzt er den großen Flachbildschirm an der Wand als Monitor. Über Facebook hält er Kontakt zu anderen Ex-Gefangenen. Neulich, erzählt er, habe ihn ein ehemaliger Wärter aus Guantanamo über Facebook angeschrieben. Er wollte sich entschuldigen. Die beiden trafen sich zum Essen.
Im Regal von Ruhal Ahmed stehen ein Koran und ein paar alte Kassetten mit Aufnahmen von Gebeten. Er besitzt keine einzige CD.
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Joseph wahrer Name des Friedens: Unterwerfung, wenn ich bitten darf. Denn wie kann sich ein Mensch den Namen Frieden geben, wenn er heimtückisch danach trachtet einen Schriftsteller im Namen seiner albernen Religion ermorden zu [...] mehr...
Heavy Metal hat nichts mit Politik zu tun. Merken Sie sich das bitte. Oder ich formulier es um Sie: Rechte Foristen sollten weniger Schwachsinn schreiben, obwohl wahrer Schwachsinn für wahre rechte Männer und Ihre Frauen ist. [...] mehr...
Der heisst jetzt Josef Frieden. mehr...
Beinahe hätte ja einmal einer der Urheber solcher akustischer Grausamkeiten seine eigene Medizin zu schlucken bekommen: Denn es gelang den Amerikanern Katze Stefans, der auf einer Liste mit des Terrorismus verdächtigen Subjekten [...] mehr...
Linke Foristen hören aber weniger heavy metal als Rechte. Weil Heavy metal eine Musik für wahre Männer und Ihre Frauen ist. Heavy Metal ist nicht Hippie-Music ;-) mehr...
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© DER SPIEGEL 2/2010
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