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Ausgabe 2/2010
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11.01.2010
 

Folter

Hören mit Schmerzen

Von Tobias Rapp

3. Teil: Triumphsongs, Quälsongs und Männermusik aus den Charts


Da gibt es die Triumphsongs, die Lieder, mit denen der amerikanische Sieg gefeiert und dem Gefangenen wieder und wieder in die Wunde gerieben werden soll: "We Are the Champions" von Queen ist so eins. Oder "Born in the U.S.A.", ein Song von Bruce Springsteen, der immer noch als Feier amerikanischer Größe und Selbstgewissheit missverstanden wird. Auch "Babylon" des britischen Softro-ckers David Gray dürfte in diese Kategorie fallen.

Zweitens gibt es die Quälsongs, Heavy Metal oder Industrial. Metallicas "Enter Sandman" etwa oder "March of the Pigs" von Nine Inch Nails. Musik, die ausgewählt wurde, um dem Gefangenen weh zu tun.

Drittens ist da die Männermusik aus den Charts, Country, Mainstream-Rock, HipHop. Musik, die die Soldaten auch als akustischen Schutzwall mit auf Patrouille nehmen. Musik, die sie gern hören und die nicht nervt, wenn sie aus den Zellen herüberdröhnt, weil ja auch die Soldaten die Dauerbeschallung aushalten müssen.

Und schließlich Pop, Songs von Christina Aguilera oder Britney Spears, die zur sexuellen Demütigung eingesetzt wurden. Als Teil größerer Szenarien, in denen die Gefangenen erniedrigt werden.

"Dass unsere Musik auf diese barbarische Weise missbraucht worden ist, finde ich ekelhaft", sagte Tom Morello, Gitarrist der linken Band Rage Against the Machine, dem amerikanischen Musikmagazin "Spin". "Wenn man weiß, wofür wir ideologisch stehen, ist das schwer zu ertragen."

Pop hat eine große emanzipatorische Kraft, und doch gibt es auch eine lange Tradition rebellischer Musikstile, die immer mit der Qual kokettierten. Musik, die so gemacht war, dass Eltern sie nicht aushalten konnten.

Der Weg nach Guantanamo ist für einen Rocksong eben nicht unwahrscheinlicher als der auf die Bühne von Live Aid. Bono Vox und aller "Rock gegen Rechts"-Folklore zum Trotz.

"Ich kann das nicht so schlimm finden", sagt Stevie Benton, Bassist der Nu-Metal-Band Drowning Pool. "Ein paar Stunden laute Musik hören - in den USA bezahlen die Kids dafür."

Und auch die amerikanische Band Metallica, 1981 in Los Angeles gegründet und immer noch eine der besten Metal-Bands der Welt, gehört nicht zu den Aktivisten. In Interviews hat sich der Sänger James Hetfield darüber gefreut, dass seine Musik zum Quälen von Gefangenen eingesetzt wird.

Da mag Patriotismus mitschwingen, Hetfield sieht sich als jemanden, der den amerikanischen Truppen dabei hilft, den Feind zu besiegen. Aber auch eine merkwürdige Form von Handwerkerstolz. "Wir haben unsere Eltern, unsere Ehefrauen, die Menschen, die wir lieben, schon immer mit dieser Musik bestraft. Warum sollte es den Irakern anders gehen?", sagte er. "Ein Teil von mir ist sogar stolz. Hey, sie haben Metallica ausgewählt!"

Tatsächlich ist vor allem Metal eine Direktübertragung aus der Jungmännerhölle, eine Musik, die von dem Unglück und dem Schmerz berichtet, ein junger Mann zu sein. Metal-Konzerte zu besuchen handelt auch von dem immer gleichen Selbstbeweis: All das kann ich aushalten. Im Verhör wird dies umgedreht: Der Gefangene wird über die Grenze des Aushaltbaren hinweggezwungen.

Es gibt auch technische Entwicklungen in der Popmusik der vergangenen 30 Jahre, die sie für den Einsatz in Verhörzellen erst tauglich gemacht haben. Die besessene Arbeit der Sound-Ingenieure etwa, die mit ausgefeilten Studiotechniken das Letzte aus den Frequenzen herausholen.

Und in popkulturellen Randbereichen wie der Industrial Music spielten Bands wie Throbbing Gristle oder Psychic TV schon in den Achtzigern mit der Idee, dass Musik auch die dunkle Seite von Macht und Gewalt ausdrücken kann.

"Wenn man in ein Konzert oder in einen Club geht, dann sucht man laute Musik, Lichtblitze. Man möchte in Ekstase geraten. Das, was wir erlebt haben, ist genauso, bloß andersrum", bestätigt Ruhal Ahmed. "Man kann schwarze Ekstase dazu sagen."

2004, nach mehr als zwei Jahren, wurde er aus Guantanamo entlassen, in eine Welt, in der Musik überall zu hören ist, in jedem Werbeclip, in jedem Laden, in jedem Taxi. Ruhal Ahmed sagt, dass es ihn nicht stört.

Er habe viele Menschen gesehen, die beinahe verrückt wurden. Die im Lager ihren Kopf gegen die Wand schlugen, wenn sie von den Verhören zurückgebracht wurden, die versuchten, sich umzubringen. Als Ahmed nach England zurückkam, sagte ihm eine Psychologin, dass er wohl Glück gehabt habe, weil er noch so jung war.

Ruhal Ahmed lebt nun das merkwürdige Leben eines Ex-Guantanamo-Häftlings. Seine Familie hat ihn aufgefangen, mit seiner jetzigen Frau war er schon auf der Schule zusammen, bald nach seiner Rückkehr haben sie geheiratet. Er hat nur selten Arbeit, es gibt nicht viele Jobs in Tipton. Im Februar bringt seine Frau das zweite Kind zur Welt, es wird schwierig werden, weil sie dann nicht mehr arbeiten kann. Sie hat einen Job bei der Stadt.

Im Wohnzimmer steht eine riesige Multimedia-Anlage. Ahmed hat sie von dem Geld gekauft, das er für seine Mitarbeit an "Road to Guantanamo" bekommen hat. Wenn er ins Internet geht, nutzt er den großen Flachbildschirm an der Wand als Monitor. Über Facebook hält er Kontakt zu anderen Ex-Gefangenen. Neulich, erzählt er, habe ihn ein ehemaliger Wärter aus Guantanamo über Facebook angeschrieben. Er wollte sich entschuldigen. Die beiden trafen sich zum Essen.

Im Regal von Ruhal Ahmed stehen ein Koran und ein paar alte Kassetten mit Aufnahmen von Gebeten. Er besitzt keine einzige CD.

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23.01.2010 von Diomedes: Knapp vorbei ist auch daneben

Joseph wahrer Name des Friedens: Unterwerfung, wenn ich bitten darf. Denn wie kann sich ein Mensch den Namen Frieden geben, wenn er heimtückisch danach trachtet einen Schriftsteller im Namen seiner albernen Religion ermorden zu [...] mehr...

19.01.2010 von DefTom: Wie bitte?

Heavy Metal hat nichts mit Politik zu tun. Merken Sie sich das bitte. Oder ich formulier es um Sie: Rechte Foristen sollten weniger Schwachsinn schreiben, obwohl wahrer Schwachsinn für wahre rechte Männer und Ihre Frauen ist. [...] mehr...

17.01.2010 von Wolf_68:

Der heisst jetzt Josef Frieden. mehr...

16.01.2010 von Diomedes: Knapp vorbei ist auch daneben

Beinahe hätte ja einmal einer der Urheber solcher akustischer Grausamkeiten seine eigene Medizin zu schlucken bekommen: Denn es gelang den Amerikanern Katze Stefans, der auf einer Liste mit des Terrorismus verdächtigen Subjekten [...] mehr...

15.01.2010 von ray4901: Folter ist nie komisch

Linke Foristen hören aber weniger heavy metal als Rechte. Weil Heavy metal eine Musik für wahre Männer und Ihre Frauen ist. Heavy Metal ist nicht Hippie-Music ;-) mehr...

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"An den Rand des Todes und zurück" - Folterberichte

Abu Subeida

AP
Abu Subeida, ein mutmaßlich enger Vertrauer von Osama Bin Laden, wurde im März 2002 in Pakistan gefasst und dabei schwer verletzt. Die CIA sorgte dem Bericht zufolge ausdrücklich dafür, dass er gesundgepflegt wurde - nur um ihn dann foltern zu können. Dazu sei er zwischen mehreren CIA-Lagern hin- und hertransportiert worden.

"Ich erwachte, nackt, an ein Bett gefesselt, in einem sehr weißen Raum. Der Raum maß ungefähr vier mal vier Meter. (...) Nach einiger Zeit, ich glaube, dass es mehrere Tage waren, wurde ich zu einem Stuhl gebracht, an den ich an Händen und Füßen gekettet wurde, für die nächsten zwei bis drei Wochen, glaube ich. In der Zeit bekam ich durch das dauerhafte Sitzen Blasen an der Unterseite meiner Beine. (...) In den ersten zwei oder drei Wochen bekam ich, während ich auf dem Stuhl saß, keine feste Nahrung. Mir wurde nur Ensure (ein Proteingetränk, Anm.d.Red.) und Wasser zu trinken gegeben. Anfangs musste ich mich von dem Ensure übergeben, aber das wurde mit der Zeit besser. (...) Die Zelle und der Raum waren klimatisiert und sehr kalt. Die ganze Zeit spielte sehr laute Brüllmusik. Sie wiederholte sich alle 15 Minuten, 24 Stunden am Tag. Manchmal stoppte die Musik und wurde von lautem Zischen oder Knattern abgelöst. (...) Zwei schwarze Holzkisten wurden in den Raum außerhalb meiner Zelle gebracht. Eine war hoch, etwas größer als ich und schmal. (...) Die andere war kleiner. (...) Ich wurde aus meiner Zelle geholt, und einer der Vernehmenden wickelte ein Handtuch um meinen Hals, und dann benutzten sie das, um mich herumzuschleudern und mich wiederholt gegen die harte Wand des Raums zu schmettern. Auch wurde ich wiederholt ins Gesicht geschlagen. (...) Dann wurde ich in die große Kiste gesteckt, ich glaube für rund eine bis eineinhalb Stunden. Die Kiste war innen und außen total schwarz. (...) Sie bedeckten die Außenseite der Kiste mit einem schwarzen Tuch, um das Licht zu verdunkeln und meine Luftzufuhr zu drosseln. Es war schwer zu atmen. (...) Nach dem Verprügeln wurde ich in die kleine Kiste gesteckt. (...) Da sie nicht hoch genug war, um aufrecht zu sitzen, musste ich mich zusammenkrümmen. Wegen meiner Wunden war das sehr schwer. (...) Die Wunde an meinem Bein öffnete sich und begann zu bluten. Ich weiß nicht, wie lange ich in der kleinen Kiste blieb, ich bin vielleicht eingeschlafen oder ohnmächtig geworden. (...) Dann wurde ich aus der kleinen Kiste gezerrt, ohne dass ich ordentlich laufen konnte, und auf etwas geschnallt, was wie ein Krankenhausbett aussah, und mit engen Gurten sehr eng daran gefesselt. Ein schwarzes Tuch wurde über mein Gesicht gepresst, und die Vernehmer nahmen eine Mineralwasserflasche, um Wasser auf das Tuch zu kippen, so dass ich nicht atmen konnte. Nach ein paar Minuten wurde das Tuch weggenommen und das Bett in eine aufrechte Position gedreht. Der Druck der Gurte auf meine Wunden tat sehr weh. Ich erbrach mich. Dann wurde das Bett wieder in eine horizontale Position gedreht und die gleiche Folter wiederholt, mit dem schwarzen Tuch über meinem Gesicht und dem Wasser aus der Flasche. Diesmal hing mein Kopf mehr in einer rückwärtigen, nach unten gerichteten Position, und das Wasser wurde länger ausgeschüttet. Ich kämpfte mit den Gurten, versuchte zu atmen, doch es war hoffnungslos. Ich dachte, ich würde sterben. Ich verlor die Kontrolle über mein Urin. Seitdem verliere ich auch heute noch die Kontrolle über mein Urin, wenn ich unter Stress stehe. (...) Das dauerte etwa eine Woche. In der Zeit wurde die ganze Prozedur fünfmal wiederholt. (...) Einmal wurde das Ersticken dreimal hintereinander wiederholt. (...) Mehrmals brach ich dabei zusammen und verlor das Bewusstsein. Dann wurde die Folter durch die Intervention eines Arztes gestoppt."

Quelle: ICRC/Mark Danner/"New York Review of Books"

Walid bin Attasch

Chalid Scheich Mohammed






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