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Ausgabe 7/2010
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13.02.2010
 

Wohnungsmarkt

Das Haus der begrabenen Träume

Von Bruno Schrep

Viele Verlierer und ein Gewinner: In einem heruntergekommenen Hamburger Wohnblock leben Hartz-IV-Empfänger und Arbeitslose unter bizarren Umständen, die überhöhten Mieten zahlt der Staat. Der Eigentümer stellt sich als Wohltäter dar.

Die Vorderfront, vor Jahresfrist neu verputzt, sieht blendend aus. Freundliche Farben, beige und weinrot, ein paar Balkone, unten gepflegter Rasen. An der Ecke ein nettes griechisches Lokal, die Taverna Mykonos.

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Hinter der Fassade ein ganz anderes Bild. In vielen der 130 Apartments bröckelt der Putz, tropft Wasser von der Decke, sitzt Schimmel an den Wänden. Eingetretene Türen zeugen von Krawall, auch Einbruchspuren sind unübersehbar.

Einige Mieter wollen deshalb weg, ganz schnell. Andere sind heilfroh, überhaupt hier zu sein. Sie haben keine Alternative.

Das vierstöckige Gebäude im Hamburger Stadtteil Eilbek steht inmitten einer unauffälligen Wohngegend, weit weg von den sozialen Brennpunkten der Metropole. Doch die meisten Bewohner leben am Existenzminimum, von Sozialhilfe oder von Hartz IV, mit anderen Gescheiterten Tür an Tür. Ein modernes Armenhaus.

Mehr als die Hälfte der Apartments gehört Thorsten Kuhlmann, Ende 40, kurze Haare, sportliche Figur, energisches Auftreten. Die Wohnungen sind Teil einer ausgekochten Geschäftsidee. Kuhlmanns Grundstücksgesellschaft hat sich auf die Vermietung an Hartz-IV-Empfänger spezialisiert. 500 Wohneinheiten besitzt der gelernte Automechaniker in und um Hamburg.

Kuhlmann ist der einzige Gewinner im Haus der Verlierer.

Die Apartments in Eilbek hat er billig ersteigert. Das Gebäude, um 1915 als Schule erbaut, hatte den Vorbesitzern kein Glück gebracht. Dutzende kleine Kapitalanleger, die nach der Aufteilung des Häuserblocks einzelne Wohnungen kauften, waren auf Versprechungen über garantiert hohe Mieten hereingefallen - und sahen am Ende ihre Illusionen vom lukrativen Immobilieneigentum zerstört.

Kuhlmann kalkuliert anders. Um seine Einnahmen muss er sich keine Sorgen machen; in den meisten Fällen zahlt die Miete der Staat, mithin der Steuerzahler. Und der Renovierungsaufwand ist gering: Die meisten Mieter - dankbar, eine Wohnung zu haben - trauen sich kaum, Mängel massiv anzumahnen.

Nicole U. und Arne S. sind vor eineinhalb Jahren mit viel Elan in das Ein-Zimmer-Apartment im dritten Stock gezogen. In der Entzugsklinik, in der sie sich kennenlernten, schworen sie sich, nie mehr Heroin zu spritzen, ganz neu anzufangen. Da hatte Nicole U. bereits eine gescheiterte Ehe und zwei Geburten hinter sich und Arne S., gelernter Buchbinder, schon die Träume von einer erfolgreichen Musikerkarriere begraben.

Sie strichen die Wände knallrot an, besorgten sich ein paar Möbel, stellten sie zu den beiden Käfigen mit den zahmen Ratten aus ihrer Punk-Vergangenheit. Doch hohe Dosen der Ersatzdroge Methadon, verschrieben gegen die Heroinsucht, ließen ihren Anfangsschwung schnell erlahmen.

Fortbildungskurse, Bewerbungstraining, Jobsuche? Morgen, bestimmt. Den Müll wegbringen, der sich schon von der Küchenzeile im Flur bis ins Wohnzimmer ausbreitet? Morgen, auf alle Fälle. Die Rattenkäfige säubern? Morgen, ganz sicher. Das war vor sechs Monaten.

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insgesamt 47 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
19.02.2010 von Mulharste: -

auch Sie haben Recht, aber: Wenn man seine Bude nicht aufgeräumt bekommt und so haust, kann auch ein "nicht tropfendes" Rohr nix mehr verbessern. Der Artikel ist scheiße, weil er eigentlch unhaltbare Zustände in [...] mehr...

19.02.2010 von Mulharste: -

Insgesamt haben Sie Recht, aber Kuhlmann bescheisst. Das ist der egtl Fakt. Er bescheisst das Amt - den Steuerzahler. mehr...

19.02.2010 von barack abamo: Umsehen

Da Sie offensichtlich Ihren eigenen Stadteil nicht kennen geben Sie doch mal bei Google Eilbekkanal ein und geniessen die Bilder. Ein hässlicher Stadteil sieht anders aus, meine ich. mehr...

19.02.2010 von a.weishaupt: Schön nicht mehr. Bin Anwohner

Naja, schön war er mal, bis 1942 - sah bis dahin Eppendorf und dem Gründerzeitviertel Hoheluft (der Teil wo die U-Bahn über der Straße fährt) nicht unähnlich. Ich wohne jedenfalls in der Straße und habe mich schon öfters [...] mehr...

18.02.2010 von john mcclane:

Sie gehören wohl auch zu denen, die jeden, der ein Haus bei Gericht ersteigert, für einen Verbrecher halten. Das Gegenteil ist der Fall. Es handelt sich um ein absolut rechtsstaatliches Verfahren. Bis es überhaupt mal so weit [...] mehr...

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