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Ausgabe 7/2010
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13.02.2010
 

Iran

Die Schattenkrieger

Von Dieter Bednarz und Erich Follath

Sie nennen sich "Pasdaran" und gelten als wichtigste Stütze des Regimes. Die "Revolutionswächter" schlagen Demonstranten nieder, bespitzeln Oppositionelle - und kontrollieren das Atomprogramm. Jetzt sollen Uno-Sanktionen sie treffen.


Können 44 Nobelpreisträger irren? Männer und Frauen aus aller Welt, die wie Betty und Jody Williams für ihre Verdienste um den Frieden, wie Wole Soyinka für ihre literarischen Leistungen, wie James Heckman in Sachen Wirtschaftsforschung ausgezeichnet wurden, ganz abgesehen von den Geehrten der Fächer Medizin, Chemie und Physik?

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Am Dienstag erschien eine ganzseitige Anzeige in der "International Herald Tribune", in der die großen Geister mit einem dramatischen Appell vor einer Katastrophe warnen: "Liebe Präsidenten Obama, Sarkozy, Medwedew, lieber Premier Brown, liebe Kanzlerin Merkel, wie lange können wir noch untätig dem Skandal zuschauen, der sich vor unser aller Augen in Iran abspielt?" Die führenden Politiker müssten die Grausamkeiten des Regimes, das "unverantwortliche Nuklear-Ambitionen" habe, endlich mit schärferen Sanktionen beantworten und sich mit aller Kraft auf die Seite der oppositionellen Demonstranten stellen. "Sie verdienen es!", heißt es zweideutig in der Anzeige, die von der Menschenrechtsstiftung des Holocaust-Überlebenden Elie Wiesel bezahlt wurde - dem Friedensnobelpreisträger 1986.

Fast wirkt es so, als antworte die Politik umgehend auf den ungewöhnlichen Aufruf: jeder auf seine Weise. US-Verteidigungsminister Robert Gates sagt: "Uns bleibt im Moment nur noch übrig, Druck auszuüben." Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner: "Da Verhandlungen unmöglich sind, bleiben nur Sanktionen." Israelische Politiker wie auch der einflussreiche parteilose US-Senator Joe Lieberman propagieren eine militärische Lösung. Wieder eine neue Eskalationsstufe im Atomstreit mit Teheran.

Vorausgegangen war dem eine Woche wie im Wechselbad: Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad hatte überraschend Kompromissbereitschaft angedeutet; sein Außenminister Manutschehr Mottaki aber stellte dann wieder neue Vorbedingungen für einen Deal und verstärkte bei der Münchner Sicherheitskonferenz den Eindruck, Iran wolle weiter Katz und Maus mit dem Westen spielen und sein vermutetes militärisches Nuklearprogramm ungehindert vorantreiben.

Ahmadinedschad brach alle Verhandlungsbrücken bis auf weiteres ab. Er wies seine Wissenschaftler an, einen Teil der auf 3,5 Prozent Urananreicherung angelegten Produktion hochzufahren, angeblich zur Herstellung von Isotopen für medizinische Zwecke. Zwar braucht man für eine funktionsfähige Kernwaffe zu 90 Prozent angereichertes Uran, aber mit der jetzt beschlossenen Produktion 20-prozentiger Anreicherung "kommt Teheran dem waffenfähigen Spaltmaterial einen entscheidenden Schritt näher", konstatiert US-Nuklearexperte David Albright besorgt. Nun müssten die iranischen Wissenschaftler "nur noch ein Zehntel des Wegs" bis zur Bombe gehen.

Können Sanktionen also die iranischen Scharfmacher vom Bau der Bombe abbringen, oder muss die Welt mit einer Atommacht Iran leben? Drei Uno-Strafrunden haben die Herrschenden in Teheran ohne erkennbare Wirkung überstanden - wie müssten nun "smarte" Sanktionen aussehen, um die Regierungsrepräsentanten entscheidend zu bestrafen, aber möglichst wenig das iranische Volk?

Unter dem Vorsitz Frankreichs wird von kommender Woche an im Uno-Sicherheitsrat verhandelt, noch im März sollen Strafmaßnahmen beschlossen werden. Die Chancen, Moskau mit ins Boot zu holen, scheinen groß; ob auch die Volksrepublik China, die in Teheran milliardenschwere Rohstoffgeschäfte abgeschlossen hat, mitspielt, ist eher fraglich. Klar ist nur die Ausrichtung: Die Sanktionen sollen vor allem eine Organisation treffen, die so mächtig ist wie geheimnisumwittert: die Sepah-e Pasdaran-e Enghelab-e Islami, die Truppe der Wächter der Islamischen Revolution, die seit 30 Jahren den Gottesstaat gegen seine Feinde verteidigt - auch an der Heimatfront. Und die wie ein Krake die Arme nach sämtlichen Machtzentren im Land ausstreckt - die Pasdaran kontrollieren wichtige Wirtschaftszweige, auch die Atomindustrie, und sind schlagkräftiger als die reguläre Armee. Sie agieren überall als verlängerter Arm des Regimes.

Erst am Donnerstag stellten die Elite-Milizionäre ihre Schlagkraft erneut unter Beweis. Unerbittlich jagten sie Oppositionelle, die den Propaganda-Aufmarsch am 31. Jahrestag der Revolution zu Protesten gegen das Regime nutzten. Oppositionsführer Mahdi Karrubi wurde angegriffen. Wenn es um das Erbe des Großajatollah Ruhollah Chomeini geht, kennen die Pasdaran keine Gnade.

Es war der Schah-Bezwinger persönlich, der am 5. Mai 1979 die Gründung der Revolutionswächter veranlasste. Mit dieser "Volksarmee" wollte Chomeini ein Gegengewicht schaffen zu dem von Schah Mohammed Resa aufgebauten Militär. Anders als die eher laizistischen Soldaten waren die Revolutionswächter ausnahmslos religiöse Eiferer, eingeschworen auf ihren Führer. Anfangs sei nur an eine Truppe von 500 Führungskadern gedacht gewesen, die etwa eine halbe Million Freiwillige anleiten sollten, erinnert sich Mohsen Sazegara, 55.

Der einst enge Vertraute Chomeinis zählt zu den Pasdaran-Führern der ersten Stunde - und ist heute aus dem Exil in den USA einer der schärfsten Kritiker der Organisation. Sazegara zum SPIEGEL: "Die Pasdaran sind eine einzigartige Mischung aus Armee und Miliz, Terrortruppe und Mafia: ein Staat im Staate."

Der Aufstieg zu "einem der mächtigsten Kartelle der Welt" (Sazegara) begann 1981 unter dem Kommando Mohsen Resais, der die Garden 16 Jahre lang führte. Der General nutzte den vom Irak angezettelten Krieg gegen Iran, um die Wächter zu einer hochgerüsteten Nebenarmee auszubauen. Die Organisation verfügte auch bald über einen eigenen Geheimdienst, der Erkenntnisse über Regimegegner sammelte und gegen vermeintliche Umstürzler vorging.

Geradezu legendär wurde die nach dem arabischen Namen für Jerusalem benannte Kuds-Einheit, die bis heute für Operationen im Feindesland zuständig ist. Im Krieg gegen Saddam Hussein gehörte ihr auch der heutige Präsident Ahmadinedschad an, der angeblich Einsätze im Kurdengebiet leitete. Später sollen Kuds-Mitglieder auch in die Ermordung von Oppositionellen im Ausland verwickelt gewesen sein. Die Gruppe kooperiert mit anderen Extremistenorganisationen wie der Hisbollah im Südlibanon.

Als persönlicher Vertreter Chomeinis wachte von Anfang an ein Mann über die Garde und beförderte ihren Aufstieg: Ajatollah Chamenei, seit nunmehr 20 Jahren Nachfolger des Revolutionsführers. Er hatte schon früh erkannt, dass diese Truppe seine wichtigste Stütze werden könnte, und schanzte ihr bereits damals Privilegien zu.

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20.02.2010 von Diomedes: Eine lächerliche Darbietung…

Der Anführer der Opposition möchte als Märtyrer sterben, während seine Widersacher glauben, er und seine Getreuen stünden mit dem Teufel im Bunde: Man ist bei dieser typisch orientalischen Darbietung stark versucht die Worte des [...] mehr...

16.02.2010 von alfredoneuman: ??

Er will das Volk, wahrscheinlich vor der Vernichtung des Staates, nach Alaska umsiedeln. Es ist völlig unverständlich, warum man den netten Ahamadi dauernd falsche Zitate in den Mund legt und ihn ständig verunglimpft. [...] mehr...

16.02.2010 von elandy: aha

Staat und Volk sind zwei verschiedene Dinge. Von der Vernichtung des letzteren hat Ahmadinejad nie gesprochen. Ach ja, und die USA sind natürlich reine Philantropen in den Internationalen Beziehungen, oder wie..Lach! mehr...

16.02.2010 von Christian Krippenstapel: Sie haben Recht!

Bislang war ich von einem Raketenangriff ausgegangen, demnach waren es aber Kampfflieger. Da muß ich mich korrigieren; danke für den Hinweis. mehr...

16.02.2010 von alfredoneuman: u

Ich vermute mal, dasss Sie nicht wissen wovon die Rede ist. http://en.wikipedia.org/wiki/Halabja_poison_gas_attack mehr...

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Republik Iran

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Die Islamische Republik Iran ist mit einer Fläche von rund 1,7 Millionen Quadratkilometern fünfmal so groß wie Deutschland. Das Land besitzt nach Russland die zweitgrößten Erdgasreserven der Welt, beim Erdöl steht Iran auf Platz drei und ist derzeit nach Saudi-Arabien der größte Produzent innerhalb der Opec.

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Iran unterzeichnete 1968 den Sperrvertrag für Atomwaffen . Dieser erlaubt die zivile Nutzung von Nuklearenergie und die dafür notwendige Forschung einschließlich der Urananreicherung .

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mit Sitz in Wien kontrolliert die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags; sie erstellt regelmäßig Berichte über das iranische Atomprogramm .

Der Uno-Sicherheitsrat hat in seiner Resolution 1696 vom 31. Juli 2006 Iran erstmals aufgefordert, die Anreicherung von Uran einzustellen; Teheran weigert sich unter Berufung auf den Atomwaffensperrvertrag.

Als Vermittler tritt seit einigen Jahren auch die "EU-Troika" auf, bestehend aus Frankreich, Großbritannien und Deutschland.

Anlagen

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Nahost

Personen

Der Verhandlungspoker um die Urananreicherung





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