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Ausgabe 7/2010
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Iran Die Schattenkrieger

2. Teil: Rücksichtslose Schlägertruppen


Heute zählen die Pasdaran 125.000 Mann. Das ist etwa ein Drittel der regulären Armee. Dennoch ist ihr Führer Mohammed Ali Dschaafari, 52, unbestritten der mächtigste General im Land, denn ihm unterstehen noch 300.000 Reservisten und vor allem die Fanatiker der Freiwilligenmiliz Bassidsch. Ihre Stärke wird auf mindestens 100.000 Mann geschätzt. In Krisenzeiten sollen sie bis zu einer Million Aktivisten mobilisieren können. Es sind vor allem diese "Tugendwächter", die unter dem Kommando der Pasdaran seit dem Sommer als rücksichtslose Schlägertruppen gegen die Opposition vorgehen.

Der General ist zum Rückgrat des Regimes geworden. Anders als seine Kameraden aus der regulären Armee gebietet Dschaafari zugleich über ein gigantisches Wirtschaftsimperium. Rücksichtslos kaperten die Pasdaran die Wirtschaft des eigenen Landes - mit der Rückendeckung ihres Förderers Chamenei. Wie viele Firmen die Revolutionswächter inzwischen übernommen haben, vermag niemand zu sagen. Ihr Mitbegründer Sazegara schätzt, dass sie "mehr als hundert verschiedene Unternehmen kontrollieren" - von Exportfirmen für Haushaltswaren bis hin zu Herstellern von Pkw-Ersatzteilen. Weltweit sollen die Pasdaran mehr als 500 Firmenniederlassungen gegründet haben.

Nach Informationen der Volksmudschahidin, die vom Ausland gegen das Regime opponieren, wickeln die Garden weit über die Hälfte des gesamten Importgeschäfts und fast ein Drittel des Exports ab - unabhängig von ihrer Teilhabe am einträglichen Erdölgeschäft. Der jährliche Profit soll sich auf fünf Milliarden Dollar belaufen. Praktischerweise kontrollieren sie auch den größten Containerhafen des Landes, Bandar Abbas, und den Flughafen der Hauptstadt Teheran.

Als Profitcenter des Pasdaran-Konglomerats aus Handelsfirmen und Industrieanlagen gilt der Baukonzern Chatam al-Anbija, der 55.000 Pasdaran und Bassidsch Arbeit und Lohn gibt. Begonnen hatte die Firma einst mit dem Ausbau von Straßen und Stellungen im Krieg, errichtete dann Kasernen für die Armee sowie Pisten für die Luftwaffe. Heute ist Chatam ein Mischkonzern mit über 800 Beteiligungen sowie Subunternehmen und einem geschätzten Jahresumsatz von umgerechnet sieben Milliarden Dollar. Am Mittwoch weiteten die USA ihre bereits bestehenden Sanktionen gegen Chatam auf vier Tochterfirmen aus.

Um in das besonders lukrative Erdölgeschäft vorzudringen, schrecken die Pasdaran auch vor kleinen Privatkriegen nicht zurück. Noch heute erinnern sich iranische Geschäftsleute in Teheran, wie im August 2006 Revolutionswächter, die Gewehre im Anschlag, mit einem Militärboot auf die Bohrplattform "Orizont" zusteuerten und sie enterten. Kurz darauf gab der größte private iranische Ölförderer die Quelle auf. Die Erlöse für das Öl der "Orizont" füllten fortan die Kassen der Pasdaran.

Im vergangenen Herbst entdeckten die Milizenchefs die Kommunikationsbranche als einträgliches Geschäftsfeld. Ein Konsortium, das den Revolutionswächtern nahesteht, übernahm die Mehrheit an der Telecom Iran. Nun hat die Truppe das Festnetz, zwei Mobilfunkgesellschaften sowie Internetprovider unter Kontrolle und breitet sich in einem der größten Wachstumsmärkte aus.

Vor allem aber haben die Garden die Politik erobert. Der Teheraner Politikwissenschaftler Dawud Bowand nannte das einen "schleichenden Militärputsch". Während viele Iraner ihre Hoffnung auf Liberalisierung in den Reformpräsidenten Mohammed Chatami setzten, holten die Pasdaran mit dem Segen ihres Schutzherrn Chamenei zum Gegenschlag aus - und brachten Ahmadinedschad 2005 als ihren Cheflobbyisten ins höchste Staatsamt. Schon in dessen erster Regierung stellten die Pasdaran 5 der 21 Minister und erhielten lukrative Aufträge von der Regierung zugeschanzt, darunter den Bau einer Pipeline nach Pakistan. In der neuen Regierung kamen 13 Ressortchefs aus den Garden.

Herr über die drittgrößten Ölreserven der Welt ist mit Minister Massud Mirasemi der ehemalige Logistikchef der Organisation, der zuvor schon vier Jahre als Handelsminister wenig Qualifikation gezeigt hatte. Aus den Erdöleinnahmen sollen den Pasdaran in jüngerer Zeit insgesamt sieben Milliarden Dollar zugeflossen sein.

Auch ein Drittel des Teheraner Parlaments, des Madschlis, wird den Pasdaran zugerechnet. Parlamentspräsident Ali Laridschani, zuvor Chefunterhändler in Atomfragen, war ebenso ein hoher Offizier wie sein Nachfolger als Nuklearverhandler Said Dschalili. Dass beide aus dem Kader der Pasdaran kommen, macht Sinn, denn die Atomprojekte sind das ganz spezielle Tätigkeitsfeld der Organisation.

Ihre Firmen sollen die versteckten Tunnel bauen, etwa für die geplante Anreicherungsanlage bei Ghom; ihre Wissenschaftler reichern das Uran an, ihre Elitetruppen schützen die Atomfabriken, und ihre Führer warnen die USA und das mit ihnen verbündete Israel vor Angriffen. "Wenn ihre Kampfflugzeuge dem iranischen Abwehrsystem entkommen", erklärte der Chef der Pasdaran-Luftwaffe, Amir Ali Hadschisade, "werden ihre Stützpunkte von unseren Boden-Boden-Raketen zerstört, bevor sie landen." Das geheime Atomprogramm Irans, über das der SPIEGEL (3/2010) anhand vorliegender Geheimdokumenten berichtete, leitet mit Mohsen Fachrisade ein hoher Offizier der Revolutionswächter.

Die Uno-Sanktionen könnten über schon erfolgte Strafmaßnahmen hinaus nun weitere führende Pasdaran persönlich treffen - durch Einreiseverbote in westliche Länder oder das Einfrieren von Konten. Strafmaßnahmen gegen Pasdaran-Firmen könnten die dringend notwendigen Investitionen in die Erdölindustrie zum Erliegen bringen, eine Sperrung von Banken womöglich das Land lähmen - schon jetzt räumen viele Iraner ihre Konten leer, die Inflation liegt wohl bei 25 Prozent.

Bislang bringen weder neue Sanktionsdrohungen noch Massenproteste und Straßenschlachten die Eiferer um Chamenei & Co. von ihrem Atomkurs ab. Geradezu trotzig verkündete Ahmadinedschad in seiner Propaganda-Rede am Revolutionstag neue Erfolge: "Dank der Gnade Gottes" sei bereits eine erste Anreicherung auf 20 Prozent gelungen.

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insgesamt 82 Beiträge
Dimokratis 15.02.2010
Hätten wir alles noch nicht im Krieg gegen den Irak gesehen, hätten wir die ganze Propagandamaschinerie, die gegen den Iran gerade auf hohe Touren läuft, geglaubt. Wir warten aber immernoch auf die Nachweise der [...]
Hätten wir alles noch nicht im Krieg gegen den Irak gesehen, hätten wir die ganze Propagandamaschinerie, die gegen den Iran gerade auf hohe Touren läuft, geglaubt. Wir warten aber immernoch auf die Nachweise der Massenvernichtungswaffen von Sadam, die der Grund für einen sinnlosen Krieg waren, bei dem hundert Tausende von unschuldigen Menschen getöten wurden, das Land zum Chaos stürtze, Millionen von Flüchtlingen verursachte und das Erdöl Iraks unter Kontrolle der westlichen Öl-Konzernen brachte. Es gab in den letzten Jahrzehnten genug Kriege in der Region (Afghanistan, Irak), noch ein Krieg gegen den Iran wäre viel zu viel...
Bölkmaster 15.02.2010
wenn man die überwiegende Herkunft der Nobelpreisträger eruiert.
wenn man die überwiegende Herkunft der Nobelpreisträger eruiert.
Guido Walden 15.02.2010
Sanktion möglich, Krieg gegen Iran halte ich erst als unmöglich, Ami muss erst Pakistan in Hand, Krieg in Pakistan möglich.
Sanktion möglich, Krieg gegen Iran halte ich erst als unmöglich, Ami muss erst Pakistan in Hand, Krieg in Pakistan möglich.
redkiller 15.02.2010
ES gehört auch zur Wahrheit das Teile der Tugendwächter an Prostitution , Drogenhandel und sonstigen Kriminellen Handlungen ordentlich Geld verdienen. ICh verstehe nicht wieso westliche Medien diesen Aspekt nicht durchleuchten.
ES gehört auch zur Wahrheit das Teile der Tugendwächter an Prostitution , Drogenhandel und sonstigen Kriminellen Handlungen ordentlich Geld verdienen. ICh verstehe nicht wieso westliche Medien diesen Aspekt nicht durchleuchten.
attilaE 15.02.2010
Das jetzige Staatssystem im Iran mit all seinen Begleiterscheinungen wurde durch das Volk an die Macht gehievt! Es steht keinem zu, dies zu ändern.
Das jetzige Staatssystem im Iran mit all seinen Begleiterscheinungen wurde durch das Volk an die Macht gehievt! Es steht keinem zu, dies zu ändern.
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Republik Iran
REUTERS
Die Islamische Republik Iran ist mit einer Fläche von rund 1,7 Millionen Quadratkilometern fünfmal so groß wie Deutschland. Das Land besitzt nach Russland die zweitgrößten Erdgasreserven der Welt, beim Erdöl steht Iran auf Platz drei und ist derzeit nach Saudi-Arabien der größte Produzent innerhalb der Opec.

Irans Atomprogramm
AP
Iran unterzeichnete 1968 den Sperrvertrag für Atomwaffen . Dieser erlaubt die zivile Nutzung von Nuklearenergie und die dafür notwendige Forschung einschließlich der Urananreicherung .

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mit Sitz in Wien kontrolliert die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags; sie erstellt regelmäßig Berichte über das iranische Atomprogramm .

Der Uno-Sicherheitsrat hat in seiner Resolution 1696 vom 31. Juli 2006 Iran erstmals aufgefordert, die Anreicherung von Uran einzustellen; Teheran weigert sich unter Berufung auf den Atomwaffensperrvertrag.

Als Vermittler tritt seit einigen Jahren auch die "EU-Troika" auf, bestehend aus Frankreich, Großbritannien und Deutschland.





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