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Ausgabe 7/2010
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13.02.2010
 

Lobbyismus

Der größte Hecht

Von Ralf Neukirch

Gerhard Schröder und Joschka Fischer wollen es noch einmal wissen: Diesmal geht es um Pipelines. Fischer kämpft für eine Gasleitung aus Zentralasien nach Europa, Schröder für eine aus Russland. Es geht auch um die Frage, wer sich gegen den anderen durchsetzt.


Gerhard Schröder hat die Beine übereinandergeschlagen und die Arme hinter dem Kopf verschränkt. Er will jetzt noch einen Satz zu Joschka Fischer loswerden. "Ich habe große Zweifel daran, dass sich 'Nabucco' ohne Gas aus Iran wirtschaftlich betreiben lässt", sagt Schröder, dann wechseln seine Gesichtszüge ins Süffisante. "Aber Joschka wird den Konflikt mit Iran sicher lösen."

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Schröder lacht heiser, das Thema macht ihm Spaß. Nabucco ist eine Pipeline, die Gas aus Zentralasien nach Europa führen und mit deren Bau im kommenden Jahr begonnen werden soll. Joschka Fischer wirbt im Auftrag zweier Energiekonzerne für das Projekt.

Iran sei ein Problem, sagt Schröder noch einmal. "Sagen sie das dem Joschka, wenn Sie ihn sehen", sagt er und zeigt sein Wolfsgrinsen.

Joschka Fischer lacht nicht, als man ihm die Botschaft des ehemaligen Bundeskanzlers ausrichtet. Fischer war unter Schröder Außenminister, er macht sich gern über andere lustig, aber er kann nicht einstecken. Schon gar nicht, wenn der Spott von Schröder kommt.

Neulich hat Fischer in der Zeitung einen Artikel über Afghanistan geschrieben. Es ging um "kumulierte Bedrohungen" und endete in dem Ratschlag, "all die Krisen in dieser Gegend einzudämmen und vielleicht sogar zu lösen: Nahost, Irak, Golf, Iran, Kaschmir." Alle Krisen in der Region, darunter macht es Fischer nicht.

Joschka Fischer und Gerhard Schröder ringen wieder miteinander. Es geht nicht mehr um die Macht in Deutschland, es geht jetzt um Pipelines, aber sonst hat sich nicht viel verändert.

Wettstreit der zwei größten Egos in der deutschen Politik

Der eine steht auf der Seite der Russen, seine Pipeline heißt "Nord Stream", der andere arbeitet gegen die Russen, seine Pipeline heißt Nabucco. Es geht um die Energieversorgung der Zukunft, den Kampf um die endliche Ressource Gas. Die beiden spielen jetzt "the great game", das große Spiel.

Aber wenn Joschka Fischer gegen Gerhard Schröder antritt, geht es nicht nur um die Frage, wer die längste Pipeline hat. Es ist der Wettstreit der zwei größten Egos in der deutschen Politik, ein Wettbewerb, der seit mehr als zehn Jahren läuft und noch keinen Sieger hat.

Das mit Iran sei völliger Unsinn, sagt Fischer über Schröders süffisante Bemerkung. "Überlegen Sie mal, was es heißt, wenn Nabucco nicht kommt", sagt er. "Die Region, geopolitisch, Moskau!" Er hebt die Arme in die Höhe, eine Geste der Verzweiflung.

Ein Scheitern von Nabucco wäre nicht nur geopolitisch schlimm. Es wäre auch nicht schön für Joschka Fischer. Fischer wird von RWE und dem österreichischen Konzern OMV dafür bezahlt, dass er das Projekt befördert. Er hat ein persönliches Interesse daran, dass Nabucco kommt. Gerhard Schröder hat ein persönliches Interesse daran, dass es scheitert.

Nabucco, das ist zumindest die Idee, soll die Deutschen unabhängiger von russischem Gas machen. Schröder steht dem Aktionärsausschuss von Nord Stream vor, einem Konsortium, das mehrheitlich zu Gazprom gehört. Der russische Konzern hat kein Interesse daran, dass Deutschland unabhängiger von russischem Gas wird. Deshalb ist Schröder gegen Nabucco.

Es ist der Wettstreit zweier Männer, die sieben Jahre Regierung gemeinsam durchgestanden haben. Jetzt kämpfen sie darum, wem die Zeit danach gehört.

Schröder zupft sich eine eingebildete Fluse von der Nase. Es ist eine Bewegung in Zeitlupe, er hat sie aus der Kanzlerzeit mitgebracht. Damals wollte er Zeit gewinnen, wenn er schwierige Fragen beantworten musste.

Am Morgen hat er im "Handelsblatt" einen positiven Kommentar über die Hartz-IV-Reform gelesen. Seine Reform. Langsam, so sieht er es, rücken seine Verdienste ins richtige historische Licht. Man sieht ihn jetzt in einem anderen, positiveren Licht. Das hat auch mit Fischers Einsatz für Nabucco zu tun.

Das Gas nach Deutschland fließt durch Schröders Pipeline

Was haben nicht alle auf ihm rumgehackt, als sich der Kanzler Schröder für Nord Stream eingesetzt hat, die Polen, die Balten, die Konservativen. Dabei ist die Sache aus seiner Sicht ganz einfach: Deutschland importiert rund 40 Prozent seines Gases aus Russland. Die Nord-Stream-Pipeline, die vom russischen Wyborg durch die Ostsee in die Nähe von Greifswald führt, wird Deutschland unabhängig von Transitländern machen. Wenn sie gebaut ist, kann es den Deutschen egal sein, ob die Ukraine ihre Rechnungen nicht bezahlt hat und Gazprom deshalb kein Gas mehr liefert. Das Gas nach Deutschland fließt dann durch Schröders Pipeline.

Wenn Schröder über Nord Stream erzählt, klingt das Vorhaben recht vernünftig. Das Problem war aber nie, dass er sich als Kanzler für Nord Stream eingesetzt hat. Die Probleme begannen in der Zeit danach.

Schröder war kaum einen Monat aus dem Amt geschieden, da nahm er seinen Posten im Aufsichtsgremium von Nord Stream an. Er wurde zum bezahlten Lobbyisten für eine Pipeline, die er als Kanzler vorangetrieben hatte. Das war legal, aber es hinterließ einen pelzigen Nachgeschmack. Die Deutschen mögen es nicht, wenn ihr Kanzler in Rekordzeit zum Elder Salesman wird statt zum Elder Statesman.

Schröder ärgert sich noch immer, dass die Leute das so sehen. Es ärgerte ihn vor allem, weil es lange Zeit ein leuchtendes Gegenbild gab: Joschka Fischer.

Fischer hat seinen Abschied vom Außenministerium inszeniert, er riss sich seine Krawatte vom Hals und schwärmte von seiner Rückkehr in die Freiheit. Anders als Schröder hat er den Wahlausgang im September 2005 noch am selben Abend akzeptiert. Es war ein würdiger Abgang, schrieben die Zeitungen.

Fischer nahm eine Gastprofessur in Princeton an, er schrieb Zeitungskommentare, er tat, was man als ehemaliger Außenminister eben so macht. Neben Fischer wirkte Schröder lange Zeit immer ein wenig schmuddelig.

Deswegen gefällt Schröder die Vorstellung, dass Fischer jetzt im Auftrag großer Energiekonzerne mit Iran verhandelt. Er erinnert sich sehr gut daran, was die Grünen seinerzeit über den Gazprom-Job gesagt haben: Dass Schröder eine politische Eselei begehe, dass er sich unanständig verhalte und seinen Ruf ruiniere.

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17.02.2010 von Ylex: Schöne Alpha-Tiere

Wenn sich Alpha-Tiere durch Selbstüberschätzung auszeichnen, dann sind Schröder und Fischer Prachtexemplare. Stimmt, im politischen Geschäft haben sie virtuos ihre Ellbogen eingesetzt, sie haben sich in der Hackordnung nach ganz [...] mehr...

17.02.2010 von primatologe: so ist das

Sie meinen ob Strauss sich Geld zustecken ließ, Kohl Schwarzgeld verwaltet, oder ob Schröder dafür als Privatmann im Sinne unseres Landes arbeitet, das ist dasgleiche? Das ist aber eine merkwürdige Einstellung. mehr...

16.02.2010 von OnkelBenz: ...

Zu den beiden Pfeifenheinis will ich mich kaum äußern. Warum sich Europa winters aber auch noch von den Türken abhängig machen sollte, wo deren Regierung auf unverschämte und leider erfolgreiche Weise mit Assimilationsgebabbel [...] mehr...

16.02.2010 von autocrator: und so ....

und so wurden aus potentiellen (?) großakteuren der weltgeschichte (-?-?-?-) kleinlicke kärmerseelen. das war und ist under politisches führungpotenzial. schlaf' gut, deutscher michel .... mehr...

16.02.2010 von lothlórien: Wie lange noch?

Da hat man als Person mit Migrationshintergrund ja fast Anlaß zu jubeln wegen der fehlenden Möglichkeit zu wählen: die beiden habe ich nicht (!!) gewählt. Ich gehe jedoch davon aus, dass die beiden Hähne nicht die ersten und nicht [...] mehr...

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