Von Günther Stockinger
Die Leber wächst mit ihren Aufgaben", frotzelt der Bestsellerautor und Medizin-Kabarettist Eckart von Hirschhausen. Die Nation lacht darüber - und ahnt nicht, wie recht der Mann hat.
Je heller sich das Organ bei Ultraschalluntersuchungen auf dem Monitor abzeichnet, desto eindeutiger ist der Befund: "Man guckt darauf und weiß sofort, dass da gewaltige Fettlager drinstecken", sagt Claus Niederau, Leberexperte an den Katholischen Kliniken Oberhausen.
Noch eindrucksvoller fällt die Blickdiagnose bei Operationen oder Bauchraumspiegelungen aus: Das Organ glänzt nicht rötlich braun, sondern fettig-gelb; wabbelig wuchert es vom Zwerchfell bis weit unter den Rand des rechten Rippenbogens.
"Wie bei einer Gänsestopfleber"
Während die gesunde Leber selten mehr als anderthalb Kilogramm wiegt, werden ausgeprägte Fettlebern mitunter fast doppelt so schwer. "Das sieht aus wie bei einer Gänsestopfleber", berichtet Peter Galle, Gastroenterologe an der Universitätsklinik Mainz.
Jeder fünfte Deutsche, so schätzen Mediziner, geht mit einem krankhaft aufgedunsenen Stoffwechselorgan durchs Leben. Unter den 55- bis 75-Jährigen gilt das sogar für jeden vierten. Während verfettete Lebern früher eher selten waren, sind sie heute fast schon zur Regel geworden: "In den letzten Jahren kommt in meine Ambulanz jeder Zweite mit einer Fettleber", berichtet Niederau. Selbst unter Kindern findet sich immer wieder ein bedrohlicher Leberbefund.
Noch immer halten viel zu viele Ärzte ein bisschen Wohlstandsspeck in der Leber für harmlos. Inzwischen jedoch warnen Kliniker zunehmend vor den Folgen einer unterschätzten Epidemie: "Die Erkrankung hat sich gewandelt, wir müssen sie ernster nehmen, als wir es bis vor kurzem getan haben", warnt Galle.
Denn bei mindestens zehn Prozent der Betroffenen, so zeigen Studien, bleibt es nicht beim bloßen Anschwellen des größten inneren Organs: Die von Fetteinlagerungen belastete Leber entzündet sich. Schon jetzt leiden nach Schätzungen von Experten rund zwei Millionen Deutsche an dieser Folge der inneren Fettmast.
In rund 20 Prozent dieser Fälle schreitet das Leiden anschließend weiter voran: Die chronisch malträtierten Organe neigen zum Vernarben, am Ende schrumpfen sie - es kommt zur gefürchteten Zirrhose (siehe Grafik in der linken Spalte).
Auch solchen Verläufen begegnen die Kliniker immer häufiger: "Wir sehen zunehmend Patienten mit Fettleberzirrhosen, die wir transplantieren müssen oder die einen Leberkrebs entwickeln - das ist neu", konstatiert Ansgar Lohse, Gastroenterologe an der Hamburger Universitätsklinik in Eppendorf.
Alkohol galt bisher als Hauptursache für die Verfettung der Stoffwechsel- und Entgiftungszentrale. Mittlerweile jedoch haben ihm Übergewicht, Diabetes Typ 2 und zu hoher Cholesterinspiegel den Rang als Erzfeind der Leber abgelaufen. "Wir müssen davon wegkommen, die Fettleber immer mit Alkohol in Verbindung zu bringen", warnt Michael Manns, Leberexperte an der Medizinischen Hochschule Hannover.
Abnehmen bringt Leber wieder auf Normalmaß
Bei rund 75 Prozent aller Übergewichtigen und jedem zweiten Zuckerkranken ist das Organ krankhaft vergrößert. Stark Übergewichtige etwa haben ein sechsmal höheres Risiko als Normalgewichtige, dass ihre Leber am Ende der Fettschwemme gefährlich schrumpft. Selbst ohne dass sie einen Tropfen Alkohol trinken, kann ihnen eine Leberzirrhose drohen.
Abnehmen, mehr Bewegung und gesündere Ernährung: Das Rezept, um das Wachstum der Leber zu stoppen, ist denkbar simpel. Selbst stark aufgequollene Organe lassen sich so meist schon nach drei bis sechs Monaten wieder auf Normalmaß zurückhungern.
Doch die Gefahr im rechten Oberbauch wird nur selten rechtzeitig erkannt, denn die kranke Leber tut nicht weh. Den Opfern machen allenfalls diffuse Beschwerden wie Müdigkeit, Leistungseinbrüche, Völlegefühl oder Konzentrationsstörungen zu schaffen. Selbst die schon schwer geschädigte Leber bleibt oft vollkommen stumm.
Eindeutiges Warnsignal sind leicht erhöhte Leberwerte im Blut. Sie künden vom stetigen Untergang von Leberzellen. Viele Hausärzte jedoch sehen in solchen Werten eher ein Kavaliersdelikt - und dies, obwohl sich dahinter auch Infektionen durch Hepatitisviren verbergen könnten.
Der Ernst holt die Opfer deshalb oft erst ein, wenn es für ihre Gesundung schon zu spät ist. "Die können es dann nicht fassen", so Lohse, "dass sie sich schon bei der Erstdiagnose in einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium befinden."
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Ihre Forderung an die Ampelkennzeichnung unterstütze ich. An der Selbstdarstellung mancher Foristen können Sie aber erkennen, dass man weder die Problematik versteht noch die Notwendigkeit von Lösungen realisiert. Ein kleines [...] mehr...
Oh Nein, nicht wieder ein Moralapostel, auf dessen Kosten sich das ganze Land gemütlich ausruht! zuerst die Zigaretten, dann der Alkohol und nun geht es noch den Fetten und ungesundem Essen an den Kragen...![/QUOTE] genauso [...] mehr...
Das wichtige daran: Hin und wieder. Nicht dauernd und als ständige und ausschliessliche Mahlzeiten. Wie heisst es so schön: Die Dosis macht das Gift. Und btw.: Mann bzw. Frau kann aber auch mit Sauerkraut und Eisbein eine [...] mehr...
Ja, ja, der Franzos' und sein Savoir Vivre. Wie gern wären wir doch wie er. Nehmen Sie bitte zur Kenntnis, dass Frankreich für McDonalds der zweitgrößte Markt weltweit (nach den USA) ist. Schauen Sie einfach mal nach, [...] mehr...
denn die, die dick sind, leisten sich vielfach Fast- und Fertigfood, das ist deutlich teurer, als wenn, auch hochwertige, Rohstoffe gekauft werden. Es muß daher wohl als Disziplinlosigkeit betrachtet werden, wenn diese Zustände [...] mehr...
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© DER SPIEGEL 7/2010
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