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Ausgabe 8/2010
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22.02.2010
 

Luftfahrt

Gehirnschlag im Cockpit

Von Gerald Traufetter

Der Absturz von Air France AF 447 ist eines der rätselhaftesten Unglücke in der Geschichte der Luftfahrt. Inzwischen aber lassen sich die letzten Minuten an Bord genau rekonstruieren - ein Protokoll des Schreckens, das Sicherheitslücken im Flugverkehr offenbart.


Eine winzige technische Störung kündigt die Katastrophe an. So unauffällig ist der Messfehler, dass die Piloten im Cockpit des Airbus A330 ihn wohl kaum bemerkt haben.

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Drei Stunden und 40 Minuten ist die Air-France-Maschine mit der Flugnummer AF 447 seit ihrem Start am Abend des 31. Mai 2009 in Rio de Janeiro schon in der Luft. Seit einer halben Stunde rütteln heftige Turbulenzen an dem Flugzeug; und nur die abgebrühtesten Vielflieger schlafen noch.

Plötzlich klettert die Außentemperatur auf der Anzeige um etliche Grad nach oben. Dabei ist es in elf Kilometer Höhe nicht wirklich wärmer geworden. Der Messfehler entsteht, weil sich dicke Eiskristalle auf dem Sensor sammeln, der an der Außenhaut des Flugzeugs angebracht ist. Die Kristalle isolieren den Fühler gegen die Kälte hoch oben in der Erdatmosphäre. Das war offenbar der Anfang.

Immer mehr Eis wird in den Gewitterwolken über dem Atlantik emporgeschleudert. Nun legt es auch weit wichtigere Sensoren lahm: Die röhrenförmigen Geschwindigkeitsmesser, sogenannten Pitot-Sonden, geben ihren Geist auf.

Eine Warnmeldung nach der anderen flammt nun auf den Monitoren des Cockpits auf. Kurz hintereinander schalten sich ab: der Autopilot, die automatische Regelung des Triebwerksschubs, die Flugcomputer. "Das war wie ein Gehirnschlag", sagt Gérard Arnoux, Chef der französischen Pilotengewerkschaft SPAF.

Die letzten vier Minuten von AF 447 sind angebrochen - vier Minuten vom Ausfall der Geschwindigkeitsmesser bis zum Aufprall auf den Ozean, vier Minuten bis zum Tod von 228 Menschen.

Mulmiges Gefühl

Kaum ein Absturz der letzten Jahre hat Flugpassagiere derart verunsichert. Wie konnte es passieren, dass ein Airbus einer so großen, vermeintlich sicheren Fluglinie einfach so verschwindet?

Noch immer herrscht ein mulmiges Gefühl unter den Passagieren auf der Strecke Rio-Paris. Die Flugnummer wurde nach dem Unglück umbenannt in AF 445.

Manch ein Vielflieger bucht seither lieber Tagesflüge über den Atlantik, weil die Piloten tagsüber Gewitterzonen besser erkennen können.

In den kommenden Wochen soll erneut eine großangelegte Suchaktion nach den Flugschreibern der Unglücksmaschine starten. Noch einmal sollen 2000 Quadratkilometer gebirgiger Ozeangrund abgesucht werden - unter anderem mit einem U-Boot aus Kiel. "Bevor wir diese Suche nicht abgeschlossen haben, sollte man zum Unfallhergang nicht spekulieren", erklärt Jean-Paul Troadec, Direktor der französischen Flugunfalluntersuchungsbehörde BEA.

Andere Experten sind weniger zurückhaltend. "Wir wissen inzwischen recht genau, warum das Unglück geschah", konstatiert Pilotengewerkschafter Arnoux.

Im Laufe der mehrmonatigen Untersuchungen haben Experten Beweisstücke zusammengetragen, um die letzten vier Minuten an Bord verhältnismäßig genau rekonstruieren zu können. Dabei wurde eine Sicherheitslücke offenbar, die alle derzeit zugelassenen Düsenflugzeuge betrifft. "So ein Unfall wie dieser könnte jederzeit wieder passieren", warnt Gewerkschafter Arnoux.

Für ihr Katastrophen-Puzzle rekonstruierten die Sachverständigen Dutzende Zwischenfälle mit anderen Airbus-Maschinen. Wrack- und Leichenteile lassen Rückschlüsse zu, wie die Maschine abgestürzt ist. Im Detail wurden auch jene 24 automatischen Pannenmeldungen analysiert, die das Flugzeug kurz vor dem Ende über Satellit an die Pariser Zentrale funkte. Vor allem eine Nachricht könnte jetzt das Rätsel um Flug AF 447 lösen - und zwar die letzte vor dem Aufprall.

In der Nacht zum ersten Juni stand der Halbmond über dem Atlantik - keine so schlechte Voraussetzung für einen Flug durch die gefährliche innertropische Konvergenzzone. Dort toben schwere Gewitter, Wolkentürme versperren den Weg wie bei einem Hindernisparcours. Neben dem bordeigenen Radar hilft ein heller Mond, die riskanten Wolkenformationen rechtzeitig zu erkennen.

Andere Maschinen flogen in der Unglücksnacht um die Unwetter herum und nahmen damit einen Umweg in Kauf.

Warum flog ausgerechnet AF 447 geradewegs hinein ins tödliche Gewölk? Beginnt die Tragödie vielleicht schon vor dem Start der Maschine?

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09.03.2010 von speculum strigidarum: Netiquette anyone?

Ich will Ihnen die verbale Unverschämtheit oben einmal nicht anrechnen. Natürlich hat schon jeder erfahrene Langstreckenflieger einmal z.B. beim Durchfliegen der ITC Windshears aloft erlebt. Wake turbulence (Wirbelschleppen) [...] mehr...

09.03.2010 von Knalltüte: Wirbelschleppen

Eine der bekanntesten Fotoaufnahmen von Wirbelschleppen einer 747 findet man hier (durchrollen nach unten) Why Ultralights shouldn't do formation flying with 747's. (http://www.aviationpics.de/pretty/pretty.htm) Es gibt sie [...] mehr...

08.03.2010 von Satiro: Shear Winds?

Tja, was man sich so alles vorstellen kann! ;-) Wirbelschleppen (engl. wake turbulence),und Scherwinde (wind shear ) können einen Flieger, welcher gerade vom Computer gesteuert wird, auch in ziemlich heikle Situationen [...] mehr...

07.03.2010 von speculum strigidarum: Q-Corner / Excessive turbulence

Coffin Corner ist im stabilen Reiseflug incl. Rate Turns kein Thema, denn: die Maximum Altitude liegt immer unter der Altitude, in der man die Coffin Corner erreichen würde. Dass man durch exzessive Turbulenz aber die [...] mehr...

06.03.2010 von Knalltüte: Gehirnschlag im FMC

Werte SPON-Passgiere, lassen Sie sich bitte nicht davon irritieren, dass der FMC (Foren-Managment-Computer) der Turing-Software temporär in den Underground-Modus der 2ten CPU geschaltet wurde, ab jetzt wieder voll im Flight Modus. [...] mehr...

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Protokoll: Die letzten Signale des Unglücks-Airbus

23 Uhr (Ortszeit)

Der Pilot meldet der Zeitung "O Estado de S. Paulo" zufolge, dass er durch "CBs" fliege - schwarze, elektrisch aufgeladene Wolken, die mit starken Winden und Blitzen einhergehen. Satellitendaten haben gezeigt, dass Gewitterwolken zu dieser Zeit bis zu 160 Kilometer pro Stunde schnelle Sturmböen gegen die Flugrichtung der Maschine schickten.

23.10 Uhr

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