Von Philip Bethge
Doch inzwischen hat sich der Wind gedreht, die Zahl der Pferdereservate ist stark geschrumpft, und das BLM findet, dass es immer noch zu viele Mustangs gibt. Allein vor der Kulisse der majestätischen Calico Mountains haben Viehtreiber in den vergangenen Wochen über 1900 Mustangs "gesammelt", wie es im Sprachgebrauch des BLM heißt.
"Im September habe ich hier in der Gegend noch 3040 Pferde gezählt", berichtet Jerome Fox, Pferdeexperte des örtlichen Winnemucca-Verwaltungsbezirks. Wie viele sollen es am Ende sein? "Höchstens 600 bis 900. Wir sind verpflichtet, allen Landnutzern gerecht zu werden."
Fox drückt seinen Cowboyhut noch ein Stück tiefer ins Gesicht. Die Wintersonne wirft ihr sanftes Licht über die weite, endlos wirkende Landschaft. Ein gutes Dutzend gefangener Mustangs steht in einem Gatter. Ihre Nüstern blasen Nebel. Bald wird ein Lastwagen kommen und die Pferde abtransportieren. Die Hengste werden kastriert, die Stuten und Fohlen voneinander getrennt.
Für das BLM sind diese Maßnahmen kein unzulässiger Eingriff in die Natur - im Gegenteil. Schließlich seien die verwilderten Pferde streng genommen eine fremde, vom Menschen eingeschleppte Art. Natürliche Feinde gebe es fast nicht. Um ökologische Schäden in den von Trockenheit geplagten Landstrichen des Westens zu vermeiden, müsse ihre Zahl reduziert werden.
Die Mustangfans halten die Berechnungen des BLM jedoch für weit übertrieben, etwa im Fall der Calico-Mountains-Region: "Dieses Gebiet hier ist über 200.000 Hektar groß und soll nur Platz für 600 bis 900 Pferde bieten?", schimpft Deniz Bolbol von der Tierschutzorganisation "In Defense of Animals". In Wahrheit gehe es nicht um ökologische Störungen, sondern um Wirtschaftsinteressen: "Sie treiben die Pferde wegen der Rinder zusammen."
Rund 107 Millionen Hektar öffentliches Land verwaltet das BLM. Energiefirmen pochen auf ihr Recht, die Öl- und Gasvorräte der Gebiete auszubeuten. Jäger wollen in den Bergen Hirschen und Dickhornschafen nachstellen. Vor allem aber sind fast zwei Drittel des öffentlichen Landes für Rinder ausgewiesen.
Rinder auf öffentlichem Land weiden zu lassen ist in den USA rund zehnmal billiger, als sie auf privates Land zu stellen. "Das ist doch geisteskrank, eine irre Geldverschwendung", sagt Bolbol. "Zuerst wird öffentliches Land an Privatinteressenten verscherbelt; dann sind die Pferde im Weg, und es werden Millionen Steuergelder ausgegeben, um sie einzufangen; und schließlich kostet es weitere Millionen, um die Tiere auf Privatranches unterzubringen."
Andererseits bestätigt der Veterinär Jay Kirkpatrick aus Billings in Montana, dass eine zu hohe Zahl von Pferden ein Problem für die Wildtiere, die Rinder und auch für die Pferde selbst bedeuten könnte. Er schlägt daher vor, den Mustangs Empfängnisverhütungsmittel per Injektionspfeil zu verabreichen. Im kleinen Stil war die Methode bereits erfolgreich.
Doch die meisten Gegner des Regierungsprogramms wollen, dass die Mustangs ganz in Ruhe gelassen werden. "Wenn die Pferde komplette Lebensräume zur Verfügung hätten, vom Tiefland bis in die Berge, würde sich ihre Zahl von selbst regulieren", argumentiert etwa Ökologe Downer. Er will auch die Verbreitung der natürlichen Räuber der Pferde wie Wolf oder Puma fördern.
Immerhin sieht auch BLM-Experte Don Glenn die Regierung in einer "Zwangslage". Je mehr Mustangs eingefangen werden, desto mehr müssen für viel Geld durchgefüttert werden. Versuche, die Tiere von Pferdefans adoptieren zu lassen, haben sich aufgrund der Wirtschaftskrise als wenig erfolgreich erwiesen. Und das Vorhaben des BLM, die Tiere einzuschläfern, scheiterte am Aufstand der Bevölkerung.
Nun droht neuer Ärger. Die Tierschutzorganisation "In Defense of Animals" hat Klage gegen den Zusammentrieb in der Calico-Mountains-Region eingereicht. In einem Punkt gab der Bundesrichter Paul Friedman den Klägern bereits recht: Aus seiner Sicht ist es höchstwahrscheinlich nicht zulässig, die gefangenen Pferde langfristig auf Weiden zu halten, die weit entfernt von ihrem ursprünglichen Lebensraum liegen. Wahrscheinlich muss der US-Kongress jetzt die Sache entscheiden.
Der aktuelle Vorschlag Salazars muss daher wie Hohn in den Ohren der Pferdefans klingen. Der Innenminister möchte sieben neue Mustangreservate im Mittleren Westen und im Osten der USA eröffnen, in denen Öko-Touristen die eingefangenen Mustangs gleichsam wie in einem Safaripark bestaunen können.
"Wilde Pferde erst für viel Geld einzufangen und dann woanders als wilde Pferde auszustellen?", wundert sich Bolbol. "Absurder geht's wohl nicht mehr."
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