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Ausgabe 10/2010
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08.03.2010
 

Krisen

"Plop, plop, plop"

Miriam Meckel: Burnout-Geständnis
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DDP

2. Teil: "Das Leben lässt sich nicht in funktionale Scheibchen teilen"

SPIEGEL: Der Widerspruch bleibt: Sie schreiben ein Buch über eine Krankheit, die durch zu viel Kommunikation entsteht, und tragen mit einem Buch dazu bei, selbst wieder mitten in einen Diskurs zu geraten. Warum tun Sie das?

Meckel: Als mein Burnout in meinem Umfeld bekannt wurde, haben mich viele Menschen angesprochen, ob ich mal Zeit hätte, sie machten sich Gedanken, über mich, aber auch über sich selbst. Wir müssen über die Dinge sprechen, nur so machen wir sie benennbar und begreifbar. Denken Sie an den Tod des Torwarts Robert Enke, da gab es eine Welle von empathischen Reaktionen. Dabei war es ja nichts Neues, dass ein Mensch Depressionen hat. Neu war nur, dass seine Witwe das klar und offen ausgesprochen hat. Trotzdem habe ich lange über das Buch nachgedacht, denn es ist ja eine sehr persönliche Geschichte, und es ist eben etwas, worüber man eher nicht spricht.

SPIEGEL: Als Ihr Verlag das Buch im Dezember ankündigte, machte die "Bild"-Zeitung aus Ihrer Krankheit eine Schlagzeile. Kamen Ihnen da Zweifel?

Meckel: Ich habe einige besorgte SMS von Freunden bekommen: Bist du wieder in der Klinik? Die Überschrift des Artikels klang, als sei ich jetzt wieder krank. Ich habe damals gedacht, gut, so etwas brauchst du wie ein Loch im Kopf, aber ich habe auch festgestellt, dass mich das nicht großartig irritiert hat. Trotzdem bin ich froh, gleich nach der Veröffentlichung meines Buchs für ein halbes Jahr nach Harvard zu verschwinden, um dort zu forschen und zu schreiben.

SPIEGEL: Im Unterschied zu allem, was Sie bisher veröffentlicht haben, machen Sie sich mit diesem Text persönlich sehr angreifbar. Es gibt Passagen, in denen Sie dem Leser als einsam erscheinen, manchmal wirken Sie auch naiv in Ihrem Blick auf das Leben.

Meckel: Naiv? Inwiefern?

SPIEGEL: Zum Beispiel kommen Sie zu dem Schluss, dass private Freundschaften ähnlich wichtig sein sollten wie berufliche Netzwerke. Ist das nicht eine etwas naheliegende Erkenntnis?

Meckel: Da haben Sie vielleicht den Grundtenor des Buchs nicht richtig verstanden. Ich versuche zu beschreiben, dass viele Menschen ihre beruflichen Netzwerke extrem in den Vordergrund stellen, weil sie glauben, dass es für eine Karriere notwendig ist. Und darüber vergessen sie Familie und Freunde. Das Leben kann dadurch in eine Schieflage geraten. Das ist keine naive, sondern eine sehr befreiende Erkenntnis.

SPIEGEL: Sie schreiben in dem Buch am Anfang, dass Musikhören und auch gute Ernährung eine große Hilfe sein könnten. Sagt einem das nicht schon der gesunde Menschenverstand?

Meckel: Der Begriff naiv, den Sie gerade verwendet haben, gefällt mir deshalb nicht, weil ich ihn abwertend finde. Wenn wir aber stattdessen sagen, ich habe mich sehr grundsätzlichen, sehr lebensnahen Erkenntnissen geöffnet, dann gilt: Ja, da haben Sie recht. Diese Erkenntnisse sind aus unserem überorganisierten Leben herausgefallen. Viele betrachten die Welt kaum noch mit einem ganzheitlichen Blick. Ständig quantifizieren sie und messen ihr Leben: wie schnell die Karriere, wie viele Kinder, wie groß die Wohnung, gibt's Auto, Boot und Pferd? Alles muss funktional organisiert werden und ist an bestimmten Erfolgskriterien ausgerichtet. Dass sich das Leben aber nicht in funktionale Scheibchen teilen lässt, darüber denken viele nicht mehr nach.

SPIEGEL: Ganzheitlich - das klingt ein wenig esoterisch.

Meckel: Das Leben muss aber als Ganzes stimmen, es lässt sich nicht einfach immer in seinen Teilen steigern. Irgendwann führt das ins Unglück und auch zu mangelnder Effizienz. Das ist ökonomisch relevant, und immer wenn etwas ökonomisch relevant ist, dann begreift es ja sogar unser Wirtschaftssystem als veränderungsnotwendig. Es gibt Manager, die verstehen: Ein Mitarbeiter, der immer nachts um zwei E-Mails schreibt, tut sich selbst nicht gut und langfristig auch dem Unternehmen nicht.

SPIEGEL: Wir leben in einer Zeit, in der vor allem Frauen sehr perfekt sein wollen: Karriere, Familie, Schönheit. Ist das eine Überforderung?

Meckel: Wir haben ja zwei Diskursansätze, mit denen wir über Frauen sprechen. Der eine ist: Frauen müssen besser sein als Männer, durchsetzungsfähiger. Der andere geht ungefähr so: Frauen haben diese ganz besonderen kommunikativen Eigenschaften, sind so einfühlsam, können gut moderieren. Angela Merkel gilt ja immer als Moderatorin. Wenn man genauer hinschaut, merkt man, dass sie das überhaupt nicht ist. Beide Diskurse sind totaler Blödsinn. Der eine macht einen auf Dauer kaputt, bei dem anderen kommt man nie dahin, wo man hinwill. Ich glaube schon, dass wir da ein paar Korrekturen vertragen könnten.

SPIEGEL: Aber vom Burnout sind nicht nur Frauen betroffen. Die Zahl der Erkrankungen ist in den vergangenen fünf Jahren um 17 Prozent gestiegen. Entwickelt sich da eine Volkskrankheit?

Meckel: Es trifft ja alle: Chefredakteure und Vorstandsvorsitzende ebenso wie Angestellte. In meiner Klinik gab es auch viele Menschen aus sozialen Berufen, die sich vollkommen kaputtgemacht haben, zum Teil auch aus Angst vor Hartz IV. Und wenn ich dann Herrn Westerwelle höre, der von spätrömischer Dekadenz redet, dann macht mich das aggressiv. Eine unzulässige Verallgemeinerung und eine komplette Fehlwahrnehmung.

SPIEGEL: Es gibt derzeit sehr viele Bücher über Krankheiten und Lebenskrisen.

Meckel: Das sind notwendige Irritationen im Grundrauschen unsere Gesellschaft. Deren Gesundheitstotalitarismus will alles perfektionieren und steigern. Menschen sollen fit, schön und sportlich sein, einfach funktionieren. Gleichzeitig wissen wir, wir versagen vor diesem Anspruch. Da ist das Bedürfnis groß, dass jemand sagt: Hallo, das Leben kann übrigens auch ganz anders sein.

SPIEGEL: Wie entsteht so ein Leistungsgedanke im eigenen Leben? Sie beschreiben in Ihrem Buch Ihre Mutter als diszipliniert und hart gegen sich selbst.

Meckel: Meine Eltern gehören ja zur Kriegskindergeneration, aufgewachsen mit Frieren, Hungern und Verzicht. Das prägt. Ich bin in einer Familie groß geworden, die klare Regeln hatte und in der man seine Sachen erledigte.

SPIEGEL: Waren Sie eine gute Schülerin?

Meckel: Das war ich, aber ich habe ansonsten auch relativ exzessiv gelebt. Ich habe gefeiert von früh an, es war vielleicht alles ein bisschen zu exzessiv.

SPIEGEL: Viel zu arbeiten ist immer auch eine Möglichkeit, sich nicht mit anderen Themen beschäftigen zu müssen. War das eine Form von Arbeitssucht, die Sie vor Ihrem Burnout erlebt haben?

Meckel: Ich würde den Begriff nicht verwenden, weil es bei mir eine Mixtur aus verschiedenen Formen von Selbstüberforderung gewesen ist, emotional, privat und beruflich. Aber ich habe mir in den Arbeitsprozessen sicher keine Zeit gelassen, darüber nachzudenken, wieso ich oft so wahnsinnig müde war und wieso ich jeden Virus immer als Erste bekommen habe. Ich habe einfach total gern gearbeitet und es nie als zu viel empfunden.

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12.03.2010 von Jolly65: ...

Dann sehen sie mal dort hinein: http://www.narzissmus.net/wbb/ Jede Menge Betroffene, die darüber diskutieren. Siehe oben, in diesem Forum sind mindestens 2/3 der Betroffenen Frauen. Siehe oben, dort gibt es jede [...] mehr...

12.03.2010 von malvasylvestris: narzistische störung

What the F...? Diagnose Narzistische Persönlichkeitsstörung. - Das wird hier grad ernsthaft diskutiert? Das Einsehen und Bekennen von eigenen Fehlern und diese Diagnose schließen sich aus. Darüber hinaus ist das [...] mehr...

12.03.2010 von hansausberlin: Unsympathisch

Frau Meckel macht auf mich einen total unsympathischen Eindruck. Ihre Aussagen im Interview mit dem Spiegel sind banal. Auf alle Fälle ein überflüssiges Buch mehr auf dem Markt. mehr...

11.03.2010 von wortgewalt87: *pling*

Nun ja. Ein Forum ist ein virtueller Stammtisch, wo man trefflich abkotzen kann - und kein Ort, wo man seine soziale Kompetenz pflegt. Wenn nur Leute, die Ahnung hätten, Beiträge hier verfassen würden, würde das Forum [...] mehr...

11.03.2010 von Jolly65: ...

Sie habe ich damit auch nicht gemeint. mehr...

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Zur Person

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Miriam Meckel ist Direktorin am Institut für Medien- und Kommunikations- management an der Universität St. Gallen. 1967 wurde sie im Rheinland geboren. Sie moderierte Sendungen im WDR und bei N-tv. 1999 war sie zur Direktorin des publizistischen Instituts in Münster berufen worden und galt als jüngste Lehrstuhlinhaberin Deutschlands. 2001 wurde sie Staatssekretärin für Medien und Regierungssprecherin beim damaligen nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Wolfgang Clement.


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"Brief an mein Leben"
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