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Ausgabe 10/2010
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08.03.2010
 

Seuchen

Chronik einer Hysterie

Von Philip Bethge, Katrin Elger, Jens Glüsing, Markus Grill, Veronika Hackenbroch, Jan Puhl, Mathieu von Rohr und Gerald Traufetter

Schweinegrippe: Chronik einer Hysterie
Fotos
REUTERS

Fast ein Jahr lang hielt die Schweinegrippe die Welt in Atem. Eine gigantische Impfkampagne sollte ihr Einhalt gebieten. Dabei handelte es sich nur um einen eher harmlosen Virenstamm. Wie konnte es zu solch einer Überreaktion kommen? Eine Rekonstruktion.

Anfangs sieht es wirklich nicht gut aus für Edgar. Der Fünfjährige glüht vor Fieber. Er mag nicht mehr essen, sein Rachen brennt, ihn schmerzt der ganze Körper.

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Rasch stehen für die Leute in dem mexikanischen Dorf La Gloria die Schweine unter Verdacht. Die sind ein Fluch, davon sind sie hier seit langem überzeugt. Allein im nahen Städtchen Perote werden eine halbe Million Schweine gemästet. Von dort bläst der Wind den Gestank durch die Gassen der umliegenden Dörfer. Ist es da ein Wunder, dass Edgar Hernández zu fiebern begann?

Doch dann, nach nur vier Tagen, berappelt sich der Junge wieder. Seine Krankheit ist ebenso plötzlich verschwunden, wie sie aufgetaucht war. Eine Grippe, sonst nichts. Bald schon redet niemand in La Gloria mehr darüber.

Erst Wochen später wird ein Labor in Kanada einen Schleimhautabstrich des Jungen untersuchen. Das Ergebnis macht ihn berühmt: Edgar hatte keine gewöhnliche Grippe. Er war mit einem neuartigen Erreger infiziert - dem Schweinegrippe-Virus. Edgar geht als "niño cero" in die Geschichte ein, als erster Mensch, der an der neuen Seuche erkrankte.

Der Infekt des mexikanischen Jungen verlief glimpflich - ebenso wie bei den allermeisten der Millionen Menschen weltweit, die sich in den folgenden Monaten anstecken sollten. Und deshalb wäre das neue Virus wohl unbeachtet geblieben, gäbe es die moderne molekulare Medizin nicht, mit ihren Genanalysen, Antikörpertests und Referenzlabors. Die Schweinegrippe hätte die Welt erobert, und kein Arzt hätte etwas davon gemerkt.

Doch es kam anders. Denn es gibt sie, die Hightech-Medizin und die Impfstoffindustrie. Ebola, Sars, Vogelgrippe: Systematisch haben Seuchenwächter, Medien, Ärzte und Pharmalobby die Welt mit düsteren Katastrophenszenarien eingestimmt auf die Gefahr neuer, bedrohlicher Infektionskrankheiten.

Und keiner von diesen wird mehr Aufmerksamkeit gewidmet als der Influenza: Verteilt auf 102 Länder lauern Forscher in mehr als 130 Labors weltweit auf neue Grippe-Erreger. Karrieren, ganze Institutionen und sehr viel Geld hängen daran. "Manchmal kommt es mir vor, als hätten manche geradezu Sehnsucht nach einer Pandemie", konstatiert der Grippe-Experte Tom Jefferson von der internationalen Cochrane Collaboration. "Alles, was es jetzt brauchte, um diese Maschinerie in Gang zu bringen, war ein kleines mutiertes Virus."

Nun endlich war es also aufgetaucht, und die Maschinerie setzte sich in Bewegung. Die Forscher machten sich daran, die molekulare Gestalt des Virus aufzuklären. Die Pharmaindustrie begann an Impfstoffen zu tüfteln. Und die Behörden schmiedeten Katastrophenpläne. Nur eines ignorierten sie alle: dass der neue Erreger eigentlich ziemlich harmlos war. Wie nur war so etwas möglich?

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Die neuesten Beiträge:
24.03.2010 von Danny Wilde: Frage:

Antwort: Weil ihr Möchtegern-Journalisten jeden, aber auch wirklich jeden Unsinn abschreibt bzw. copy-pastet, der euch von oben vorgesetzt wird bzw. den ihr woanders gelesen habt. Recherche? Kennemernet. Mal einen [...] mehr...

13.03.2010 von Wolf_68: .

Als Ehrenrettung sei angemerkt, dass als einziges Blatt die Süddeutsche Zeitung unter Hans Leyendecker, einem ehemaligen "Spiegel-Mann", sich damals zurückhielt, was sich als richtig herausstellte. Leider haben , um [...] mehr...

13.03.2010 von Stefan D.: Danke -Teil 2

Fassen wir zusammen: Der Skandal wurde losgetreten von der Mutter des Jungen in unheilvoller Allianz mit der Bild-Zeitung (und möglicherweise noch anderen Medien, das habe ich hier nicht geprüft). SPON ist keineswegs auf den [...] mehr...

13.03.2010 von Stefan D.: Danke -Teil 1

Hmmm. Auch wenn das hier eigentlich nicht zum Thema gehört, habe ich mir das Archiv angeschaut. Ich erinnere mich dunkel an den Fall. Sicher kein Ruhmesblatt des Journalismus, soviel ist klar. Zu den Fakten: Initiiert [...] mehr...

13.03.2010 von Wolf_68: gern geschehen

Im sächsischen Sebnitz kam ein Junge im Hochsommer beim baden in einem vollen Freibad ums Leben. Auf Grund der Initiative der Mutter des Jungen kam eine mediale Lawine ins Rollen, in der behauptet wurde, Neonazis hätten das [...] mehr...

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