Von Philip Bethge, Katrin Elger, Jens Glüsing, Markus Grill, Veronika Hackenbroch, Jan Puhl, Mathieu von Rohr und Gerald Traufetter
Der Shoc Room wird inzwischen längst für andere Notfälle gebraucht. Hilfe für Haiti etwa wurde von hier aus koordiniert. Doch oft steht der Raum auch einfach leer.
Die Stimmung bei der WHO hat sich inzwischen merklich entspannt. Die Presseabteilung ist längst nicht mehr rund um die Uhr besetzt. Das Journalistenzelt auf dem Mitarbeiterparkplatz ist abgebaut. IT-Spezialist Jered Markoff kann wieder durchschlafen. Und der Grippe-Experte Keiji Fukuda ist froh, dass er sich wieder seinem Hobby, dem Cellospiel, widmen kann.
Was ist diese Pandemie also gewesen? Alles nur "eine gute Übung für den Ernstfall", wie es der WHO-Berater und Industrielobbyist Osterhaus formuliert? Haben die Behörden alles richtig gemacht, wie der australische Seuchenwächter John Mackenzie meint?
Sicher nicht. Niemand bei WHO, RKI oder PEI kann stolz auf sich sein. Diese Behörden haben kostbares Vertrauen verspielt. Denn wer wird ihren Einschätzungen bei der nächsten Pandemie jetzt noch Glauben schenken?
Vielleicht hätten sich alle ein Beispiel nehmen sollen an Ewa Kopacz, der polnischen Gesundheitsministerin. Die 53-Jährige ist von Beruf Ärztin und Mitglied der liberalen Bürgerplattform. Sie hat den Ruf, keinem Streit aus dem Weg zu gehen.
Als sie in der großen Impfstoffdebatte ans Rednerpult des Sejm trat, hatte sie ein knallrotes Kleid angelegt, eine Kampfmontur: "Als Ärztin ist mein oberster Grundsatz, niemandem zu schaden", sagte sie. Deshalb werde Polen sich gegen den Rest Europas stellen: "Wir werden keinen Impfstoff gegen die Schweinegrippe kaufen."
Die Volksvertreter murrten, doch Polens Gesundheitsministerin blieb hart: "Ist es meine Pflicht, Verträge zu unterschreiben, die im Interesse der Polen liegen oder im Interesse der Pharmakonzerne?"
Inzwischen blickt Europa neidisch auf ihre Standfestigkeit. Rund 170 Menschen sind in Polen an der Schweinegrippe gestorben, weitaus weniger, als die saisonale Grippe jedes Jahr dahinrafft.
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Auf dem Dorfplatz von La Gloria im Mexikanischen Hochland wurde inzwischen eine 1,30 Meter große und 70 Kilogramm schwere Bronzestatue errichtet - ein Abbild von Edgar Hernández, dem Wunderknaben, der die Schweinegrippe besiegte.
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© DER SPIEGEL 10/2010
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