Von Detlef Hacke
Gleich hinter der Boxenanlage ist sein Wohnmobil geparkt, groß wie ein Reisebus. Ein paar Meter weiter stehen, Seite an Seite, zwei silbern schimmernde Lastzüge des Mercedes-Teams. Metallgitter schirmen den Platz ab.
Schlafen, essen, arbeiten. Testfahrten bilden das Zwischenstadium der Formel 1. Sie finden fernab der Rennen und des Glamours statt, aber den Fahrern bieten diese 15 Tage im Februar eine Offenbarung: Sie probieren ihre neukonstruierten Wagen auf Tauglichkeit hin aus und entrosten ihre Reflexe. Nach dreimonatiger Winterpause oder, wie Schumacher, nach drei Jahren, einer Ewigkeit für einen Rennpiloten.
Gegen fünf Uhr abends steigt Schumacher aus und nimmt ruhig den knallroten Helm vom Kopf, während ein Dutzend Mechaniker um seinen verstummten Mercedes-Rennwagen herumwuselt. Schumacher stülpt die Schutzmaske herunter, ein gebräuntes, dezent faltiges Gesicht kommt zum Vorschein, die blondgesträhnten Haare sind etwas zerdrückt. Er krempelt den Overall vom Oberkörper herab und die Ärmel des feuerfesten Unterhemds hoch, mit dem linken Arm lehnt er sich auf einen Tisch, die rechte Hand stemmt er in die Hüfte. Mit ernster Miene schaut er auf eine Kette von Bildschirmen, auf denen Messdaten leuchten. Es ist nicht zu erkennen, ob er unzufrieden oder bloß konzentriert ist.
Schumacher braucht den Kick des Wettkampfs im Grenzbereich
Er befindet sich jetzt in einer Liga mit Muhammad Ali, Niki Lauda, Michael Jordan oder Lance Armstrong. Sie alle zog es in jene Welt zurück, in der sie gesiegt hatten und bejubelt wurden, als sie jünger waren, eine Welt also, in der es für sie eigentlich nur noch etwas zu verlieren gibt.
All die Bedenken hat Schumacher beiseitegewischt, die Warnungen, dass er zu viel riskiere mit 41 Jahren: seinen Ruf, seine Gesundheit, womöglich sogar sein Leben. Die Frage, warum er wieder Rennen fährt, ist schnell beantwortet: Er will es. Er braucht den Kick des Wettkampfs im Grenzbereich. Ihn habe "diese Fahr-Geilheit" ergriffen, so nennt er das.
Im Vorjahr war von der Krise der Formel 1 die Rede, Autokonzerne und Sponsoren stiegen aus, selbst etablierte Teams kämpften ums Überleben. So ging das, bis Schumacher sich kurz vor Heiligabend entschied, wieder einzusteigen. Seitdem wirkt der Formel-1-Zirkus wie die Wall Street, in der auf einmal die Boni wieder sprudeln. Die Fernsehsender spekulieren auf Rekordquoten und erhöhen die Werbepreise. Jedes Wort, jede Tat, jede Regung Schumachers wird zur Nachricht, in China, Amerika, der arabischen Welt, in Europa sowieso. Sponsoren wie das malaysische Mineralölunternehmen Petronas wechseln an Mercedes' Seite und auf Schumachers Brust, die Kartenvorverkäufe für die Rennen ziehen an.
"Es ist phantastisch", sagt Bernie Ecclestone, der Formel-1-Boss. "Magisch."
Der Schumacher-Effekt lässt sich noch kaum in Zahlen fassen, nicht, bevor in Bahrain das erste Rennen gefahren ist.
Aber es gibt Menschen, die ihn bereits deutlich spüren: weil sie an Schumachers zweiter Karriere mitarbeiten, weil ihr Geschäft davon profitiert, weil sie ihr Idol zurückbekommen. Oder weil sie in Schumachers Entscheidung die eigene Vergangenheit wiedererkennen. Wie Niki Lauda, der einzige Formel-1-Rennfahrer, der nach Rücktritt und Comeback noch einmal Weltmeister wurde.
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Immer wieder schön zu beobachten, wie manche den Namen Schumacher als Synonym für "Sozialschmarotzer" oder "Steuerflüchtling" benutzen. Regt Euch, die die Schumi als Steuerproblem sehen, doch lieber über die [...] mehr...
was soll eigendlich immer dieses dumme geschwätz mit dem steuerzahlen? sie bezahlen da ihre steuern wo ihr lebensmittelpunkt ist und da MS ganz jährig in der schweiz wohnt zahlt der seine steuern eben in der schweiz. due [...] mehr...
Zunächst wird es einen Risenhype um den von fast allen verehrten Rennfahrer geben und dann erst wird sich erweisen müssen, ob er die in ihn gesteckten Erwartungen nach Jahren der Abstinenz auch erfüllen kann. Ich habe da so [...] mehr...
Langweilig - da waren die Wagenrennen a la Ben Hur im Kampfwagen schon interessanter !Da konnte man seinen Konkurenten auch schon mal mit der Peitsche bearbeiten und die Pferde verschonen ! mehr...
Wenn das jetzt ironisch gemeint war, dann habe ich es wohl nicht mitbekommen. Ansonsten. Wie kann man solch einen hanebüchenen Unsinn verbreiten. Ich will mich jetzt nicht über die elektronischen Fahrhilfen der letzten Jahre [...] mehr...
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© DER SPIEGEL 10/2010
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