Von Samiha Shafy
Al-Saud trägt das traditionelle weiße Gewand und auf dem Kopf das rot-weiße Tuch. Er hat in den USA Agronomie und Wassermanagement studiert. Vor seiner Berufung ans Ministerium unterrichtete er an der King Saud University. Aus seinem Bürofenster blickt er auf ein Minarett, das sandbraun ist wie die meisten Gebäude in Riad. Eine Glocke aus Sand und Smog hängt über der Stadt, die einzigen beiden Wolkenkratzer verschwinden hinter gelbbraunen Staubwolken.
Getreide zu importieren, so der Vizeminister, sei eine vernünftige Alternative zum Ackerbau. Auch der Anbau von Grünfutter müsse reduziert werden. Eine weitere Alternative: Ackerland im Ausland erwerben. Unternehmer werden neuerdings dabei unterstützt, Land in anderen Staaten zu kaufen oder zu pachten. Ähnliche Pläne verfolgen auch andere arabische und asiatische Länder mit Wasserproblemen wie Qatar, die Emirate, Südkorea und China ( SPIEGEL 31/2009).
Saudi-arabische Investoren haben bereits Verträge mit mehreren Staaten abgeschlossen, darunter Äthiopien, der Sudan, Pakistan und die Ukraine. Pakistans Investitionsminister versicherte den Geldgebern unlängst, dass sie jederzeit 100 Prozent der Ernte exportieren könnten - selbst dann, wenn in Pakistan die Lebensmittel knapp würden.
"Eine umfassende Wasserstrategie entwickeln"
Im eigenen Land sollten Kleinbauern zur traditionellen Landwirtschaft zurückkehren und dürreresistente Dattelpalmen anpflanzen, fordert Al-Saud. Oder in Gewächshäusern Gemüse züchten, das sich teuer verkaufen ließe. "Der Preis müsste die Kosten von entsalztem Meerwasser decken", sagt er. "Denn das ist die einzige Alternative zum Grundwasser." Außerdem müssten die Bewässerungsanlagen effizienter werden; langfristig müsse jeder Wassertropfen recycelt werden.
Künftig will das Ministerium den Wasserverbrauch der Farmen in Echtzeit kontrollieren. "Wenn wir diese Daten in unsere neuen Grundwassermodelle einbauen", sagt Al-Saud, "lässt sich daraus eine umfassende Wasserstrategie entwickeln, die auch als Modell für andere Länder dienen könnte." Zufrieden lehnt er sich zurück und lächelt.
Randolf Rausch, der Geologe, soll demnächst vor dem Schura-Rat seine Forschungsergebnisse präsentieren. Er ist schon ein wenig aufgeregt. "Das ist eine große Ehre", sagt der Wasserfahnder, "aber auch eine große Verantwortung. Ein falsches Wort, und ich sitze im Flieger nach Hause."
Dattelanbau mit Vorbild-Funktion
Für die Berater des Königs will Rausch ein Computermodell entwickeln, das für jeden Ort im Land berechnen kann, wo sich die nächsten Wasservorräte befinden, wie groß sie sind und wo es am günstigsten ist, einen Brunnen zu bauen.
Wie die Zukunft der saudi-arabischen Landwirtschaft aussehen wird, lässt sich auf der Al-Faisaliya-Farm südlich von Riad besichtigen. Der Weg dorthin führt durch die Wüste, vorbei an riesigen Weizenfeldern, über denen Sprinkleranlagen kreisen.
Der Besitzer der Al-Faisaliya-Farm jedoch, Hamad Abdulaziz Alkhaldi, genannt Scheich Abu Naif, hat den Weizenanbau schon vor Jahren aufgegeben und sich auf Datteln spezialisiert. Nun ist er plötzlich zum Vorbild geworden.
Der Scheich, traditionell gekleidet und schnauzbärtig, bittet in sein Büro. Ein Angestellter serviert Kardamom-Kaffee, Tee, Datteln und ein Schälchen mit Wasser für die klebrigen Finger. "Die Dattelpalme ist eine geduldige Pflanze", sagt Alkhaldi und lächelt. "Sie passt am besten in unser Klima."
Die Geschäfte laufen gut: Der Scheich besitzt 26.000 Dattelpalmen. Kürzlich war er in Düsseldorf und hat dort in den Läden Datteln begutachtet: Sie seien unfassbar teuer, klein und von lausiger Qualität gewesen. "Tunesische Datteln", sagt Abu Naif verächtlich und schüttelt den Kopf. "Unsere sind viel besser."
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© DER SPIEGEL 11/2010
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