Von Fabian Klask und Markus Verbeet
Wenn es schlecht läuft, dann bekommt Friederike Rass bald mehr Geld. Die Bundesregierung will ihr, Monat für Monat, 300 Euro schenken.
Die Studentin hat eine Online-Petition mitinitiiert und bereits 2700 Unterstützer gewonnen, darunter viele Stipendiaten. Es ist der ungewöhnlichste Protest gegen ein ohnehin umstrittenes Vorhaben der Bundesregierung. In der nächsten Woche will die schwarz-gelbe Koalition, neben einer Erhöhung des Bafög, ihr Stipendienprogramm beschließen - ein Renommierprojekt der Regierung auf dem Weg in die oft beschworene "Bildungsrepublik Deutschland", wie sie unter anderem im Koalitionsvertrag ausgerufen wird.
Bundesweit sollen zehn Prozent der Studenten ein Stipendium von 300 Euro im Monat bekommen. Das wären sehr viele neue Stipendiaten, denn bisher werden nur rund zwei Prozent der Studierenden unterstützt. Viele erhalten lediglich 80 Euro Büchergeld im Monat. Damit sie nicht schlechterstehen als die neuen Stipendiaten, sollen alle künftig 300 Euro erhalten - ob sie wollen oder nicht.
"Andere brauchen das Geld dringender"
Dass nun einige Stipendiaten den Plan kritisieren, ist selbst für gewiefte Politiker eine neue Erfahrung. Sie sind es gewohnt, dass Bürger zetern, weil sie etwas abgeben sollen, oder dass Oppositionspolitiker meckern, weil sie nun mal in der Opposition oder tatsächlich anderer Meinung sind. Aber dass einer protestiert, der profitiert?
Kritik an dem Geldgeschenk gibt es mittlerweile in mehreren der zwölf großen Begabtenförderungswerke. Stipendiatenvertreter der Friedrich-Ebert-, Heinrich-Böll- und Rosa-Luxemburg-Stiftung mahnten in einer gemeinsamen Stellungnahme, mit dem Geld besser "Kindern aus einkommensschwachen Familien den Weg zur Hochschule zu erleichtern". Die drei Stiftungen stehen den Oppositionsparteien SPD, Grüne und Linke nahe, der Protest ihrer Stipendiaten schmerzt die Regierung daher vielleicht nicht zu sehr.
Doch selbst in der elitärsten aller Stiftungen formiert sich Widerstand. Einige Stipendiaten der Studienstiftung des deutschen Volkes, die sich nur der Geisteskraft und keiner Partei verbunden fühlt, wehren sich gegen das höhere Büchergeld. "Andere brauchen das Geld dringender", sagt Isabella Weber. Die 22-jährige Berlinerin findet es unfair, dass die Stipendiaten 220 Euro im Monat mehr bekommen sollen, "während das Bafög gerade mal um zwei Prozent steigen soll".
Die Spitzenstudenten diskutieren bereits ultimative Formen des Verzichts, etwa das Büchergeld in einen Fonds für arme Studenten oder für Kinder aus Migrantenfamilien umzuleiten. Dem Generalsekretär der Studienstiftung Gerhard Teufel wurde bei so viel Protest wohl etwas mulmig, in einem Brief bittet er seine Stipendiaten darum, "bei öffentlichen Äußerungen nur im eigenen Namen zu sprechen".
Profitieren nur Söhne und Töchter aus besseren Häusern?
Die Kritik der Studenten trifft die Regierung an einer empfindlichen Stelle. Die Stipendienpläne, die auf einem Modell des FDP-Ministers Andreas Pinkwart in Nordrhein-Westfalen beruhen, sind ihr sehr wichtig. Sie versprechen, was in der Bildungspolitik nur schwer zu erreichen ist: schnelle und sichtbare Effekte.
Kritiker befürchten, dass bei den neuen Stipendien diejenigen profitieren, die schon bisher im Vorteil sind: die Söhne und Töchter aus besseren Häusern. Geplant ist, dass der Staat - Bund und Länder - die eine Hälfte der Kosten übernimmt. Für die andere Hälfte müssen die Hochschulen private Förderer gewinnen.
Bei der Stipendienvergabe "sollen auch besondere soziale, familiäre oder persönliche Umstände berücksichtigt werden", heißt es aus dem Bundesbildungsministerium. Doch jede Hochschule kann frei entscheiden. Dabei mehr als nur die Note zu berücksichtigen könnte sie überfordern - zumal noch ungeklärt ist, wie die Verwaltungen die aufwendige Akquise der Sponsoren und die Auswahl der Stipendiaten stemmen sollen.
Zumindest einige Studenten werden wohl versuchen, die Entscheidung der Politiker zu korrigieren: indem sie das Geld bedürftigen Kommilitonen zur Verfügung stellen. Wie verbreitet Altruismus unter angehenden Akademikern ist, weiß niemand. Als Anhaltspunkt können Erfahrungswerte der Universität Mannheim dienen. Die Uni erlässt den Jahrgangsbesten die Studiengebühr und appelliert gleich im Glückwunschschreiben an die Spitzenstudenten, das Stipendium armen Kommilitonen zu überlassen, wenn sie es selbst nicht benötigen. Im letzten Jahr verzichteten 9 von 154 Studenten.
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Ich kenne das System der Stipendien hier in Deutschland nicht sehr gut. In Rumänien war es so, dass ca. 30% der Stundenten Stipendien bekommen haben. Das UNabhängig vom Einkommen der Eltern. Nur nach Leistung (Noten). Die [...] mehr...
wer zeit und förderung hat hat gute noten, wer gute noten hat, bekommt leitungsstipendien, dadurch hat er auch mehr zeit, denn er muss ja nicht arbeiten ... wer arbeiten muss (vielleicht schon als schüler, samstags, vieleicht [...] mehr...
Offensichtlich gibt es hier ja auch andere Stipendiaten, die die Erhöhung begrüßen. Zu den Leuten, die sagen: Geh doch arbeiten! habe ich folgendes zu sagen: In die Studienstiftung oder jede andere Stiftung wird man nur [...] mehr...
Ich wäre auch dafür, ALLEN Studenten ein elternunabhängiges Bafög zu zahlen; so etwas gibt es meines Wissens in Dänemark. Bei den Begabten-Stipendien geht es aber um etwas anderes: Wie kann man Studenten zu Höchstleistungen [...] mehr...
Es geht doch nicht darum, dass diejenigen, die ein Stipendium kriegen, keins kriegen sollten. Aber es ist langfristig gedacht - was viele leider nicht tun - am sinnvollsten und Gewinnbringendsten für die Gesellschaft möglichst [...] mehr...
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