Der Berg schien ihr gewogen. Der Berg, der bei den Hindus "Göttin der Fülle" heißt, 8091 Meter hoch, zehnthöchster Gipfel der Erde. Der Berg auch, an dem im Verhältnis zur Zahl der Besteigungen mehr Kletterer ums Leben kommen als an jedem anderen Achttausender. Die Annapurna.
Und so brach Pasaban mit den Mitgliedern ihrer Expedition auf, um über die Nordflanke den Gipfel zu erreichen. Doch sie kam nur bis auf 6300 Meter Höhe. Anders als prognostiziert blies der Wind mit Geschwindigkeiten von bis zu 70 Kilometer pro Stunde: Weiterklettern war unmöglich, Pasaban musste wieder runter ins Base Camp.
Das war am vorvergangenen Samstag.
Vier Tage später stieg die Spanierin erneut in die zerklüftete Nordflanke ein, in der herabstürzende Eistürme und Lawinen die Kletterer bedrohen wie auf kaum einer anderen Route im Himalaja. Am Samstag schließlich hatte sie den Berg bezwungen. Es war ihr 13. Achttausender.
Wer wird die Erste sein, die alles gewinnt?
Nach diesem Erfolg strebt die Rekordjagd dreier Profibergsteigerinnen, die Alpinisten weltweit fasziniert verfolgen, ihrem Höhepunkt entgegen. Es geht um eine der letzten Pionierleistungen des Extremklettersports: die Besteigung aller 14 Achttausender durch eine Frau.
Wer wird die Erste sein, die alles gewinnt: Geld, Ehre, Ruhm? Die Südkoreanerin Oh Eun Sun? Edurne Pasaban? Oder die Österreicherin Gerlinde Kaltenbrunner? Der Südtiroler Reinhold Messner, der 1986 als erster Mensch überhaupt sämtliche Achttausender bezwungen hatte, wurde durch seine epochale Leistung zur Ikone des Bergsteigens. Sein hartnäckigster Widersacher, der 1989 am Lhotse verunglückte Pole Jerzy Kukuczka, kam erst ein Jahr nach Messner ans Ziel - sein Name geriet in der Öffentlichkeit schnell wieder in Vergessenheit.
Pasaban fehlt der Shisha Pangma, während Kaltenbrunner noch den Mount Everest und den K2 bewältigen muss.
"Das ist kein Wettkampf, es ist mein Leben!"
Kaltenbrunner, die im badischen Städtchen Bühl lebt, hat wegen ihres schwierigen Restprogramms wohl nur noch Außenseiterchancen. Selbst wenn ihr im Frühjahr wie geplant mit ihrem Mann Ralf Dujmovits die Besteigung der Mount-Everest-Nordwand gelingen sollte, kann sie frühestens im Juli auf den K2. Gegen ihr kühnes Vorhaben spricht zudem die Statistik: Bis heute hat keine Frau den Versuch überlebt, die zwei höchsten Gipfel der Erde in einer Saison zu besteigen.
Jahrelang galten Pasaban, 36, und Kaltenbrunner, 39, als die Kandidatinnen, denen Experten eine Besteigung sämtlicher Achttausender am ehesten zutrauten. Die beiden Frauen schätzen sich und vermeiden es bei Interviews, von einem Wettlauf zu sprechen oder sich als Konkurrentinnen zu bezeichnen.
"Bergsteigen ist für mich kein Wettkampf, es ist mein Leben", sagt Gerlinde Kaltenbrunner, gelernte Krankenschwester. Pasaban, die einen Abschluss als Ingenieurin gemacht hat, ehe sie ein Marketingstudium anschloss, betont: "Mein Leben steht auf dem Spiel, jeder Schritt im Himalaja kann mein letzter sein, da wäre ich doch wahnsinnig, wenn ich mich zu irgendetwas drängen lassen würde."
Vor allem Kaltenbrunner erweist sich als Puristin des Hochgebirgskletterns, sie ist ausschließlich im Alpinstil unterwegs: ohne die Zufuhr von Sauerstoff; ohne Fixseile, die an den gefährlichen Passagen ins Eis oder in den Fels getrieben werden; und ohne die Hilfe von Sherpas. Alles was sie braucht, trägt Kaltenbrunner selbst auf dem Rücken.
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Ich wuerde sagen, im Interesse der Gleichberechtigung von Mann und Frau messen wir einfach, welche Menschen als erste alle achttausender beschritten haben. Und das ist bekanntlich schon lange geschehen. "Ein kleiner Schritt [...] mehr...
ich glaube ja nicht, dass Ms. Oh tatsächlich überall ganz oben war, insbesondere am Kantsch. Die Diskussion ist zwar alt, sie gab es schon bei Reinhold Messner, aber der konnte doch relativ schlüssig beweisen, dass er auch bei [...] mehr...
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© DER SPIEGEL 16/2010
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