Von Dialika Krahe
Der Tag, an dem ihn Nollywood fast umgebracht hätte, beginnt für Dickson Iroegbu mit einer wichtigen Entscheidung: weitermachen wie bisher, weiter zusehen, wie sie ihre Trash-Filme drehen und sich gegenseitig das Geld zuscheffeln? Oder: einen Anzug anziehen, Nadelstreifen, und diesen Mafiosi sagen, dass es so nicht geht?
Vor ihm stehen die Damen und Herren mit ihren dicken Sonnenbrillen, ihren Anzügen, ihren Blackberries. Dickson Iroegbu, ein zierlicher Mann, hellbraune Haut, Brille, greift ihre Hände, schüttelt sie, sagt: "Let's make Nollywood happen", sagt, "wir brauchen hier keine Politik", ruft, "warum geht ihr nicht endlich zurück an die Arbeit? Schluss mit der Gier, Schluss mit den Machtspielen". Die Filmemacher schütteln den Kopf, verachten, ignorieren ihn, manche sagen, er solle verschwinden.
Als Iroegbu die Veranstaltung verlässt, hat jemand an seinem schwarzen SUV die Muttern vom linken Vorderrad geschraubt. Er verliert es in voller Fahrt. Kratzer am Wagen, Kratzer an der Stirn, es ist nur ein Zufall, dass ihm nichts Schlimmeres passiert. Neulich sei er vermöbelt worden, sagt Iroegbu. Und dann: "Willkommen im wunderbaren Nollywood."
Nollywood, so nennt sich die riesige, pulsierende Filmindustrie in Nigeria, die von der Unesco nach Bollywood, gemessen an der Zahl der produzierten Filme, zur zweitgrößten Filmindustrie der Welt erklärt wurde. Die Hollywood überholte, ohne dass es die Welt überhaupt bemerkte. Mit Filmen über Familie, Liebe, Ehre. Filmen über Aids, Prostitution und Öl. Über Geister und Kannibalen.
Mit Filmen über Afrika.
Mindestens 900 Filme werden jedes Jahr in Nigeria produziert, doppelt so viele wie in Hollywood. Ein 200-Millionen- Dollar Geschäft in einem Land, in dem noch immer 70 Prozent der Bevölkerung von weniger als einem US-Dollar am Tag leben, in dem mit Glück zwei Stunden am Tag Strom zur Verfügung steht und das Abwasser in offenen Kanälen durch die Straßen rinnt. Einem Land, das in der Welt bekannt ist für Korruption, für Internetbetrug, Prostitution, Öl - aber bestimmt nicht für seine Filmkultur.
Dickson Iroegbu hat sich in den Kopf gesetzt, das zu ändern. Er will verhindern, dass die Korruption Nollywood ergreift und erwürgt, wie es in fast allen Branchen geschieht. Er will Nollywood sichtbar machen für die Welt, will Qualität beschwören, Kreativität.
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mag so im vergleich stimmen, sie berücksichtigen dabei die umstände nicht, unter denen in nigeria gedreht wird. ein großer teil des geldes fliesst in sicherheit (korruption, schutzgeld), sonst ist kein dreh möglich und kein [...] mehr...
trashig diese produktionen für hightech3D-abgestumpfte augen auch sein mögen, in nigeria sind die, genau wie die hitproduktionen einheimischer musiker, absolut kultig. diese filme unterhalten und bewegen die massen durch alle [...] mehr...
Warum sollten sich denn Nigerianer auch Hollywoodfilme anschauen und , die an ihrer Lebenswirklichkeit (und an ihrem Geschmack) völlig vorbeigehen? Übrigens: ---Zitat--- Im Schnitt kostet ein Nollywood-Film 20.000 [...] mehr...
mal wieder ein interessanter Artikel anstelle der ständigen Nabelschau. Der Planet hat noch andere Ecken als USA, EU, China - und er bewegt sich. Die Berichte über Afrika lassen ja seit Jahren stark nach, wir haben [...] mehr...
Meine Frau ist aus Nigeria und liebt diese Filme über alles. Als Europäer finde ich diese Produktionen eher trashig und technisch total mau. Thematisch sprechen die Produktionen immer afrikatypische soziale Fragen an, deren [...] mehr...
© DER SPIEGEL 16/2010
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