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Ausgabe 16/2010
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Kriminalität "Die Schule soll bezahlen"

Amokläufer von Ansbach: Düstere Phantasien
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2. Teil: "Schul-Amokläufer sind keine normalen Jugendlichen"

Die Staatsanwaltschaft sieht R. durch seine Persönlichkeitsstörung zwar in seiner Schuldfähigkeit gemindert, das Unrecht seines Handelns sei ihm jedoch klar gewesen. Es "steht zu erwarten, dass er infolge seines Zustandes weitere erhebliche rechtswidrige Taten begehen wird", heißt es in der Anklageschrift. "Er ist deshalb für die Allgemeinheit gefährlich."

Neben der maßlosen Überhöhung seiner eigenen Persönlichkeit fällt vor allem R.s Mangel an Empathie auf. Seine Tat hat er Gutachter Trott gestanden. Aber von Reue, von Mitleid seinen Opfern gegenüber, fehlt bislang jede Spur.

Der US-Psychologe Peter Langman hat Täter von Schulmassakern begutachtet und Aufzeichnungen, etwa der Columbine-Attentäter, ausgewertet. Einen Mangel an Empathie, wie er auch bei Georg R. diagnostiziert wurde, hält Langman für "ein signifikantes Merkmal aller Amoktäter". Auch dass R. sein Umfeld als minderwertig wahrnahm, scheint symptomatisch: "Es ist leichter, Menschen zu töten, wenn man sie nicht nur als anders, sondern als 'untermenschlich' betrachtet."

Langman unterteilt die Schul-Amokläufer in drei Gruppen: psychotische, traumatisierte und psychopathische. Der Experte konstatiert: "Schul-Amokläufer sind keine normalen Jugendlichen. Es sind Jugendliche mit schweren psychischen Störungen. Diese Tatsache wird oft übergangen oder bagatellisiert."

Die Frage, ob die Tat von Georg R. zu verhindern gewesen wäre, quälte in den Tagen danach nicht nur Ermittler, Lehrer und Mitschüler, sondern auch die Familie von Georg R. Wollte der Sohn, der Bruder gestoppt werden? Hinterließ er aus diesem Grund auf seinem Schreibtisch seinen aufgeschlagenen Schülerkalender von Kaufhof? Auf den linierten Seiten, verziert mit kitschigen Sternchen und Hirschen, hatte er am Tattag die Botschaft eingetragen: "Apocalypse today".

"Alles dringt nur schwer zu mir durch"

Ursprünglich hatte der Schüler das Massaker für den Vortag geplant, bekam dann aber beim Basteln der Brandsätze Schwierigkeiten und verschob die Tat kurzerhand. Doch schon unter dem 16. September hinterließ R. eine beunruhigende Botschaft: "Alles dringt nur schwer zu mir durch. Ist das das Schlafmittel, das doch noch wirkt? Kann mich kaum konzentrieren. Nehme nicht viel von dem wahr, was Menschen mir sagen. MUSS ES BEENDEN!"

Im Blut von R. fand die Polizei jedoch nach der Tat keine Spuren von Medikamenten oder Drogen. Allerdings hatte der Schüler am Morgen des Attentats größere Mengen Tabak geschluckt, wohl um sicherzugehen, die Tat auch dann nicht zu überleben, wenn die Kugeln der Polizei ihn verschonen würden.

Seine verstörenden Briefe an eine gewisse "Summer" hatte R. offenbar niemandem gezeigt und später gelöscht. Einen Familientherapeuten, bei dem er in Behandlung war, will er nur belogen haben, prahlt er in einem Schreiben. Die Polizei glaubt, dass es sich bei "Summer" möglicherweise um die amerikanische Seriendarstellerin Summer Glau handelt.

Die Eltern von Georg R. haben bislang von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch gemacht. Interessant scheint jedoch die Tatsache, dass es wohl - wenn auch unbewusst und indirekt - dem Vater von Georg R. zu verdanken ist, dass es am 17. September keine Toten gab. Denn er, bei dem Georg R. zuletzt wohnte, war jahrzehntelang als Sportschütze in einem Verein aktiv gewesen. Seine Waffen und die Waffenbesitzkarte hatte der Frühpensionär jedoch bereits vor längerer Zeit zurückgegeben.

Ob Georg R. davon wusste oder nicht, ist bislang nicht abschließend geklärt. Fest steht auf jeden Fall, dass Georg R., der "Summer" auch von schwerbewaffneten Amoktätern wie Robert Steinhäuser und Tim Kretschmer erzählte, für sich selbst keine Chance sah, an Schusswaffen zu gelangen.

Der Rechtsanwalt Bernd Hönicka, der den Angeklagten vor Gericht vertritt, will sich vor dem Prozess nicht äußern. Er hat jedoch beim Landgericht beantragt, die Öffentlichkeit bei dem Verfahren auszuschließen.

Davon hält der Leitende Oberstaatsanwalt Gerhard Karl wenig. "Selbstverständlich müssen die Persönlichkeitsrechte des Angeklagten gewahrt werden", sagt Karl. Georg R. habe mit seiner Tat jedoch nicht nur seine Schule, sondern eine ganze Stadt bedroht. "Ein Prozess soll auch zur Verarbeitung einer solchen Tat beitragen. Die Öffentlichkeit hat daher ein Recht auf ein transparentes Verfahren."

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insgesamt 54 Beiträge
Core Dump 21.04.2010
...Counterstrike ist Schuld. Huch, hatte der Taeter etwa mit 3D-Shootern gar nicht sonderlich viel am Hut? Ich dachte Computerspiele sind an Amoklaeufen Schuld, zumindest erzaehlen die (Lokal- und Provinz-)Politiker das immer. [...]
...Counterstrike ist Schuld. Huch, hatte der Taeter etwa mit 3D-Shootern gar nicht sonderlich viel am Hut? Ich dachte Computerspiele sind an Amoklaeufen Schuld, zumindest erzaehlen die (Lokal- und Provinz-)Politiker das immer. Kann es sein das das Problem ganz woanders liegt?
georg_müller 21.04.2010
Der Grund, das sowas immer wieder passiert liegt ja ganz klar an Killerspielen, Black Metal und den Songtexten von Bushido. Mit Demütigungen, Versagensängsten, Mobbing oder Bullying können solche Vorfälle eigentlich nix zu tun [...]
Der Grund, das sowas immer wieder passiert liegt ja ganz klar an Killerspielen, Black Metal und den Songtexten von Bushido. Mit Demütigungen, Versagensängsten, Mobbing oder Bullying können solche Vorfälle eigentlich nix zu tun haben. Eindrucksvoll wird so eine Geschichte in "Rückkehr ins Kinderseelen-KZ" geschildert. Vielleicht helfen ja Ganztagsschulen. Dann haben die Kinder nicht soviel Freizeit um auf dumme Ideen zu kommen.
distributer 21.04.2010
ein sehr guter Artikel und auch sehr objektiv gehalten. Mich wuerden auch die wahren Gruende fuer solche Taten interessieren. Was in diesem Artikel einmal anders ist als sonst: 1. nichts ueber Counterstrike oder andere [...]
ein sehr guter Artikel und auch sehr objektiv gehalten. Mich wuerden auch die wahren Gruende fuer solche Taten interessieren. Was in diesem Artikel einmal anders ist als sonst: 1. nichts ueber Counterstrike oder andere "Killerspiele", die einen Mitschueler toeten lassen 2. nichts ueber das Internet und/oder "Suizid subersiven" Untergrundorganisationen
amb1 21.04.2010
Doch SPON konnte es nicht lassen: Zitat aus dem Artikel: "Interessant scheint jedoch die Tatsache, dass es wohl - wenn auch unbewusst und indirekt - dem Vater von Georg R. zu verdanken ist, dass es am 17. September keine [...]
Zitat von sysopMit Molotowcocktails und einem Beil wollte der Schüler Georg R. an seinem Gymnasium in Ansbach möglichst viele Menschen töten. Jetzt muss sich der Amokläufer vor Gericht verantworten. http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,690145,00.html
Doch SPON konnte es nicht lassen: Zitat aus dem Artikel: "Interessant scheint jedoch die Tatsache, dass es wohl - wenn auch unbewusst und indirekt - dem Vater von Georg R. zu verdanken ist, dass es am 17. September keine Toten gab. Denn er, bei dem Georg R. zuletzt wohnte, war jahrzehntelang als Sportschütze in einem Verein aktiv gewesen. Seine Waffen und die Waffenbesitzkarte hatte der Frühpensionär jedoch bereits vor längerer Zeit zurückgegeben." Hier wird erstens mal wieder indirekt unterstellt, dass 1. ansonsten der Sohn ungehinderten Zugang zu Schusswaffen gehabt hätte, deswegen ja auch die laut PKS im Subpromille liegende Zahl von Straftaten mit legalen Schusswaffen, Amokläufe mit Schusswaffen in Deutschland sind übrigens auch an einer Hand abzuzählen, und das bei alleine 2 1/2 Millionen legalen Waffenbesitzern, von den Millionen Haushalten in Deutschland mit illegalen Schusswaffen mal ganz abgesehen; 2., und das finde einfach schon fast "kriminell", die durch diese Aussage getätigte Verharmlosung von Brandbeschleunigern und vor allem Stichwaffen. Letztes Wochenende ist in Marl gerade wieder ein Jugendlicher durch eine Stichverletzung umgebracht worden, auch ohne Schusswaffe. Die Verletzung und Tötung durch Stichwaffen unter Jugendlichen ist das Problem Nr.1 in Deutschland, nicht der Besitz von Schusswaffen. Wann wird das endlich mal von den Medien thematisiert? Und wann wird endlich mal die einfache Frage gestellt, warum es in den 70er und 80ern keine Amokläufe von Jugendlichen mit Schusswaffen gab, obwohl die Waffen damals oftmals offen in den Wohnungen rumlagen? Ist das vielleicht eher eine "Modeerscheinung" der jetzigen jungen Generation? Wann wird das Thema Amoklauf endlich mal in der Öffentlichkeit sachlich und ehrlich diskutiert, um zukünftige Amokläufe zu vermeiden. Sind Schusswaffen endlich in privater Hand verboten, ändert sich nichts. Der Artikel sagt es ja genau so. Dann werden halt andere Mittel eingesetzt. Übrigens, der Besitz von Schusswaffen war eine Errungenschaft der bürgerlichen Revolution, schon vergessen?
john mcclane 21.04.2010
Ist das Ihr Ernst? Das kann ja wohl nicht wahr sein! Sie behaupten also allen Ernstes, das es bei Kindern und Jugendlichen keine psyschischen Macken verursacht, wenn man sie über Jahre Tag für Tag systematisch ausgrenzt und [...]
Zitat von georg_müllerDer Grund, das sowas immer wieder passiert liegt ja ganz klar an Killerspielen, Black Metal und den Songtexten von Bushido. Mit Demütigungen, Versagensängsten, Mobbing oder Bullying können solche Vorfälle eigentlich nix zu tun haben.
Ist das Ihr Ernst? Das kann ja wohl nicht wahr sein! Sie behaupten also allen Ernstes, das es bei Kindern und Jugendlichen keine psyschischen Macken verursacht, wenn man sie über Jahre Tag für Tag systematisch ausgrenzt und erniedrigt? Wenn sie nach der Rückgabe von Klassenarbeiten auf dem Schulhof ausgelacht werden, weil sie wieder nur ne FÜnf haben? Wenn sie morgens ins Klassenzimmer kommen, und jeder sagt: "Da kommt der Idiot"? Wenn die Mistsau, die links und rechts von ihnen sitzt, bei jeder sich bietenden Gelegenheit die Schulsachen wegzieht (Taschenrechner in Mathe, Stift in Deutsch, etc.). Wenn sie im Sportunterricht Absichtlich in keine Mannschaft gewählt werden, vom Lehrer nachher zwangsweise in eine Mannschaft gesteckt werden, und diese im Chor aufstöhnt? Ich könnte hier noch tagelang sitzen und solche Beispiele aufzählen und ich wär dann noch lange nicht fertig. Solche Erlebnisse generieren puren Hass auf die Akteure. "Black Metall" (jou, de fiesen Satanisten dürfen ja nie fehlen) kann in einigen Fällen als Verstärker wirken, aber der Auslöser ist er definitiv nicht. Und kommen Sie mir nicht mit Ihrer Lebenserfahrung oder ähnlichem Stuß, ich weiß nämlich verdammt noch mal, wovon ich rede...
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Gymnasium Carolinum in Ansbach
Das Gymnasium Carolinum im mittelfränkischen Ansbach ist laut eigenen Angaben das zweitälteste staatliche Gymnasium in Bayern. Gründungsjahr ist 1528, im Jahr 2003 feierte das Gymnasium sein 475-jähriges Bestehen. Die zentral in der Altstadt gelegene Schule hat rund 600 Schüler sowie einen sprachlichen und einen musischen Schwerpunkt; im Schuljahr 2006/07 wurde die verkürzte Abiturzeit G8 eingeführt.





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