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Ausgabe 17/2010
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26.04.2010
 

Internet

Googeln in fremden Zungen

Von Philip Bethge

Informatiker Och: Ein Affront für jeden LinguistenZur Großansicht
Clay McLachlan / Aurora

Informatiker Och: Ein Affront für jeden Linguisten

Ein deutscher Forscher hat eines der ersten alltagstauglichen Übersetzungsprogramme entwickelt. Brachiale Rechenkraft verhilft der Google-Software zu verblüffend guten Ergebnissen.

Es ist ein gutes Zeichen, wenn der Schöpfer einer Software diese auch endlich selbst benutzt. In Japan war Franz Och jüngst auf Reisen. Im Restaurant zückte er sein Handy und entschlüsselte die Speisekarte. Auch Lokalnachrichten las er ohne Mühe. Denn die Übersetzungen erhielt er in Sekunden.

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Seit sechs Jahren entwickelt der 38-Jährige im Google-Hauptquartier im kalifornischen Mountain View das Übersetzungsprogramm "Google Translate", "und bislang habe ich es eigentlich nie wirklich selbst benutzt", räumt Och ein. Doch nun der Sinneswandel: "Ich bin sehr glücklich über das, was wir erreicht haben."

Der Deutsche ist der heimliche Star einer Software-Branche, die kein geringeres Ziel hat, als die globalen Sprachbarrieren einzureißen. Och ringt für Google mit Schachtelsätzen, Konjunktiven und Hilfsverben. Das Resultat ist ein Affront für jeden Linguisten. Denn nicht Sprach-Know-how, sondern brachiale Rechenkraft erlaubt die maschinelle Dolmetscherei.

52 Sprachen beherrscht das System bereits. Die Datenbanken für 296 weitere sind gleichsam im Rohbau. Unter ihnen finden sich Exoten wie Sardisch, Westfriesisch oder Zulu.

"Maschinelle Übersetzung ist auf einer neuen Stufe angekommen"

Komplette Internetseiten, Diplomarbeiten, selbst Liebesbriefe übersetzt "Google Translate" im Handumdrehen - und liefert dabei oftmals verblüffend brauchbare Ergebnisse. Für Google liegt der Nutzen auf der Hand: Noch mehr Internetsurfer als bislang lassen sich mit einer derart nützlichen und zudem kostenlosen Anwendung auf die Website der Firma locken.

"Maschinelle Übersetzung ist auf einer neuen Stufe angekommen", schwärmt Och, "die Leute setzen unser Programm inzwischen massiv ein; die Software hat die reale Welt erreicht."

"Was Google hier macht, ist sehr beeindruckend", bestätigt Alon Lavie von der Carnegie Mellon University in Pittsburgh. Der Informatiker sieht die gesamte Branche in Bewegung. Der Markt für Übersetzungssoftware wachse rapide: "Es sind sehr aufregende Zeiten."

Die Epoche der maschinellen Übersetzung ist angebrochen. Programme wie "Google Translate" weisen den Weg in eine Zukunft, in der jedermann auf Knopfdruck in fremden Zungen sprechen kann. Das ultimative Ziel der Sprachtüftler ist eine elektronische Version jenes Babelfischs, den der britische Autor Douglas Adams in seinem Science-Fiction-Klassiker "Per Anhalter durch die Galaxis" erfand: Ins Ohr eingesetzt, übersetzt die blutegelartige Kreatur jede Sprache simultan. Selbst die krude Poesie der Vogonen kann Romanheld Arthur Dent verstehen.

"Wörter haben häufig mehrere Bedeutungen, und die Zahl der Kombinationen ist schier unendlich"

So weit haben es die Entwickler in der Realität zwar noch nicht gebracht. Doch schon gibt es iPhone-Apps wie "Jibbigo", das gesprochenes Englisch wieselflink ins Spanische übersetzt. Schöpfer der Software ist Alex Waibel, Informatiker an der Universität Karlsruhe und an der Carnegie Mellon University. Waibel lässt bereits viele seiner Vorlesungen von Rechnern simultan übersetzen. Auch an Parlamentsdebatten testete er die Technik schon.

Dabei war der Dolmetscher aus dem Computerlabor lange ein kühner Traum. Woher etwa soll die Maschine wissen, dass beim Englischen "breaking records" keine Schallplatten zerdeppert werden? In dem Satz "wir treffen uns im Schloss" wiederum muss die Software die Vokabel "Schloss" mit "castle" übersetzen und keinesfalls mit "lock" (Türschloss), was offensichtlich ziemlicher Blödsinn wäre.

Lange Zeit versuchten die Informatiker, den Programmen derlei Weltwissen über ein komplexes Regelwerk einzubimsen. Doch selbst bei tadellos formulierten Texten geriet die Software oftmals in fröhliches Delirieren. Einen "Alptraum" nennt etwa Swamy Viswanathan von der US-Firma Language Weaver den Versuch, beispielsweise die englische Sprache mit all ihren Nuancen in Regeln zu pressen. "Wörter haben häufig mehrere Bedeutungen, und die Zahl der Kombinationen ist schier unendlich", klagt Viswanathan.

Die Experten von Language Weaver verfolgten daher schon früh ein anderes Konzept. Sie fütterten ihre Systeme mit unzähligen Texten aus dem Internet, die bereits mehrsprachig vorlagen. Der Ansatz der Spezialisten: Fast jeder Satz, jede Phrase ist längst mehrfach übersetzt worden. Reine Statistik reicht daher aus, um ein Sprachkonstrukt zu entschlüsseln.

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insgesamt 93 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
10.05.2010 von Eiermann: .

Hierbei handelt es sich im Gegensatz zu früheren viel schlechteren Ergebnissen aber nur noch um Ausdrucksschwächen. Der Inhalt wird voll erkennbar. Ich habe die Übersetzungsfunktion schon bei mehreren längeren Texten probiert [...] mehr...

09.05.2010 von wviebahn: "Google Translate" übersetzt sich selbst schlecht

Sicherlich ist "Google Translate" hilfreich, aber die Übersetzung des Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ist nur deswegen perfekt, weil sie in Googles Datenbank ist, also gar nicht übersetzt zu werden [...] mehr...

02.05.2010 von Claudia_D: .

Danke für Ihren Beitrag, mit dem Sie es so auf den Punkt bringen, besser als ich es kann. Um es den Programmierern zu verdeutlichen, hier ein aktuelles Beispiel aus der Praxis. Ich beiße mir bereits seit 30 Minuten die Zähne [...] mehr...

01.05.2010 von peko06: Google Translate verwendet Englisch als Interlingua

Das hat wohl damit zu tun, dass Google Translate (laut http://www.linguatools.de/blog/?p=102) immer über den Zwischenschritt Englisch übersetzt. Wenn Sie z.B. Deutsch->Spanisch auswählen, dann übersetzt Google intern erst [...] mehr...

30.04.2010 von Th1drek: Und was jetzt?

Aber auch die Linguistik entwickelt sich weiter, sodass die CL immer weiter Konzepte übernehmen und umsetzen kann. Noch können besonders pragmatische Phänomene(im Sinne der Pragmatik) nicht adäquat übersetzt werden, aber in [...] mehr...

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