Von Frank Dohmen
Es ist nass, kalt und unwirklich an einem Morgen unlängst im ostfriesischen Städtchen Emden. Die Nebelschwaden beginnen nur langsam aufzureißen. Das Schlimmste aber ist die Windstille.
Dort, mitten im Meer, liegt das Ziel des kurzen Flugs: Alpha Ventus, der erste und bislang einzige deutsche Offshore-Windpark. Winzig klein zunächst zeichnen sich die Konturen am Horizont ab. Doch mit jedem Kilometer, den man sich nähert, werden die gigantischen Ausmaße des Projekts deutlich.
Auf einer Fläche von etwa vier Quadratkilometern - das entspricht der Größe von ungefähr 500 Fußballfeldern - ragen insgesamt zwölf Windturbinen aus dem eisigen Wasser. Jede einzelne ist mit rund 150 Metern so hoch wie der Kölner Dom und mit 1000 Tonnen so schwer wie 25 vollbeladene Sattelschlepper.
220 Gigawattstunden Energie jährlich
Hube wirkt erleichtert. Und das nicht nur, weil ein Offshore-Park ohne Wind immer auch einen "trostlosen Eindruck bei Besuchern" hinterlässt.
Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit hat der Projektleiter vor wenigen Tagen mit Hilfe von Tauchertrupps die letzten Unterwasserkabel anschließen können. Seitdem fließt mit jeder Rotorenbewegung Strom aus der Nordsee Richtung Festland - und das in gewaltigen Mengen.
Mindestens 220 Gigawattstunden Energie wird Alpha Ventus Jahr für Jahr in das Stromnetz einspeisen. Das reicht aus, um 50.000 Haushalte zu versorgen.
Die drei Betreiber, die Stromversorger E.on, Vattenfall und EWE, haben in dieser Woche den Normalbetrieb gestartet. An diesem Dienstag wurde die Anlage gegen 13 Uhr offiziell eingeweiht - mit einem Festakt auf der Versorgungsplattform, zu dem neben den Chefs der großen Energiekonzerne auch Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) eingeflogen wurde.
Die Fertigstellung von Alpha Ventus markiert nicht nur einen Meilenstein für die drei Betreiber. Die Inbetriebnahme des Parks läutet gleichzeitig eine völlig neue Ära der Energieversorgung ein.
Es herrscht Goldgräberstimmung
In den kommenden Monaten und Jahren sollen vor den deutschen und europäischen Küsten weitere riesige Offshore-Anlagen entstehen und enorme Mengen Strom in die Netze auf dem Festland einspeisen.
Große Konzerne wie Siemens, General Electric und europäische Energieversorger wie E.on, RWE, Vattenfall oder die spanische Iberdrola stecken derzeit ihre Claims in den freigegebenen Gewässern ab. Kaum ein Monat vergeht, ohne dass neue milliardenschwere Investitionen auf den Weg gebracht werden.
Es herrscht Goldgräberstimmung. "In der Branche wird der Offshore-Windmarkt als der wesentliche Wachstumsbereich bei den erneuerbaren Energien in unseren Regionen angesehen", sagt Frank Mastiaux, der beim Stromriesen E.on für das Aufgabenfeld zuständig ist. Auch die Politik schöpft Hoffnung.
Mit den Offshore-Windparks scheint die Vision von einer umweltschonenderen Energieversorgung mit geringerer Abhängigkeit von Kohle, Gas und Öl endlich greifbar. Die lang beschworene Wende in der deutschen Energiepolitik rückt ein Stück näher. Der Ökostrom aus dem Meer nimmt in den ambitionierten Plänen der Bundesregierung zum Klimaschutz eine zentrale Rolle ein.
Bereits im Jahr 2007 hatte sich Deutschland gegenüber der EU zu weitreichenden CO2-Senkungen verpflichtet. Eine "Vorreiterrolle" im europäischen und weltweiten Klimaschutz wolle Deutschland spielen, so hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) damals versprochen. Entsprechend ehrgeizig fielen die Ziele aus.
Der Sonderweg Deutschlands in Sache CO2-Reduzierung
So will Deutschland den Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids bis 2020 um 30 Prozent gegenüber dem Basisjahr 1990 senken. Und dabei geht die Bundesregierung in der EU eine Art Sonderweg.
Während europäische Nachbarländer bei der CO2-Reduzierung auf einen Mix aus Energiesparmaßnahmen, dem Ausbau regenerativer Energien und der CO2-armen Kernkraft setzen, hält Deutschland am Atomausstieg fest. Die schwarz-gelbe Koalition will die Laufzeiten der Meiler zwar verlängern, doch mehr als eine Brückentechnologie soll die Atomkraft auch in Zukunft nicht sein.
Um die Klimaschutzziele zu erreichen, bleibt neben Sparmaßnahmen somit nur ein massiver Ausbau der regenerativen Energien. Und tatsächlich soll deren Anteil an der Stromproduktion nach Planungen des Umweltministeriums bis zum Jahr 2020 von heute gut 16 auf dann über 30 Prozent steigen.
Zehn Jahre später könnten es sogar schon weit über 40 Prozent sein, hofft Röttgen.
Wie das im Idealfall gehen soll, hat die Bundesregierung in einem "Leitszenario" ausgerechnet. Danach wird die Photovoltaik trotz milliardenschwerer Förderung und hochsubventionierter Arbeitsplätze vergleichsweise wenig zur deutschen Stromproduktion beitragen. Und beim Ausbau von Wasserkraft und Biogasanlagen sind echte Wachstumssprünge bis zum Jahr 2020 nicht zu erwarten.
Die Windenergie muss weiter ausgebaut werden
Die größte Hoffnung basiert auf einem weiteren Ausbau der Windenergie. "Schon in den vergangenen Jahren hat die Branche einen kaum für möglich gehaltenen Aufschwung hinter sich", sagt Verbandspräsident Hermann Albers stolz.
Rund 21.000 Windmühlen sind in Deutschland installiert. Mit den Anlagen werden zwischen sechs und sieben Prozent des deutschen Strombedarfs gedeckt. An stürmischen Tagen und geringer Nachfrage reicht der Ökostrom manchmal sogar für einige Stunden aus, den gesamten Bedarf der Haushaltskunden zu befriedigen.
Möglich wurde dies durch eine konsequent betriebene Förderung. So bekam der Windstrom eine Art Vorrangregelung im Stromnetz. Zudem erhielt die Branche über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) jahrelang milliardenschwere Zuschüsse zum Betrieb ihrer Anlagen. Doch das System stößt langsam an seine Grenzen.
Trotz teurer Förderprogramme hat die Bundesregierung vernachlässigt, die Infrastruktur an die neuen Erfordernisse anzupassen. Nach wie vor fehlen intelligente Stromnetze und vor allem Speichermöglichkeiten, um windarme Perioden auszugleichen. Auch geografisch sind die Expansionsmöglichkeiten für die Windmüller begrenzt. Gute Standorte an Land sind rar geworden. Und das sogenannte Repowering, bei dem vorhandene Windanlagen durch wesentlich leistungsstärkere und größere Turbinen ersetzt werden, kommt erst langsam in Schwung. Gegen die teilweise doppelt so hohen Anlagen regt sich vielerorts Widerstand.
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Ich bin natürlich nicht ein solcher Experte auf diesem Gebiet wie sie (und das meine ich ernst und nicht sarkastisch!). Aber mal ne Frage. Kommt es denn immer nur auf den Preis an? Ob nun 8, 9 oder 13 Cent oder wie auch immer. [...] mehr...
.... muss was besonders Schönes sein - vor allem je weiter weg man von den durch Menschen verursachte Katastrophen wohnt. Fragen Sie doch mal all die Menschen die vor der Küste Louisiana ihr Brot verdienen und davon abhängig [...] mehr...
Dann sind sicher auch 90% von ihnen für ein Atommüllendlager, dass so sicher ist wie Gorleben, Asse II und co, in ihrer Nähe? Auch 90% sind sicher dafür, dass für unseren billigen Atomstrom die Menschen in Niger verseucht und [...] mehr...
Verantwortlungslos ist vor allem vermutete Probleme der Zukunft lösen zu wollen, die akuten jedoch liegen zu lassen. Mich interessiert nicht ob unser Staat die Welt vor einem Klimwandel rettet der sich für uns nie beweisen [...] mehr...
Natürlich, denn ökonomisches Handeln bezieht sich nun mal auf die Gegenwart. Die Zukunft gehört in den Bereich der Spekulationsökonomie, der Börse. Natürlich wird das irgendwann der Fall sein. Wir wissen aber nicht wann. [...] mehr...
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© DER SPIEGEL 17/2010
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