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Ausgabe 18/2010
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03.05.2010
 

Klima

Das Kopenhagen-Protokoll

Von Tobias Rapp, Christian Schwägerl und Gerald Traufetter

Foto: AFP/ Bundesregierung

Wie liefen die Verhandlungen auf dem Weltklimagipfel in Kopenhagen wirklich ab? Geheime Aufzeichnungen enthüllen, wie China und Indien während des entscheidenden Treffens der Staatschefs eine Einigung verhinderten. Ohnmächtig mussten die Europäer dem Scheitern zusehen.

Irgendwann ist seine Geduld aufgebraucht. So aufgebraucht wie die Luft in dem kleinen Konferenzraum. Keine Sekunde länger will er stillhalten.

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"Ich sage das hier mit allem Respekt und in aller Freundschaft", platzt es aus Nicolas Sarkozy heraus. Alle im Raum, zwei Dutzend Staatsoberhäupter, wissen, dass er genau das Gegenteil meint. "Bei allem Respekt gegenüber China", grollt der französische Staatschef.

Der Westen habe sich verpflichtet, 80 Prozent Treibhausgase einzusparen. "Und im Gegenzug sagt China, das bald die größte Wirtschaftsnation der Welt sein wird, gegenüber der Welt: Engagements gelten für euch, aber nicht für uns."

Sarkozy ist jetzt in Fahrt, ruft in feinstem Französisch: "Das ist nicht hinnehmbar!" Da ist der Eklat. Und Sarkozy facht die diplomatische Schlacht weiter an: "Es geht um das Wesentliche, man muss auf diese Scheinheiligkeit reagieren!"

Alles Gemurmel im Saal verstummt, selbst die Handys klingeln nicht mehr. Es ist Freitag, der 18. Dezember 2009, gegen vier Uhr Nachmittag, als im Kopenhagener Kongresszentrum die Rettung der Welt abgesagt wird.


Im Konferenzraum "Arne Jacobsen" sitzen die mächtigsten Politiker der Erde zusammen und verhandeln über das Weltklima. US-Präsident Barack Obama hockt auf der Kante eines blaugepolsterten Holzstuhls, bei ihm die deutsche Kanzlerin Angela Merkel und der britische Premierminister Gordon Brown. Auch ein Vertreter der indischen Delegation, die von Premierministers Manmohan Singh, angeführt wird, ist im Raum. Die Versammlung heißt bald nur noch "Mini-Gipfel der 25".

Der äthiopische Premierminister Meles Zenawi ist zugegen, stellvertretend für den afrikanischen Kontinent, nicht weit von ihm entfernt Mexikos Präsident Felipe Calderón. Nur ein Staatenlenker fehlt - symbolhaft für das Scheitern des Klimagipfels: der chinesische Premierminister Wen Jiabao.

Stattdessen sitzt Obama dem Vize-Außenminister He Yafei gegenüber. Ein diplomatischer Affront, der im Laufe des Treffens noch zur Sprache kommen wird.

Selbst drei Monate nach den denkwürdigen Ereignissen auf dem Klimagipfel in Kopenhagen meint sich Chinas Staatsführer öffentlich dafür rechtfertigen zu müssen, weshalb er damals nicht im Raum war. Und noch immer rätseln die Beteiligten selber darüber, was sie während der Verhandlung eigentlich beschlossen haben und was nicht.

Die Klimapolitik taumelt seit dem Showdown von Kopenhagen wie ein waidwundes Tier im Todeskampf - zu betrachten auch auf dem Treffen, das diese Woche auf dem Bonner Petersberg läuft.


Von den hektischen Krisentreffen damals in Kopenhagen, die sich hinter verschlossenen Türen insgesamt über zehn Stunden hinzogen, hat die Öffentlichkeit bislang kaum etwas erfahren. Die Chinesen sollen die dänischen Gastgeber unverhohlen vor Indiskretionen gewarnt haben. Der SPIEGEL ist nun erstmals in der Lage, die fast 90 Minuten lange, entscheidende Unterredung des schwarzen Freitags zu rekonstruieren. Die Grundlage bilden Tondokumente von zeitgeschichtlicher Bedeutung, die zufällig entstanden sind; zwei Sounddateien, zusammen 1,2 Gigabyte groß. Das Kopenhagen-Protokoll zeigt, wie "die wichtigste Konferenz seit dem Zweiten Weltkrieg" (Gordon Brown) im diplomatischen Nichts endete. Wie durch ein Brennglas werden dabei auch die Konturen einer neuen politischen Weltordnung sichtbar - das neue Selbstbewusstsein der Asiaten und die Machtlosigkeit des Westens.

"Worauf warten wir noch?" Bundeskanzlerin Merkel hebt auf Englisch die Stimme. Sie will die strauchelnde Verhandlung zurück auf Kurs bringen. Im Plenum nebenan langweilen sich über 100 weitere Staatschefs, die offenkundig nichts zu melden haben. Düpiert warten sie darauf, dass bei dem Gipfel der 25 irgendein Papier herauskommt.

Orientierungslos im Gestrüpp der internationalen Klimapolitik

Längst hat sich eine beklemmende Stimmung in den Messehallen ausgebreitet. Das bunte Volk der Umweltaktivisten wurde bereits von der Konferenz ausgesperrt. Ihre Stände stehen verlassen herum im Niemandsland der Weltenretter.

Im Raum "Arne Jacobsen" eröffnet der dänische Premierminister Lars Lokke Rasmussen die Sitzung. Er ist der Hausherr, unerfahren in den Spielregeln auf der Weltbühne, orientierungslos im Gestrüpp der internationalen Klimapolitik. Man habe einen Vertragsentwurf ausgearbeitet, der die Bedenken der beteiligten Länder aufnehme. "Ich glaube, wir müssen nun fragen, ob es irgendwelche Einwände gibt", sagt er leise.

In seiner Stimme schwingt kaum noch Zuversicht mit. Dann übergibt er an einen seiner juristischen Berater, der den Staatschefs Korrekturen für Fehler diktiert, die sich beim hastigen Zusammenschreiben des Vertragsentwurfs eingeschlichen haben.

Wann ist das schon mal vorgekommen auf einer internationalen Konferenz, dass sich die Häuptlinge mit solchen Details herumplagen müssen? "Ich glaube nicht, dass es so etwas schon gegeben hat, und ich bin nicht sicher, ob es so etwas jemals wieder geben wird", sagt Uno-Verhandlungschef Yvo de Boer dazu.

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Das hohe Wirtschaftswachstum um rund 10% je Jahr ist für eine 4/5 Entwicklungsland passend aber nicht dauerhaft zu halten. Wie bei uns in den 50er Jahren sind 1-2 Jahrzehnte Boom und dann Abflachung zu erwarten. Deutlich [...] mehr...

09.05.2010 von dale_gribble: .

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09.05.2010 von La La La: Arbeit

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09.05.2010 von redpirate37: Wunschdenken

Sie kommen aus der Stadt. WAs Arbeitszeiten angeht ist China seht unterschiedlich. Natürlich sind viele Chinesen fleißig und ambitioniert. Sie schuften sich für ihr Land ab um einen Betrag zu leisten und die hohen Ziele die [...] mehr...

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IPCC - der Klimarat der Vereinten Nationen

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ESA 2004
Der Intergovernmental Panel on Climate Change, zu Deutsch der zwischenstaatliche Ausschuss für Klimaveränderungen mit Sitz in Genf, wurde 1988 vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (Unep) und der World Meteorological Organization (WMO) gegründet, die ebenfalls zur Uno gehört. Der Inder Rajendra Kumar Pachauri ist seit Mai 2002 Vorsitzender des IPCC.

Der auch als Weltklimarat bezeichnete IPCC soll umfassend, objektiv und ergebnisoffen die wissenschaftlichen, technischen und sozioökonomischen Informationen über den von Menschen verursachten Klimawandel bewerten. Das Gremium, dem Hunderte von Wissenschaftlern in aller Welt zuarbeiten, soll die Folgen und Risiken der Klimaveränderung abschätzen und ausloten, wie man sie abschwächen oder sich an sie anpassen kann.

Der IPCC führt keine eigenen Forschungsprojekte durch, sondern analysiert die Ergebnisse wissenschaftlicher Veröffentlichungen, die dem Peer-Review-Verfahren - der Prüfung von Fachartikeln durch unabhängige Gutachter - gefolgt sind. Mehr auf der Themenseite...

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