Von Wieland Wagner
Wie ein Schwarm Jagdfische funkeln die eleganten, weiß-blau lackierten Superschnellzüge in der Fabrikhalle. Die Spitzen der Triebwagen sind aufgerissen wie hungrige Mäuler, umsorgt von Technikern in beigefarbenen Uniformen.
Schon jetzt pendeln sie zwischen Millionenstädten wie Wuhan und Guangzhou, dort verkürzen sie die Reisezeit von elf auf drei Stunden (siehe Grafik). Doch das soll nur eine Zwischenetappe sein auf der ehrgeizigen Aufholjagd der Volksrepublik, die sich seit 2004 geballt ausländische Eisenbahntechnologie einverleibt und damit zum gefährlichen Wettbewerber einstiger Lehrmeister wie Siemens aufrückte.
Noch präsentieren westliche Konzerne auf der gerade eröffneten Expo in Shanghai stolz ihre Technologie. Noch hoffen sie dort auf weitere Milliardenaufträge. Noch loben sie, wie Siemens zum Start der Weltausstellung, artig, dass man sich als "integraler Bestandteil der chinesischen Wirtschaft" verstehe.
Aber zur gleichen Zeit arbeitet CSR schon an eigenen Zügen, die 380 Kilometer pro Stunde zurücklegen. Die neuartigen Flitzer sollen ab 2011 die 1300 Kilometer lange Reise zwischen Peking und Shanghai auf vier Stunden verkürzen - bisher dauert sie rund zehn Stunden.
Lehrstück über chinesische Raffinesse und Expansionslust
So ist der Ausbau des Eisenbahnnetzes in der Volksrepublik vor allem auch ein Lehrstück geworden über chinesische Raffinesse und Expansionslust. Aus dem Auftraggeber ist ein Gegner geworden. Nirgends zeigt sich das besser als im Schienenverkehr.
Die Herausforderung für den deutschen ICE, den französischen TGV oder den japanischen Shinkansen heißt nun "Hexie" - zu Deutsch "Harmonie": eine artige Reverenz an Staats- und Parteichef Hu Jintao, der ständig den Aufbau einer "harmonischen Gesellschaft" beschwört.
Mit Hilfe der Superschnellzüge will Peking sein Riesenreich eng verknüpfen, das neue Netz soll bis 2020 von derzeit rund 6500 auf 18.000 Kilometer wachsen. Dann soll ein Gitter aus Hochgeschwindigkeitstrassen die wichtigsten Großstädte miteinander verbinden - von Nord nach Süd und Ost nach West. Später wollen die Planer es gar global ausdehnen - nach Südostasien sowie gen Westen - bis nach London. Natürlich mit chinesischer Schnellzugtechnologie.
Rücksichtslos werden Spitzentechnologien ausgeschlachtet
China als globaler Technologie-Führer? Noch vor kurzem belächelten westliche Experten diesen Gedanken, doch inzwischen sind es die Chinesen, die lächeln: Ob in Venezuela, Malaysia oder Indonesien - aggressiv drängen sie neuerdings mit eigenen superschnellen Exportzügen auf den Weltmarkt. Dabei schlachten sie rücksichtslos die Spitzentechnologien aus, die ihnen der Westen zunächst übertrug.
In den USA hoffen sie zum Beispiel auf Milliardenaufträge aus jenem Konjunkturprogramm, mit dem Präsident Barack Obama Amerikas marodes Zugnetz ausbauen will. Und in Saudi-Arabien verzichtete Siemens kürzlich darauf, gegen die viel billigere chinesische Konkurrenz anzutreten. Stattdessen bietet der Münchner Konzern mit dem chinesisch geführten Konsortium für die geplante Schnellzugstrecke Mekka-Medina.
Ingenieur Lü lässt den Blick durch die Halle schweifen: Die Schrauben liegen aufgeräumt in farbigen Plastikkästen, penibel geordnet nach Größe; der graue Werksfußboden glänzt staubfrei. Alles soll makellos sein in diesem Werk, in dem es für China um weit mehr geht als um superschnelle Züge.
In einem nationalen Kraftakt ist den Planern der Kommunistischen Partei und des Eisenbahnministeriums gelungen, was Peking langfristig auch bei Autos, Flugzeugen und sonstiger Hightech anstrebt. Mit der politischen Vorgabe, Joint Ventures zu gründen, aber auch mit geschickter Verhandlungstaktik haben die Chinesen westliche Technologie-Größen wie Siemens, das französische Alstom, das kanadische Bombardier und den japanischen Kawasaki-Konzern zunächst ins Land gelockt, dann gegeneinander ausgespielt und dazu gebracht, zentrales Know-how preisgünstig zu überlassen.
Auf anderen Social Networks posten:
China baut momentan auch Museen wie verrückt. mehr...
Statt wieder neidisch nach China zu schielen, könnten wir ja mal ein Schnellzugnetz in Deutschland aufbauen. mehr...
...und in China isses besser. Da wird zwar dank 1-Kind-Diktat bald die halbe Bevoelkerung auf einmal Rentner sein, aber was sollst. Hauptsache ueberall ist es besser als in Deutschland, wa? mehr...
Einige Videos über CRH (China Railway High-speed): http://www.youtube.com/watch?v=a-ilWVLQPeY http://www.youtube.com/watch?v=smbiqsHWyK8 http://www.youtube.com/watch?v=MCLfQ9bUtOY&feature=related [...] mehr...
---Zitat--- ...mit geschickter Verhandlungstaktik haben die Chinesen westliche Technologie-Größen wie Siemens, das französische Alstom, das kanadische Bombardier und den japanischen Kawasaki-Konzern zunächst ins Land [...] mehr...
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