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Ausgabe 19/2010
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10.05.2010
 

Kriminalität

Ole und die Brandstifter

Von Bruno Schrep

Kriminalität: Ole und die Brandstifter
Fotos
DPA

An Randale, Bandenkriminalität und Autobrände hatte man sich beinahe gewöhnt in Hamburgs Szenevierteln. Doch nun trifft es auch Bürger und deren Luxuswagen in den gediegenen Wohnlagen - Alarmstufe Rot für den schwarz-grünen Senat.

Wer im feinen Hamburger Stadtteil Harvestehude wohnt, umgeben von alten Villen und gepflegten Parkanlagen, glaubte sich bis vor kurzem vor den Verwerfungen der Großstadt ziemlich sicher. Drei-Zimmer-Eigentumswohnungen werden hier schon mal für 890.000 Euro angeboten, in manchen Seitenstraßen parken mehr als ein halbes Dutzend Porsche am Straßenrand.

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Geraubt, geprügelt, geschossen und gebrandschatzt wurde bislang immer anderswo: im brodelnden Schanzenviertel etwa, wo sich Autonome und jugendliche Gewalttäter regelmäßig Straßenschlachten mit der Polizei liefern wie jüngst um den 1. Mai, oder auf dem Kiez rund um die Reeperbahn, wo rivalisierende Banden um die Vorherrschaft im Drogen- und Sexgeschäft kämpfen und Betrunkene nächtens mit Messern aufeinander losgehen.

"Das war alles ganz weit weg", versichert Unternehmensberater Hans B., der unweit der Außenalster wohnt, "davon las man höchstens in der Zeitung." Doch nun ist das Unheil ganz nahe.

Als der Geschäftsmann kürzlich, alarmiert von einem Anruf, morgens auf die Straße rannte, war das schicke Audi-Cabrio seiner Frau nur noch ein rauchender Schrotthaufen. Auch von den Autos der Nachbarn waren kaum mehr als bizarr verbogene Metallteile, zerschmolzene Armaturen und zerborstene Scheiben übrig. In der abgelegenen Sackgasse sah es aus wie nach einem Bombenangriff.

Anwohner E. stand fassungslos vor den Trümmern seines Mercedes, fühlte sich persönlich angegriffen. Anwohnerin K. betrachtete weinend die verkohlten Reste ihres Beetle-Cabrios, das sie dereinst persönlich in Wolfsburg abgeholt hatte.

Die Brandstiftung von Harvestehude reiht sich ein in eine Serie unheimlicher Anschläge auf Privatautos, die seit Monaten die Hansestadt beunruhigt. Bislang unbekannte Täter zerstören nicht nur teures Eigentum, sie bringen, wie erst letzte Woche, auch Menschen in Lebensgefahr; wiederholt griffen die Flammen auf Carports und Häuser über. In der Stadt herrscht eine Art Ausnahmezustand.

Schwer verunsichert sind sie, die Bewohner gediegener Hamburger Wohnlagen wie Winterhude, Groß-Flottbek und Poppenbüttel, in Gegenden, in denen die Bürger vorwiegend konservativ denken und wählen. Sie fühlen sich im Stich gelassen. "Ich trage nicht unerheblich zum Fortgang unseres Gemeinwesens bei", sagt Unternehmensberater B., "ich hinterziehe keine Steuern, ich habe keine Konten in der Schweiz, ich mache alles ordentlich." Jetzt, wo er mitten in seiner Oase angegriffen wurde, erwartet er Schutz und Aufklärung.

Die CDU offenbart Hilflosigkeit in der inneren Sicherheit

Doch die Polizei tut sich schwer, die Attentäter zu fassen. Dramatische Hubschraubereinsätze blieben ebenso ergebnislos wie das Abriegeln ganzer Stadtteile. Und so gerät der Erste Bürgermeister in die Kritik: Ole von Beust (CDU).

Für viele Christdemokraten war es hart genug, Beusts Bündnis mit den Grünen zu akzeptieren. Die im Koalitionsvertrag vereinbarte Verlängerung der Grundschulzeit auf sechs Jahre stößt in der Union auf breites Unverständnis. Auch Beusts Äußerungen über Wohlhabende, die "erbarmungslos ihren Reichtum zeigen" und "immer chrombeladenere Autos fahren", haben dem einst so populären Freiherrn mächtig geschadet.

Wenn die CDU nun in einem ihrer Kompetenzfelder - der inneren Sicherheit - Hilflosigkeit offenbart, ist das ein Debakel: SPD-Oppositionsführer Olaf Scholz hat Beust, vor kurzem noch undenkbar, bei Umfragen überholt.

Ole von Beust hat deshalb eine Fahndungsoffensive starten lassen: 200 Zivilbeamte machen mittlerweile des nachts Jagd auf die Brandstifter, zu Fuß, in Einsatzwagen, auf Fahrrädern. Die Belohnung, die bei Ergreifung der Täter an Hinweisgeber gezahlt wird, wurde von 2500 auf 20.000 Euro aufgestockt.

Die Ermittler gehen davon aus, dass die neue Brandserie wenig zu tun hat mit den 185 Autobränden, die Hamburg im vergangenen Jahr zählte. Bei ihnen handelte es sich in vielen Fällen um jugendlichen Vandalismus, spontan begangen im Suff, ungezielt und planlos.

Ein 30-Jähriger, Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr, der am Wochenende im Hamburger Stadtteil Langenhorn festgenommen wurde, nachdem dort ein Carport in Flammen aufging, hat nach Polizeiangaben nichts mit den Anschlägen zu tun, mit denen Unbekannte das gesamte Stadtgebiet überziehen. Feuer legten auch eifersüchtige Liebhaber und Versicherungsbetrüger, und rund zwei Dutzend Brandstiftungen gingen auf das Konto von Autoknackern, die ihre Spuren vernichten wollten. 31 Attacken ließen sich anhand von Selbstbezichtigungen oder Tatmerkmalen eindeutig Linksextremen zuordnen. Als etwa im November 2009 in Harvestehude der Mercedes CLS 600 des prominenten Werbers Jean-Remy von Matt in Flammen aufging, begründeten militante Öko-Aktivisten den Anschlag mit Matts Werbekampagne für den Energiekonzern RWE.

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14.05.2010 von Tamarind: aw

Aber Hauptsache die Politiker kriegen jetzt eine Diätenerhöhung durch, die so hoch ausfällt wie der gesamte Monatsbedarf bei Hartz-IV. Gleichzeitig aber nix davon wissen wollen, dass man Kinder und heranwachsende Jugendliche aus [...] mehr...

14.05.2010 von timewalk: Soziale Ungleichheit

---Zitat--- Soziale Ungleichheit ist ein Begriff aus der Soziologie und bezeichnet die ungleiche Verteilung materieller oder immaterieller Ressourcen in einer Gesellschaft und die daraus resultierenden unterschiedlichen [...] mehr...

14.05.2010 von timewalk: Kausalgesetz

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14.05.2010 von tut_nix_zur_sache_oder: Ergänzung

Ich möchte ergänzend darauf hinweisen: Auch ich habe Freunde aus dem himmlischen Bayern. Und, siehe da, die allermeisten finden Hamburg einfach nur entspannt. Ob der Freiheiten, die man hier genießt, oder wegen des spannenden [...] mehr...

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