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Ausgabe 19/2010
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Kriminalität Ole und die Brandstifter

Kriminalität: Ole und die Brandstifter
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DPA

3. Teil: "Ich will die Täter jetzt haben"

Um dem Ruf nach Bürgerwehren zuvorzukommen, suchen Bürgermeister Beust und sein Innensenator Christoph Ahlhaus (CDU) ihr Heil in der Vorwärtsverteidigung. Nach einem Anschlag in Hummelsbüttel ging Polizeipräsident Werner Jantosch mit der Botschaft in die Öffentlichkeit: Wir tun was. Wir tun sogar ganz viel.

Die 100 neuen Ermittler sollen so lange jede Nacht ausschwärmen, bis die Feuerteufel gefasst sind. "Notfalls auch unter Vernachlässigung anderer Aufgaben", kündigte Jantosch an, für ihn zähle nur eines: "Ich will die Täter jetzt haben."

Ob den Sprüchen auch Ergebnisse folgen, scheint indes fraglich. Hamburgs Straßennetz ist rund 4000 Kilometer lang, zu bewachen sind rund 720.000 zugelassene Autos. Der Polizeiboss appellierte deshalb an Taxifahrer, Schichtarbeiter und selbst nächtliche Spaziergänger, sich doch bitte an der Jagd zu beteiligen.

Die Fahndungspraxis ist mühsam. Aus dem Zivilfahrzeug, mit dem sie in einer Nacht zum Mittwoch kreuz und quer durch den Stadtteil Bahrenfeld fahren, immer und immer wieder, mal schnell, mal ganz langsam, beobachten die beiden Bereitschaftspolizisten seit Stunden menschenleere Straßen; nur eine junge Frau, bepackt mir zwei Rucksäcken, ist noch unterwegs. "Sollen wir die kontrollieren?", fragt der Fahrer. "Gibt doch keinen Grund", erwidert der Kollege.

Der Einsatz gleicht der Suche nach einer Stecknadel im Heuhaufen. Zwischendurch steigt einer der Beamten aus, hat hinter Containern eine Bewegung wahrgenommen, nichts. Hinten in einer Sackgasse leuchtet was, nichts. "Dass uns hier Brandstifter über den Weg laufen, wäre schon großer Zufall", gesteht einer der Fahnder. "Aber vielleicht schrecken wir ja mit unserer Präsenz wenigstens ab."

Spott kommt von der SPD-Opposition

Spott kommt, nicht überraschend, von der SPD-Opposition. Die Hamburger Sozis, die einst das Sicherheitsbedürfnis ihrer Wähler derart unterschätzten, dass sie darüber die Macht im Rathaus verloren, werten Beusts Offensive als Augenwischerei ab. "Brachial-Rhetorik und Aktionismus ersetzen keine Fahndungserfolge", erklärt ihr Innenexperte Andreas Dressel. Die großspurigen Ankündigungen seien nichts weiter als das Eingeständnis von Erfolglosigkeit. Die wiederum hänge direkt mit dem Personalabbau durch die schwarz-grüne Regierung zusammen, die entgegen ihren Wahlversprechen immer weniger Polizisten auf die Straße schicke.

Wie der Feuerterror endlich beendet werden kann, weiß freilich auch der SPD-Mann nicht. Stattdessen wuchern täglich neue Spekulationen. Eine besagt, dass die Attacken aus dem Rotlichtmilieu kommen könnten; dass sich die Szene mit Feuer und Flamme gegen vermeintlich zunehmende Kontrollen von Bordellen und Spielhöllen zur Wehr setzt - was die Polizei dementiert.

Sie hat die Sonderkommission "Florian" gebildet. 15 Kripobeamte des Hamburger Landeskriminalamts (LKA) sollen Vorgehensweisen analysieren, Bewegungsbilder erstellen, Überwachungsvideos auswerten. Sich auf die Lauer legen, Hinweisen aus der Bevölkerung nachgehen. Ehemalige Brandstifter werden überprüft, Internetforen durchforstet.

Erste Festnahmen führten nicht zum Erfolg. Ein 29-Jähriger, der brennende Autos filmte, musste wieder freigelassen werden; der Mann hatte ein Alibi.

"Das sind keine Gelegenheitstäter, die mal aus Jux Autos anzünden und damit prahlen", glaubt der Hamburger LKA-Chef Reinhard Chedor, "da steckt minutiöse Planung dahinter." Die Tatorte seien sorgfältig ausgewählt, vermutlich sogar erst nach tagelanger Beobachtung, die Fluchtwege genau ausbaldowert. "Die überlassen nichts dem Zufall."

Hypothesen statt Antworten

Doch zur Schlüsselfrage, was die Brandstifter letztlich antreibt, hat die Kripo statt Antworten nur Hypothesen. Versuchen gestörte Jugendliche durch Begehung heimlicher Verbrechen ihre innere Leere zu überdröhnen, wie manche Polizeipsychologen vermuten? Suchen Pyromanen zwanghaft Nervenkitzel? Wollen militante Autogegner gegen die wachsende Motorisierung protestieren? Geht es fanatischen Rechtsradikalen darum, Angst und Schrecken zu verbreiten? Oder existiert doch eine bisher unbekannte Form linker Opposition?

Zunehmend beobachtet die Polizei jedenfalls auch Personen aus der Subkultur-Szene des Hamburger Schanzenviertels rund um die "Rote Flora". Das heruntergekommene ehemalige Operettentheater gilt bei den Beamten schon lange als Hauptquartier aggressiver Staatsfeinde, die auch mit Gewalt gegen städtische Projekte und Maßnahmen kämpfen: gegen die Umwandlung preisgünstiger Wohngebiete in teure Quartiere, gegen die Kürzung von Sozialleistungen.

Weil sich jedoch Militante aus den bekannten Autonomen-Zirkeln bislang zu ihren Anschlägen bekannten, hätte der Terror eine neue Qualität: Erstmals wären selbsternannte Klassenkämpfer am Werk, die unter dem Schutz der Anonymität gezielt Krieg in die bürgerlichen Stadtteile zu tragen versuchen. Mögliche Botschaft: Ihr könnt nirgends vor uns sicher sein, auch nicht vor eurer eigenen Tür.

Inspiriert und aufgeheizt werden solche Täter, glauben Ermittler, womöglich von Musikvideos aus der HipHop-Szene, auf denen Kampfhunde und brennende Autos zu sehen sind und die Sänger hasserfüllte Texte rappen: "Ich ficke diesen Dreckstaat, jetzt geht's los, jetzt gibt's Krieg."

In Harvestehude ist seit Beginn der Anschlagsserie die Nachfrage nach sicheren Pkw-Unterstellmöglichkeiten sprunghaft angestiegen, die Vermieter von Tiefgaragenplätzen führen lange Wartelisten.

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insgesamt 216 Beiträge
number12 13.05.2010
---Zitat--- Doch zur Schlüsselfrage, was die Brandstifter letztlich antreibt, hat die Kripo statt Antworten nur Hypothesen. Versuchen gestörte Jugendliche durch Begehung heimlicher Verbrechen ihre innere Leere zu überdröhnen, [...]
---Zitat--- Doch zur Schlüsselfrage, was die Brandstifter letztlich antreibt, hat die Kripo statt Antworten nur Hypothesen. Versuchen gestörte Jugendliche durch Begehung heimlicher Verbrechen ihre innere Leere zu überdröhnen, wie manche Polizeipsychologen vermuten? Suchen Pyromanen zwanghaft Nervenkitzel? Wollen militante Autogegner gegen die wachsende Motorisierung protestieren? Geht es fanatischen Rechtsradikalen darum, Angst und Schrecken zu verbreiten? Oder existiert doch eine bisher unbekannte Form linker Opposition? ---Zitatende--- Vielleicht noch eine andere Gruppe hinzurechnen. Nämlich die, die ihre Autos auf dem Gebrauchtwagenmarkt nicht losbekommt und sie versucht, „an die Versicherung zu verkaufen“. Es gibt ja nicht mehr viele Parkplätze am Fischmarkt, die bei Sturm überflutet werden (gibt auch weniger Sturmfluten als früher, oder?), und auf denen man nicht umgehend abgeschleppt wird. Und an den Abenden des 30. April und 1. Mai sind die Parkplätze am Schulterblatt auch etwas begrenzt ;-)
yomow 13.05.2010
Da werden eindeutig die falschen getroffen. Ich kann es ja irgendwo noch nachvollziehen (auch wenns wirklich schwer fällt), wenn Linke Randalierer die Fassade einer Bankfiliale mit Farbbeuteln bewerfen, aber die Autos von normalen [...]
Da werden eindeutig die falschen getroffen. Ich kann es ja irgendwo noch nachvollziehen (auch wenns wirklich schwer fällt), wenn Linke Randalierer die Fassade einer Bankfiliale mit Farbbeuteln bewerfen, aber die Autos von normalen Anwohnern mit etwas gehobenem Einkommen zu zerstören...?! Sowas ist gemein, hinterhältig und vorallem sinnlos. Ich fürchte auch, dass sowas nur noch zu mehr Abschottung der Besserverdienenden führt und zu mehr Überwachung. Also bewirken die Täter genau das Gegenteil von ihren Zielen.
GerwinZwo 13.05.2010
Warum sollen eigentlich die Bewohner von "Problembezirken", also idR gerade die Schwächeren in unserer Gesellschaft, weniger Schutz verdienen als in "Nobelvierteln"? Oder Letztere mehr Schutz als Menschen, die [...]
Warum sollen eigentlich die Bewohner von "Problembezirken", also idR gerade die Schwächeren in unserer Gesellschaft, weniger Schutz verdienen als in "Nobelvierteln"? Oder Letztere mehr Schutz als Menschen, die es sich eben nicht leisten können, in überteuerten Bezirken zu leben? Das interessierte mich mal.... Typisch, daß die Politik so richtig erst dann aus den Puschen kommt, wenn es die "Reicheren" nun auch mal trifft. Ist ebenfalls eine Spielart der Klientelpolitik. Im Übrigen glaube ich nicht einmal, daß in den genannten Wohngebieten hauptsächlich politisch Konservative wohnen. Könnte mir gut vorstellen, daß da im Gegenteil der Anteil "Grüner" überdurchschnittlich hoch ist. Passt ins Bild, daß nun deren Aufschrei besonders laut ausfällt.
timewalk 13.05.2010
Das ist doch eine prima Gelegenheit sich einen Elektrostromer zuzulegen. Finanziell sollte dies trotz Ausfall des Verbrenners, kein Hinderungsgrund sein. Motiv könnte unterschiedlich sein, nur finde ich sollten gerade [...]
Zitat von sysopAn Randale, Bandenkriminalität und Autobrände hatte man sich beinahe gewöhnt in Hamburgs Szenevierteln. Doch nun trifft es auch Bürger und deren Luxuswagen in den gediegenen Wohnlagen - Alarmstufe Rot für den schwarz-grünen Senat. http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,694099,00.html
Das ist doch eine prima Gelegenheit sich einen Elektrostromer zuzulegen. Finanziell sollte dies trotz Ausfall des Verbrenners, kein Hinderungsgrund sein. Motiv könnte unterschiedlich sein, nur finde ich sollten gerade wohlhabende Ihr Geld in vernünftige und zukunftsfähige Technologien investieren. Ich habe null Verständnis für SUV, Porsche und Co. Halter, die mit Ihren Karossen die Atemluft verpesten. Gerade Dieselabgase sind schädlich und lösen Stressreaktionen im Gehirn aus, welche die Leistungsfähigkeit herabsetzen. Das überhaupt noch Verbrenner zugelassen sind, zeigt nur wie steinzeitlich unsere Gesellschaft noch ist. Die Schere zwischen Arm und Reich wächst stetig, was Neid provoziert. Es gibt zuwenig Gerechtigkeit im Lande und unsere Regierung tut in der Hinsicht viel zu wenig. Grundsätzlich sollten alle froh darüber sein, das man körperlich unversehrt geblieben ist. Hier in Berlin werden Frauen hinterrücks bewustlos geschlagen (Schädel Hirn Trauma) und Ihrer Handtasche beraubt.
nurmeinsenf 13.05.2010
Minutiös geplant sein muß da nichts. Solange der/die Täter es nicht auf ein bestimmtes Objekt abgesehen haben, reicht es schlicht und einfach, zu nachtschlafener Zeit mit Grillanzündern und Feuerzeug spazieren zu gehen. Oder [...]
Minutiös geplant sein muß da nichts. Solange der/die Täter es nicht auf ein bestimmtes Objekt abgesehen haben, reicht es schlicht und einfach, zu nachtschlafener Zeit mit Grillanzündern und Feuerzeug spazieren zu gehen. Oder zu radeln. Zugeschlagen wird nur dann, wenn derjenige sich für ein paar Sekunden unbeobachtet fühlt. Schwierig. In der Lage der Ermittler möchte ich nicht stecken.
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