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Ausgabe 19/2010
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Energie Der Höllentrip

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Brennende Ölplattform "Deepwater Horizon": Tyrannei der Tiefe

2. Teil: Schwimmende Monstren dümpeln auf den Ozeanen

Zu den Ölbaronen in Houston, London oder Den Haag halten die nationalen Riesen professionelle Distanz, von westlichen Firmen lassen sie sich nichts mehr sagen. Sie brauchen weder ihr Geld noch ihr Know-how: Wenn sie die neuesten Fördertechniken benötigen, dann engagieren sie Spezialfirmen wie Schlumberger, Halliburton oder eben Transocean.

"Big Oil", wie die alten privaten Konzerne noch immer genannt werden, kontrolliert gerade noch rund zehn Prozent der globalen Öl- und Gasreserven. BP und Co. bleiben nur die aufwendigen, teuren und gefährlichen Projekte. Aus der Not heraus stoßen die Konzerne zu den letzten Grenzen vor, zu Vorkommen, die sonst keiner anfassen mag.

"Dass BP und andere Ölgesellschaften bei der Suche und Erschließung an die technologischen Grenzen gehen müssen, liegt daran, dass ihnen keine anderen Möglichkeiten mehr bleiben", sagt der Geologe Bitzer. Milliarden wurden von den Konzernen investiert, um in früher für undenkbar gehaltene Tiefen vorzudringen. Jede neue Explorationsmethode wird von der Industrie bejubelt, treibt sie doch jenen Zeitpunkt weiter hinaus, an dem der Ölfluss versiegen wird.

Längst haben sich die Ölgesellschaften von Plattformen verabschiedet, die auf dem Meeresboden fest verankert sind. Schwimmende Monstren, sogenannte Halbtaucher, dümpeln auf den Ozeanen, unter sich Kilometer von Wasser. Steigleitungen aus Spezialstahl oder extrem festen Verbundwerkstoffen führen in die stockdunkle Tiefe. Normale Leitungen würden unter ihrem eigenen Gewicht zerbersten.

In 1500 Meter Tiefe ist das Wasser fünf Grad kalt - das Öl jedoch kommt fast kochend aus dem Grund. Extreme Belastungen des Materials sind die Folge.

Und die Ingenieure streben immer weiter hinab. Die 2001 gebaute "Deepwater Horizon" etwa war eine der modernsten Bohrplattformen der Welt. Zwölf Meter hohen Wellen und Winden in Orkanstärke konnte sie trotzen. Sie operierte sogar schon in Tiefen von bis zu 3000 Metern.

Die Risiken sind beträchtlich. "Mit der Tiefe vergrößern sich die technischen Anforderungen an die Bohrung enorm", erklärt Tim Robertson von der Beratungsfirma Nuka Research and Planning Group aus Seldovia in Alaska. Oftmals belasten starke Tiefenströmungen die Steigleitungen. Auch muss das Öl so heiß wie möglich gehalten werden, um zu verhindern, dass darin enthaltenes Erdgas mit dem Seewasser zu sogenannten Gashydraten gefriert und die Leitungen verstopft.

Auf jedem Quadratzentimeter lastet das Gewicht eines Mittelklassewagens

Vor allem der enorme Druck in den unterirdischen Reservoirs macht die Arbeit so gefährlich. Die Ölfirmen bohren in Gesteinen, in denen auf jedem Quadratzentimeter das Gewicht eines Mittelklassewagens lastet. Wird bei der Bohrung in eine solche Öl- oder Gasquelle vorgestoßen, besteht die Gefahr, dass die Brennstoffe explosionsartig und unkontrolliert nach oben schießen.

Die Ingenieure versuchen, diesen gefährlichen "Blowout" zu verhindern, indem sie ständig Bohrwasser in das Bohrloch pressen. Die Spezialflüssigkeit muss unter demselben Druck stehen wie das nach oben drängende Öl und Gas - ein äußerst schwieriges Unterfangen.

Zu einem gefürchteten Blowout ist es vermutlich auch auf der "Deepwater Horizon" gekommen. Grund könnten Zementarbeiten gewesen sein, mit denen Arbeiter der Explorationsfirma Halliburton das Bohrloch zu stabilisieren versuchten. Die Technik ist gefährlich: Beim Aushärten entstehen Risse im Zement, durch die Öl und Gas mit Urgewalt nach oben zischen können. Ein Funken reicht dann - und es kommt zur Explosion.

Ist es wirklich verantwortbar, derlei Risiken einzugehen? Kritiker sagen, die ganze Branche betreibe ein Vabanque-Spiel auf Kosten der Umwelt. Zudem sind die Kosten der Offshore-Bohrungen ebenso astronomisch wie die technischen Herausforderungen. Der Wert der "Deepwater Horizon" lag bei rund 560 Millionen Dollar. Eine Bohrung, wie sie die Ölplattform zum Zeitpunkt des Unglücks vornahm, kostet rund 100 Millionen Euro - und das für ein vergleichsweise winziges Ölfeld, das nur wenige Millionen Barrel enthält.

Und es ist absehbar, dass die Kosten weiter steigen werden: Die Behörden werden vermutlich die Anforderungen an die Sicherheit nach dem Unfall verschärfen. Dann wird sich der Aufwand ultratiefer Bohrungen noch weniger rechnen.

30 Prozent der Gesamt-Ölproduktion aus Offshore-Quellen

Rund 30 Prozent der globalen Ölproduktion werden heute schon aus Offshore-Quellen gewonnen. Allerdings stammen weniger als ein Prozent der Weltproduktion aus Förderanlagen, die in Tiefen von mehr als 1500 Metern vorstoßen. "Für unsere Versorgung spielen sie heute praktisch noch keine Rolle", sagt der Hamburger Ölfachmann Steffen Bukold.

Viele Ölgesellschaften erwarten dennoch, dass die Ölbohrung auf hoher See eine große Zukunft hat. Zwischen 35 und 65 Dollar pro Barrel kostet die Förderung des Tiefseeöls, schätzte die Internationale Energieagentur im vorigen Jahr. Derzeit liegt der Ölpreis schon bei rund 80 Dollar.

"Die Tiefsee-Ölförderung hat sich von einer Herausforderung in eine Chance verwandelt", sagt Riding. Die Gewässer vor Brasilien und vor Westafrika sind für ihn die "Hot Spots" der aufblühenden Offshore-Branche. Auch der Golf von Mexiko galt bislang als attraktives Ziel.

Erst Ende März hatte US-Präsident Obama verkündet, neue Seegebiete vor der Ostküste der USA, nördlich von Alaska und im östlichen Golf von Mexiko, für Offshore-Bohrungen freizugeben. Nach dem Unglück im Golf von Mexiko ruderte er zurück und setzte die Vergabe neuer Bohrlizenzen zunächst aus.

Politisch und ökonomisch steht zu viel auf dem Spiel

Obama könnte die Gelegenheit nutzen, die mit Zugeständnissen an die Ölindustrie gespickte neue Energiegesetzgebung zu überarbeiten, die bald vom US-Kongress verabschiedet werden soll. Doch kaum jemand geht davon aus, dass er auf Dauer einen Rückzieher machen wird. Politisch und ökonomisch steht zu viel auf dem Spiel: Es geht um nahezu 22 Milliarden Barrel Öl, die nach Schätzungen allein in den neuen Förderfeldern zu finden sind - und das in US-Heimatgewässern.

Die Ölindustrie wird wohl ohnehin weitermachen wie bisher - trotz der sich abzeichnenden Ölpest. Anders als etwa bei der Havarie des Tankers "Exxon Valdez" 1989 vor Alaska bahnt sich diesmal eine schleichende Katastrophe an, ein langsames, stilles Sterben der Vögel, Schildkröten und Meeressäuger im Golf von Mexiko. Das Unglück im Zeitlupentempo könnte BP helfen, die Sache bald vergessen zu machen. Auch der finanzielle Schaden wird das Unternehmen kaum umwerfen, selbst wenn er in die Milliarden gehen sollte: Der Gewinn von BP stieg im ersten Quartal auf 5,6 Milliarden Dollar.

Und die nächsten Entdeckungen sind längst gemacht. Vor dem Macondo-Ölfeld, das ihr nun zum Verhängnis wurde, bohrte die "Deepwater Horizon" im 200 Seemeilen westlich gelegenen Keathley Canyon. Im vergangenen September erst trieb sie dort ihren ultraharten Bohrer vom Meeresgrund aus über neun Kilometer tief ins Gestein: Weltrekord. Mehr als drei Milliarden Barrel Öl, schätzt BP, sollen in den dortigen Reservoirs lagern.

"Beyond Petroleum" heißt der verwirrende, aber verblüffend erfolgreiche Werbeslogan des britischen Konzerns. "Jenseits des Öls" - bis dahin wird es wohl noch lange dauern.

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insgesamt 18 Beiträge
nomadas 12.05.2010
Sie wissen es alle -längst- deswegen sind sie ja so aggressiv, weil bald Schluss sein wird, mit dem "Schwarzen Gold". Doch, der etablierte heilige KasinoKapitalismus hat ja verinnerlich: Nichts ist unmöglich...Sie wollen [...]
Sie wissen es alle -längst- deswegen sind sie ja so aggressiv, weil bald Schluss sein wird, mit dem "Schwarzen Gold". Doch, der etablierte heilige KasinoKapitalismus hat ja verinnerlich: Nichts ist unmöglich...Sie wollen es einfach nicht hören: der Planet braucht den Menschen nicht -aber der Mensch den Planeten. Und da der Mensch den Planeten kaputt macht, macht er sich selbst kaputt, basta. Es ist wohl nur eine "question of time". Nun, alle bisherigen Hochkulturen gingen unter, so auch die IndustrieKultur. Komisch ist nur, dass die Mehrheit der Menschen das nicht will. Es sind nur die Eliten, die "happy few", die das Sagen haben, die diesen "Horror an Gier und Größenwahn" dem Rest der Welt aufzwingen. Eine seltsame Spezies, der homo sapiens. Politik ist nur das schauerliche Pseudo-Theater ohne wirkliche Macht. Politiker kommen und gehen, doch die Mächtigen bleiben -unter sich- ! Was das Rest-Öl betrifft, so werden wir wohl Kriege erleben dürfen, sehr bald. Da war das bißchen Irak ein Kinderspiel. Ach ja, nicht zu vergessen, der Kampf um`s Wasser, der steht auch auf der Agenda. Der Jordan ist schon ausgetrocknet! Das passt gut, geostrategisch, denn der Nahe Osten ist wohl der erste Platz für den "show down", wenn`s um Öl und Wasser geht. Einen Feind hat man dort ja schon ausgemacht: Iran! Na prima, dann nix wie los, yes, we can!
onkel hape 12.05.2010
...beschreibt in treffender Weise die ungeheuren Risiken der Meeres-Ölsuche. Man sollte ihn zur Pflichtlektüre für alle politischen Entscheidungsträger machen, die für die Genehmigung dieser riskanten Form der Ölsuche [...]
...beschreibt in treffender Weise die ungeheuren Risiken der Meeres-Ölsuche. Man sollte ihn zur Pflichtlektüre für alle politischen Entscheidungsträger machen, die für die Genehmigung dieser riskanten Form der Ölsuche verantwortlich sind. Danach kann doch kein vernünftiger Mensch diesen ökologisch unverantwortlichen Wahnsinn mehr genehmigen. nomadas hat mit seinem sehr guten Beitrag das Wesentliche zu der Problematik auf den Punkt gebracht. Was homo sapiens = "Krone der Schöpfung" (ha,ha) auf unserem wunderbaren "Blauen Planeten" anrichtet, ist verbrecherisch, strodumm, gnaden-, gewissenlos und grausam. Ein schwacher Trost bleibt, die Menschen (Gottes Ebenbild, welche Hybris!!) werden wie viele Geschöpfe vorher vergehen, sie haben es in ihrer Gier und wegen des mitleidlosen Umgangs mit Flora u. Fauna auch nicht anders verdient. Wenn diese Monster verschwunden sind, wird sich Mutter Erde regenerieren!
timewalk 12.05.2010
Wie wahr. Ice on fire: The next fossil fuel http://www.gasandoil.com/goc/features/fex93342.htm
Zitat von sysopUnd die nächsten Entdeckungen sind längst gemacht. http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,694271,00.html
Wie wahr. Ice on fire: The next fossil fuel http://www.gasandoil.com/goc/features/fex93342.htm
karsten112 12.05.2010
1500m unter der Wasseroberfläche und dann noch mal 4000m tief bohren???? Fragt sich eigendlich niemand wie denn das Öl dort hingekommen ist?? Ach ja, da sind kleine Tierchen und Plankton abgestorben und haben gewartet bis sich [...]
Zitat von sysopDie Ökokatastrophe im Golf von Mexiko zeigt, wie hoch die Risiken der Offshore-Ölförderung sind. In immer größeren Meerestiefen setzen die Konzerne ihre Bohrer an, um der Erdkruste noch die letzten Barrel Öl zu entreißen. http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,694271,00.html
1500m unter der Wasseroberfläche und dann noch mal 4000m tief bohren???? Fragt sich eigendlich niemand wie denn das Öl dort hingekommen ist?? Ach ja, da sind kleine Tierchen und Plankton abgestorben und haben gewartet bis sich 4Km Ablagerungen drüber gelegt haben! Wann merken die Leute denn mal wie sie verarscht werden? Öl ist ist endlich, es wird es immer geben, daß kann man den Leuten natürlich nicht erzählen, denn dann würden die nicht,wie letztes Jahr, 140$ fürs Fass zahlen. Mal in der Mediathek von 3sat ( HiTec ) nach dem Beitrag über Abiotisches Öl schauen, sehr interessant...
gekkogirl 12.05.2010
Bloedsinn und Verschwoerungstheorie. Wenn Sie schonmal mit 4D Seismic, seismischen Daten die im Abstand von mehreren Jahr(zehnt)en ueber demselben Oelfeld genommen und verglichen wurden gearbeitet haetten wuerden Sie diese [...]
Zitat von karsten1121500m unter der Wasseroberfläche und dann noch mal 4000m tief bohren???? Fragt sich eigendlich niemand wie denn das Öl dort hingekommen ist?? Ach ja, da sind kleine Tierchen und Plankton abgestorben und haben gewartet bis sich 4Km Ablagerungen drüber gelegt haben! Wann merken die Leute denn mal wie sie verarscht werden? Öl ist ist endlich, es wird es immer geben, daß kann man den Leuten natürlich nicht erzählen, denn dann würden die nicht,wie letztes Jahr, 140$ fürs Fass zahlen. Mal in der Mediathek von 3sat ( HiTec ) nach dem Beitrag über Abiotisches Öl schauen, sehr interessant...
Bloedsinn und Verschwoerungstheorie. Wenn Sie schonmal mit 4D Seismic, seismischen Daten die im Abstand von mehreren Jahr(zehnt)en ueber demselben Oelfeld genommen und verglichen wurden gearbeitet haetten wuerden Sie diese Theorie ebenfalls nicht glauben. gekkogirl, die zwar noch nicht in dieser Tiefe, aber immerhin mehrere 30.000ft lange horizontale Oelbrunnen gebohrt hat.
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