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Ausgabe 20/2010
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17.05.2010
 

StudiVZ

Das Provinz-Netz

Von Martin U. Müller

Konkurrenzkampf: StudiVZ vs. Facebook
Fotos
Corbis

StudiVZ war bislang eine der wenigen deutschen Erfolgsgeschichten im Netz. Doch der große US-Konkurrent Facebook setzt dem Netzwerk kräftig zu. Der Kampf um die Marktführerschaft scheint schon entschieden, bevor er richtig begonnen hat.

Einen "echten Ost-Schuppen" hatte Clemens Riedl anmieten lassen, zum Reden, Trinken und Tanzen. Der Geschäftsführer der Netz-Community StudiVZ wollte seine Leute mitreißen und "auf Kurs bringen".

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Die Stimmung jedenfalls war gut an diesem Abend in Berlin, weit besser als die Lage. Denn die VZ-Netzwerke (StudiVZ, SchülerVZ, MeinVZ) sind vom Kurs abgekommen, der sie einst innerhalb weniger Jahre zum Liebling junger deutscher Internetnutzer werden ließ.

Die Zahl der Anhänger stagniert fast, insgesamt haben die VZs in Deutschland nach eigenen Zahlen 16,6 Millionen registrierte Mitglieder. Doch der US-Rivale Facebook wächst und wächst. Mehr als 400 Millionen Mitglieder hat er inzwischen, in Deutschland sind es zwar erst geschätzte 9 Millionen, aber auch hier zeigt die Kurve steil nach oben.

Und die Facebook-Kunden tummeln sich viel länger und intensiver in ihrem Netzwerk. Die US-Community steht inzwischen für polyglotte Akademiker, StudiVZ dagegen versprüht den Charme einer Fachhochschule in den Semesterferien.

Eine eindeutige studentische Zielgruppe

Wer verstehen will, worin die Probleme bestehen, muss nur die Nachrichten lesen, die VZ-Nutzer an ihre Netzwerk-Bekanntschaften schicken, bevor sie austreten. Julia Risch, 25, zum Beispiel war einige Monate in Australien und schrieb von dort: "Ich bin nun stolze Besitzerin eines Uni-Abschluss-Zeugnisses und schon seit einer ganzen Weile kein Fan von StudiVZ mehr. Ich melde mich ab. Ihr erreicht mich übers Handy oder Facebook."

Das Netzwerk stößt inzwischen auf eine Reihe von Hindernissen:

Durch die Namensgebung spricht StudiVZ eine eindeutige studentische Zielgruppe an, das war ursprünglich Teil des Erfolgsgeheimnisses. Doch mit der Expansion in andere Nutzergruppen entstand ein Namensproblem. Mit dem Studienabschluss endet für viele auch der Drang, StudiVZ zu nutzen.

Die Technologie: VZ gilt als technisch veraltet. Kleine Zusatzprogramme kommen erheblich langsamer als bei Facebook ins Angebot, beliebte Spiele wie "Farmville" gibt es nicht.

Die fehlende Internationalität: Was bei Schülern noch ganz gut funktioniert (ein Großteil der Schüler nutzt SchülerVZ), genügt schnell nicht mehr. Internationale Bekanntschaften lassen sich per VZ nur schwer knüpfen - das Netzwerk ist und bleibt im Kern deutschsprachig. Die Expansion in andere Länder scheiterte.

Der Datenschutz

Der Datenschutz: Nach verschiedenen, VZ-intern auch mal "PR-Krisen" genannten Aufmerksamkeitswellen rund um die Änderung von Allgemeinen Geschäftsbedingungen oder Versuchen von außen, an Nutzerdaten zu kommen, legten sich viele Nutzer Pseudonyme zu. Mitglieder können so nur schwer von anderen gefunden werden. Julia Risch etwa änderte ihren Namen in "Julia R.".

Für das Markennamen-Problem haben die Betreiber eine ebenso radikale wie einfache Lösung gefunden. "Parallel zu den drei bestehenden Marken werden wir auch noch eine starke Dachmarke aufbauen", sagt Michael Brockhaus, Chef der Firma Holtzbrinck Digital, zu der StudiVZ gehört.

Auch technologisch will die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck ("Die Zeit", Rowohlt Verlag) aufrüsten. Dieser Sprung ist überfällig, innovativ ist er nicht. Dabei will man jedoch technisch nicht zu kompliziert werden. "Wir wollen klar, übersichtlicher und einfacher zu bedienen sein", sagt VZ-Mann Riedl. So erreiche man auch Zielgruppen, denen Facebook schlicht zu komplex sei.

Bei Holtzbrinck sieht man eher zwangsläufig die Zukunft des Netzes im Lokalen: Schüler und Studenten sollen durch Veranstaltungskalender oder virtuelle Stundenpläne an das Netzwerk gebunden werden. Regionalzeitungen oder Vereine können "Edelprofile" kaufen und auf eigene Angebote verweisen, regionale Konzertveranstalter Tourdaten kommunizieren.

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insgesamt 74 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
23.05.2010 von janman23: Oh toll, Selbstauskünfte über Datenschutz

Zitat aus dem Artikel: "Selbst in Anbetracht der provokanten Fragestellung fielen die Antworten überraschend negativ aus: 60 Prozent der 1588 Befragten gaben an, es sei möglich oder sehr wahrscheinlich, dass sie Facebook [...] mehr...

23.05.2010 von Zecher: Nur mal nebenbe

Facebook ist auch nur eine Kopie und hat die Idee geklaut. Sie wurden verklagt und mussten 60 Mio USD in einem Vergleich zahlen. FB - User verdrängen das gerne. Das hier ist auch noch interessant: [...] mehr...

23.05.2010 von Andreas Rolfes: Doof

Warum StudiVZ doof ist? Ganz klar: Weil jeder auch ohne Hochschulreife reinkommt. Zum Glück gibt es speziellere und exklusiver Studentenentzwerke. mehr...

22.05.2010 von hermanngaul:

Das glaube ich nicht, Sie wollen allen Ernstes eine Art moralische Instanz ins Leben rufen, indem Sie "Kreative", welche sich mit der Angabe einer Fantasieuni einen studivz-account "erschleichen" als Lügner [...] mehr...

22.05.2010 von hermanngaul: Wm-Titel

Keine Sorge, Sie MÜSSEN in keinem einzigen VZ sein. Es gibt keinen Zwang, den Sie sich hingeben müssten. Es gibt tatsächlich Menschen, welche miteinander kommunizieren ohne VZ oder Facebook oder werkenntwen oder 123people o. ä. mehr...

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StudiVZ: Erfolge und Probleme des Studi-Netzwerks

Ehssan Dariani hat die Studenten-Community StudiVZ 2005 gegründet. Zuerst investierten Lukasz Gadowski und Matthias Spiess, später wurde StudiVZ vor allem von den Gebrüdern Samwer finanziert - bekannt für die Klingeltonfirma Jamba - und vom Venture-Capital-Arm des Holtzbrinck-Verlags ("Die Zeit", "Handelsblatt"). Im Januar 2007 übernahm Holtzbrinck StudiVZ. Derzeit haben die Plattformen studiVZ.net, schuelerVZ.net und meinVZ.net nach eigenen Angaben mehr als 15 Millionen Nutzer, (6 Millionen studiVZ, 5,5 Millionen Schüler im schülerVZ, 4 Millionen Nutzer bei meinVZ; Stand: April 2010).

Facebook: Das Weltnetz

Mitglieder

Facebook
Facebook ging Anfang 2004 als soziales Netzwerk für Harvard-Studenten online. Zunächst konnten nur Menschen mit E-Mail-Adressen ausgewählter US-Hochschulen Mitglieder werden, seit 2006 ist die Seite für alle Über-13-Jährigen offen. Nach Angaben von Goldman Sachs hatte Facebook Anfang 2011 600 Millionen Mitglieder weltweit, nach eigenen Angaben loggt sich jeden Tag die Hälfte von ihnen auf der Seite ein (Stand: Januar 2011).

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