ThemaStudiVZRSS

Alle Artikel und Hintergründe

AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 20/2010
  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
 

StudiVZ Das Provinz-Netz

Konkurrenzkampf: StudiVZ vs. Facebook
Fotos
Corbis

2. Teil: Das prominente Gesicht der sozialen Netzwerke

Durch solche Dienste könnten die VZler noch genauer lokale Daten erheben, die durch maßgeschneiderte Werbung oder andere Dienste zu Geld gemacht werden könnten.

Das Thema ist heikel, es berührt den Datenschutz, und erstaunlicherweise hat StudiVZ damit mehr Probleme, obwohl Facebook mit den Nutzerdaten weit freizügiger umgeht. Bei den Amerikanern sind - anders als bei VZ - Nutzerprofile für Google einsehbar, und Facebook-Gründer Mark Zuckerberg sagte kürzlich gar, Datenschutz sei Schnee von gestern.

Zuckerberg, 26, ist das prominente Gesicht der sozialen Netzwerke und damit ein Held der Szene und Branche zugleich. Das Image strahlt auch auf sein Produkt ab. Holtzbrinck fehlt ein vergleichbares Bühnengesicht.

Der Verlag hatte StudiVZ 2007 mit geschätzten 85 Millionen Euro wohl völlig überbewertet. Der Verlagskonzern versprach sich viel von seiner Neuerwerbung, doch bisher konnte er mit dem Online-Medium wenig anfangen. Dabei ist die vielversprechende Aufbruchsphase gerade einmal vier Jahre her.

Wichtig fürs Image

Kolja Hebenstreit, 26, war einer der allerersten Nutzer, ist Freund der Gründer und einer der ersten StudiVZ-Investoren. Heute sitzt er in einer Büroetage in Berlin-Mitte. Hebenstreit war damals mit auf der Studentenparty, die zur Geburtsstunde von StudiVZ werden sollte. Es war im Sommer 2005 in Pittsburgh, und die schönsten Mädchen der Party waren Mitglieder beim damals noch jungen US-Netzwerk Facebook. Drei Jungs entwickelten daraufhin ein ähnliches Netzwerk in Deutschland, im Winter ging StudiVZ online. Als Holtzbrinck 2007 das Netzwerk übernahm, verkaufte Hebenstreit seine Anteile.

"Das Produkt ist nicht wirklich weiterentwickelt worden", sagt Hebenstreit. Verbesserungen seien nur "Das haben wir jetzt auch"-Funktionen gewesen.

Holtzbrinck hält sich StudiVZ, wie sich Luxusmarken teure Boutiquen in den nobelsten Einkaufsstraßen der Welt leisten: Das Geschäft lohnt sich mitunter nicht, ist aber wichtig fürs Image. Der bekannte Name soll auf andere Digital-Investments des Verlagshauses abstrahlen. So wurde das Shopping-Portal brands4friends auch über VZ bekannt.

"Natürlich soll VZ kein Zuschussgeschäft sein. Wenn man dauernd Geld verbrennt, dann raubt das Spielraum", sagt Brockhaus. Und mittlerweile geht es den VZ-Netzwerken finanziell gesehen gar nicht mehr so schlecht. In manchen Monaten werden geschätzt rund 1,8 Millionen Euro Umsatz erzielt, man sei "auf Monatsbasis break even". Doch gibt es überhaupt reelle Chancen, den Kampf gegen Facebook zumindest in Deutschland langfristig zu gewinnen?

Facebook setzt die technischen Standards

Die Holtzbrinck-Manager sind sich nicht mehr sicher. Es sei jedoch sehr schwer, heißt es im Konzern, den Berliner VZ-Mitarbeitern klarzumachen, dass Facebook nicht mehr ein Konkurrent auf Augenhöhe sei, gegen den sich ein Kampf lohne.

"Facebook setzt die technischen Standards und übt damit Druck auf die Branche aus", sagt Geschäftsführer Brockhaus. "Letztendlich richtet sich das doch aber nicht gegen uns, sondern mittlerweile gegen Google." Und tatsächlich hat Facebook längst eine ganz neue, größere Kampfarena betreten.

Facebook expandiert ins gesamte Internet, immer mehr Web-Seiten integrieren den Facebook-Button "Gefällt mir". Klickt man nun beim Besuch einer Seite auf diesen Knopf, erscheint die Empfehlung automatisch im Newsstream des Netzwerks. Freunde sehen unmittelbar, welche Inhalte durch den Mausklick für gut befunden wurden. Das ist nicht unproblematisch, denn auch Facebook weiß, welcher Nutzer wann welche Web-Seite besucht hat. Das lässt Werbevermarkter träumen - und alarmiert Datenschützer.

Um in diesem Kampf der Riesen auch nur im Ansatz mithalten zu können, fehlt es der VZ-Gruppe an Kooperationen, Entwicklern - und Millionen.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live
insgesamt 74 Beiträge
dent42 21.05.2010
Macht Sinn, lieber das schlechte Original als die noch viel schlechtere Kopie.
Macht Sinn, lieber das schlechte Original als die noch viel schlechtere Kopie.
smartie2004 21.05.2010
..StudiVZ trotzdem nicht abschreiben. Eine Plattform für ASCII Bildchen hat auch ihren Nutzen.
..StudiVZ trotzdem nicht abschreiben. Eine Plattform für ASCII Bildchen hat auch ihren Nutzen.
Daniele 21.05.2010
Also einer meiner Hauptgründe, aus VZ auszutreten, oder es zumindest auf Eis zu legen, war tatsächlich die fehlende Internationalität. Ich wollte nie zu FB, da bin ich ehrlich. Aber seit über 1,5 Jahren lebe ich nun im Ausland [...]
Also einer meiner Hauptgründe, aus VZ auszutreten, oder es zumindest auf Eis zu legen, war tatsächlich die fehlende Internationalität. Ich wollte nie zu FB, da bin ich ehrlich. Aber seit über 1,5 Jahren lebe ich nun im Ausland und habe viele Menschen kennengelernt, zu denen ich immer wieder Kontakt finde über FB. Studivz kennen nur die Deutschen, die ich hier treffe, und von denen wiederrum ist, aus dem gleichen Grund wie oben genannt, kaum noch einer bei VZ. Zum anderen ist es aber wirklich irgendwie tot. Der sog. "Buschfunk", von VZ eingeführt um die ständig durchlaufende und sich aktualisierende Hauptseite von FB zu kopieren, läuft nur nebenher und ist quasi tot. Es ist ein bischen, wie wenn man von einer tobenden Hauptstadt in ein Provinznestchen geht, wo man zwar immer noch einige Bekannte trifft, die dann aber meist gerade schlafen oder mit sich selbst in irgendeiner Form beschäftigt sind. Mir tut es leid für VZ, auch da sie dies wohl ihrer zumindest stärkeren Korrektheit im Bezug auf Datenschutz zu verdanken haben, dass sie bald nur noch eine Erinnerung sein werden wie der Walkmann: damals revolutionär, heute vollkommen überholt.
shatreng 21.05.2010
Passend zu dem Thema social networks eine treffende southparkfolge (völlig legal): http://www.southpark.de/alleEpisoden/1404/?lang=
Passend zu dem Thema social networks eine treffende southparkfolge (völlig legal): http://www.southpark.de/alleEpisoden/1404/?lang=
kaba06 21.05.2010
...2010 ist man im Internet mit 24 Millionen Euro Umsatz im Jahr schon wieder eine nationaler Champion. Und die höchst zweifelhaften Nutzerzahlen und Aktivitätsindices von Facebook werden auch begeistert wiedergekäut. Jeder zehnte [...]
...2010 ist man im Internet mit 24 Millionen Euro Umsatz im Jahr schon wieder eine nationaler Champion. Und die höchst zweifelhaften Nutzerzahlen und Aktivitätsindices von Facebook werden auch begeistert wiedergekäut. Jeder zehnte Deutsche ist also Facebook Nutzer?! Und jeden Tag stundenlang aktiv?! Selbst mit den dort vorhandenen Online Spielen ist das doch einfach physikalisch nicht möglich....
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
alles aus der Rubrik Web
alles zum Thema StudiVZ

© DER SPIEGEL 20/2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Aus dem SPIEGEL

Sie lesen einen Text aus dem
SPIEGEL 20/2010 - entdecken Sie
weitere Top-Themen aus dem Heft:

  • - Entführung in die Freiheit: 50 DDR-Bürger strandeten 1978 im Kapitalismus
  • - Megaprojekt Desertec: Der Traum vom Wüstenstrom aus Afrika
  • - Angst um Chinas Kinder: Die Folgen der Ein-Kind-Politik
  • - Teure Krebsmedizin: Hoher Preis und wenig Nutzen


StudiVZ: Erfolge und Probleme des Studi-Netzwerks
Ehssan Dariani hat die Studenten-Community StudiVZ 2005 gegründet. Zuerst investierten Lukasz Gadowski und Matthias Spiess, später wurde StudiVZ vor allem von den Gebrüdern Samwer finanziert - bekannt für die Klingeltonfirma Jamba - und vom Venture-Capital-Arm des Holtzbrinck-Verlags ("Die Zeit", "Handelsblatt"). Im Januar 2007 übernahm Holtzbrinck StudiVZ. Derzeit haben die Plattformen studiVZ.net, schuelerVZ.net und meinVZ.net nach eigenen Angaben mehr als 15 Millionen Nutzer, (6 Millionen studiVZ, 5,5 Millionen Schüler im schülerVZ, 4 Millionen Nutzer bei meinVZ; Stand: April 2010).
Facebook: Das Weltnetz
Facebook
Facebook ging Anfang 2004 als soziales Netzwerk für Harvard-Studenten online. Zunächst konnten nur Menschen mit E-Mail-Adressen ausgewählter US-Hochschulen Mitglieder werden, seit 2006 ist die Seite für alle Über-13-Jährigen offen. Nach Angaben von Goldman Sachs hatte Facebook Anfang 2011 600 Millionen Mitglieder weltweit, nach eigenen Angaben loggt sich jeden Tag die Hälfte von ihnen auf der Seite ein (Stand: Januar 2011).





TOP



TOP