Von Barbara Hardinghaus und Dialika Krahe
Die Liebe von Mara und Paul begann an einem Dezembertag, um 10.01 Uhr, mit einem Eintrag auf Pauls Online-Profil: "Baby du bist so PORNO", stand dort in rosafarbener Schrift auf schwarzem Untergrund, und es blinkte; daneben ein "Hihi ...", dazu drei gelbe Smileys.
Paul war das egal. Seit er seine Zahnspange los war, bekam er öfter solche Nachrichten von Mädchen geschickt, und trotzdem wollte er wissen, wer ihm schrieb, Profilname Italo-Latina.
"Cooler spruch, grins, grins", schrieb 1Tyrone1, das war Pauls Name in diesem Forum, er saß an einem kleinen Kiefernholzschreibtisch in seinem Zimmer vor dem Bildschirm und wartete auf ihre Antwort. Mara saß im Internetcafé.
Sie hätten danach miteinander reden können, sie sahen sich ja jeden Tag auf dem Pausenhof ihrer Schule, aber wenn sie sich begegneten, schwiegen sie, sie unterhielten sich nur im Netz.
Mara: "ya wenn ich bloß nen freund hätte frown ... kein freund seuftz ..."
Paul: "ich find dich voll nett smile. und ich kann gut kochen smile."
Mara: "jetz hab ich mich verliebt."
Nach 25 Tagen und vier bis zehn Nachrichten am Tag, nach vielen Smileys und Herzen, verabredeten sie sich für den Tag nach Heiligabend, am Alexanderplatz in Berlin, unter der Weltzeituhr, im echten Leben. Es war der Beginn einer Liebe aus einer neuen Zeit.
Vernetzt sind fast alle
Mara und Paul gehören zu einer Generation von Jugendlichen, die mit dem Internet aufgewachsen ist. Jugendliche, die mit elf Jahren ihren ersten Computer hatten und mit zwölf Jahren ihr erstes Online-Profil.
98 Prozent der Jungen und Mädchen zwischen 12 und 19 Jahren sind vernetzt. Das Internet begleitet sie wie ein bester Freund; sie vertrauen ihm ihre Geheimnisse an, er berät sie, er klärt sie auf, weiß alles über erste Liebe und Sexualität, und er stellt, anders als die Eltern, keine peinlichen Fragen.
Nie zuvor in der Geschichte hatten Jugendliche aber auch so ungehinderten Zugang zu pornografischen Inhalten. Wer bei Google das Stichwort "Sex" eingibt, landet mit einem Klick auf Hardcore-Seiten. Sie sind kostenlos, und die meisten von ihnen wollen auch nicht einmal wissen, wie alt die Nutzer sind. Worte wie "Gangbang" und "Analverkehr" sind unter Teenagern so geläufig wie Tokio Hotel oder "DSDS", und die Frage, wie die unzensierte Bilder- und Informationsflut ihre Liebe und Sexualität beeinflussen könnte, beschäftigt Wissenschaftler und Pädagogen.
1998 hatte der SPIEGEL eine Umfrage in Auftrag gegeben, 700 repräsentativ ausgewählte Jugendliche zwischen 12 und 19 Jahren wurden gefragt, was sie über Sex wissen und woher sie ihr Wissen haben. Zu den Ergebnissen damals gehörte, dass sie viel wussten. Sie konnten erklären, wozu ein Dildo gut ist, dass eine Vagina keine griechische Liebesgöttin ist, und sie konnten beantworten, wer bei der Missionarsstellung oben und wer unten liegt. Sie waren aufgeklärt und mussten sich ihr Wissen nicht mehr, wie die Generationen zuvor, vorsichtig zusammensuchen; es gab TV-Magazine wie "peep!" oder "Liebe Sünde", an manchen Tagen liefen Sendungen wie "Sex ist mein Hobby" im Privatfernsehen. Das war damals alles gewesen.
Gibt es die "Generation Porno" wirklich?
Auf die Frage "Wo hast du am meisten über Sexualität erfahren?" sagten die meisten: "aus Zeitschriften/Büchern". Sie galten als die "Aufgeklärten", aber schon vier Jahre später, 2002, waren sie die "Unaufgeklärten". Mittlerweile hatte sie das Internet erreicht, es hatte sie nun eingeholt mit all den Bildern, die sie vorher nicht kannten.
Sie begannen, in Suchmaschinen Wörter einzugeben wie "Titten" und "Ficken", die "Abgeklärten" nannte der "Stern" sie im Februar 2004, sie waren die coolen Konsumenten vom Sex im Netz, 14-, 15-, 16-jährig. Und noch einmal drei Jahre später, Anfang 2007, hieß der neue Begriff für die Jugend "Voll Porno". Deutschland debattierte über die Pornografisierung der Jugendlichen, über ihre sexuelle Verwahrlosung, weil sie sich in der Schule Sexfilme auf ihrem Handy ansahen - und sich manchmal selbst beim Sex filmten.
Sie gehörten zur "Generation Porno", so zumindest beschrieben es Zeitungen und Zeitschriften. Ein Idol dieser Zeit ist Lady Gaga, eine Sängerin, die meistens halbnackt auftritt. Vor gut anderthalb Jahren rief ein Berliner Pastor, der Jugendliche betreut, "Deutschlands sexuelle Tragödie" aus. In einem Buch beschrieb er die schlimmsten Fälle, er kennt einen 15-Jährigen, der drei Frauen geschwängert hat, und eine Elfjährige, die dachte, sie sei hässlich, weil sie noch nie Sex gehabt hatte.
Was erzählen solche Geschichten über eine Generation? Was unterscheidet die Geschichte von Paul und Mara von den Geschichten ihrer Eltern?
In jedem Fall ist die Antwort nicht so einfach, wie es der Berliner Pastor gern hätte. So wenig wie es Allgemeingültigkeiten über eine Generation gibt, so wenig kann die Rede sein von einer "Generation Porno". Unstrittig ist, dass Pornografie das sexuelle Selbstverständnis junger Menschen beeinflusst, manchmal subtil, manchmal brachial.
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Einfach lesen. Hat seit 1970 in Europa kontinuierlich abgenommen. http://de.wikipedia.org/wiki/Teenagerschwangerschaft Diese bescheuerten und pauschalen Sshreckensmeldungen können einem schon auf den Geist gehen, vor allem, [...] mehr...
Dramatisch kann ich diese Entwicklung nun wirklich nicht gerade nennen: http://www.diesie.at/export/sites/fsw/diesie/bilder/factsheets/Teenagerschwangerschaften.jpg oder diese? [...] mehr...
Ihre Aussage, es gebe keine Zunahme bei den Teenagerschaften, ist schon wiederholt als Falschaussage entlarvt worden. Fragen Sie mal die englischen Behörden, die sich kaum noch zu helfen wissen, was sie mit den ganzen [...] mehr...
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