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Ausgabe 22/2010
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Gedenken Mielkes verlassene Stadt

Berlin: Was von der Stasi-Zentrale übrig blieb
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DPA

2. Teil: "Eine staatliche Behörde sollte man nicht durch eine andere ersetzen"

Drieselmann auf seiner Couch in Lichtenberg lacht heiser, wenn er das hört. Ein Anhängsel sollen sie werden, ein weiteres Ausstellungsstück möglicherweise: die letzten Bürgerrechtler.

Ein Dokumentations- und Bildungszentrum, zusammen mit den Beamten der Birthler-Behörde? "Wäre ein Aufarbeitungskombinat", sagt er, "eine staatliche Behörde sollte man nicht durch eine andere ersetzen."

Mit der DDR hat sich Drieselmann schon früh angelegt. Mit 18 Jahren kam er ins Gefängnis, später wurde er von der Bundesrepublik freigekauft. Er lebte nicht mehr in der DDR, aber er blieb ein DDR-Dissident, gleich nach dem Ende der Diktatur kam er zurück.

Vielleicht fällt es ihm deshalb so schwer, sich aus der Rolle des Oppositionellen zu lösen. Am liebsten wäre ihm, es bliebe alles, wie es ist. Er würde einfach gern weiter sein Museum leiten, mit den 34 Leuten vom Verein, nicht mit der Behörde - und weiter Besuchergruppen durchs Haus führen, auf seine Art. Drieselmann hat keine moderne Museumstechnik, aber er kann Geschichten erzählen. Die "interaktiven Elemente" im Museum sind die Führungen von ihm und seinen Mitarbeitern.

"Eine Stadt muss doch auch wieder leben"

Und das hat bislang gereicht. 2009 sind 100.000 Besucher in sein Museum gekommen. Von Jahr zu Jahr sind die Zahlen gestiegen, vor allem seit 2006, da lief "Das Leben der Anderen" im Kino. Einige Szenen aus dem Stasi-Film wurden in der Mielke-Etage gedreht.

Drieselmann hat sich gesträubt gegen den Bund und sein "Gedenkstättenkonzept", er hat wütende Briefe geschrieben, Forderungen gestellt, den Auszug zum 31. Mai verweigert. Doch die Beamten aus dem Kanzleramt verweisen kühl auf den Bundestagsbeschluss. Ab Juni bekommt sein Museum keine öffentlichen Gelder mehr, zwei Drittel des Etats sind dann weg.

Allzu lange hat sich kaum etwas bewegt im Streit Drieselmanns gegen die Bundesrepublik, während das Gelände rund um Haus 1 verkommt und den Bezirk Lichtenberg belastet.

"Eine Stadt muss doch auch wieder leben", sagt Andreas Geisel. Er steht neben der Imbissbude gegenüber dem Museum, das hier ist sein Bezirk. Er ist Stadtrat seit 15 Jahren, ein SPD-Mann in Jeans und blauem Jackett, in Lichtenberg aufgewachsen, zuständig für Bau, für die Zukunft also, nicht die Vergangenheit. Er will, dass sein Viertel endlich den alten Ruf loswird, das Image "Stasi / Neonazis / Plattenbau", wie er selbst sagt.

Leerstand führe zu Verfall und Vandalismus

Der Bezirk habe sich sonst gut entwickelt, die meisten Platten seien saniert, es gebe viel Grün, viele Familien, sagt er. Dann schaut er auf die Stasi-Gebäude um sich herum: 101.000 Quadratmeter Bürofläche, die Hälfte davon schon heute leer, demnächst steige die Quote wohl auf 90 Prozent. So kann es nicht weitergehen, sagt Geisel, Leerstand führe zu Verfall und Vandalismus, "das strahlt auf die Umgebung aus".

Geisel hat schon viele Vorschläge gehört. Studenten der Technischen Universität Cottbus haben gerade Pläne für das Gelände entworfen, sie wollen Wohnungen aus den Büros machen oder einen Park anlegen. Es waren auch schon mal Künstlerateliers oder Probenräume für Bands im Gespräch. Geisel zuckt mit den Schultern, "so viele Künstler oder Bands müssen Sie erst mal finden".

Der Bau-Stadtrat hätte sich eher eine große Behörde in den Bürohäusern vorstellen können. Zum Beispiel den Bundesnachrichtendienst (BND) als Nachmieter der Stasi, eine tollkühne bis trotzige Idee und vor allem völlig chancenlos. Der BND baut jetzt für insgesamt 1,5 Milliarden Euro eine Zentrale in Berlin-Mitte.

Deshalb soll nun ganz neu gedacht werden. Geisel will das Gelände zum Sanierungsgebiet machen, wenn alles gutgeht und der Berliner Senat zustimmt, könnte es noch diesen Sommer klappen. Als Erstes soll es dann einen internationalen Architekturwettbewerb geben.

Einfach weg mit der ganzen unnützen Stasi-Stadt

Geisel möchte den Ergebnissen nicht vorgreifen. Zumal sich die von Leerstand geplagte Hauptstadt mit Investoren derzeit schwertut. Der Stadtrat könnte sich deshalb auch vorstellen, dass man ganze Häuser abreißt, dass bald nichts mehr so aussieht wie früher. Einfach weg mit der ganzen unnützen Stasi-Stadt.

Nur Haus 1 wird ganz sicher bleiben, das Museum mit dem Mielke-Büro, es steht unter Denkmalschutz. Drieselmann und die Bundesregierung müssen eine Einigung finden, die Zeit drängt, das Dach ist undicht, im Keller steht schon Wasser. Außerdem ist gerade Geld für die Sanierung vorhanden, elf Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket zur Stützung der deutschen Volkswirtschaft. Die Bauarbeiten müssen schnell beginnen, sonst bekommt ein anderes Projekt das Geld.

Die Beamten von Kulturstaatsminister Neumann versuchen nun eine Annäherung. In einem neuen "Grobkonzept" schlagen sie Drieselmann vor, dass sein Verein und die Birthler-Behörde je eine Etage im Haus 1 bekommen und der Verein weiter die Mielke-Etage betreut. Außerdem sollen beide Seiten "in Einstimmigkeit" ein neues Gesamtkonzept erarbeiten. Es sieht wie ein vergleichsweise gutes Angebot aus.

Aber Drieselmann, der alte Bürgerrechtler, hadert noch. Er will jetzt die Baupläne sehen, er will mitbestimmen über die Sanierung, "bis ins Detail", sagt er. Es fällt ihm einfach schwer, der Staatsmacht zu vertrauen.

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insgesamt 13 Beiträge
semipermeabel 05.06.2010
Das Schlaglicht des Spiegel- Beitrages: *"Und um die Deutungshoheit über die DDR-Geschichte..."* Ich bin gespannt, wer da was deutet.
Zitat von sysopDas alte Stasi-Hauptquartier in Berlin-Lichtenberg verfällt, die meisten Gebäude stehen leer. Jetzt streiten Bürgerrechtler, der Bund und Lokalpolitiker über die Zukunft des Geländes - und den richtigen Umgang mit der DDR-Vergangenheit. http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,697796,00.html
Das Schlaglicht des Spiegel- Beitrages: *"Und um die Deutungshoheit über die DDR-Geschichte..."* Ich bin gespannt, wer da was deutet.
micheldeutsch 05.06.2010
Ich würde vorschlagen, die Büros wieder einzurichten und die alten Holzköpfe und deren Nachfolger dort anzusiedeln. Dann kann jeder am Morgen sehen, wer dort ein- und ausgeht und wer seine Spitzeldienste wieder aufgenommen [...]
Zitat von sysopDas alte Stasi-Hauptquartier in Berlin-Lichtenberg verfällt, die meisten Gebäude stehen leer. Jetzt streiten Bürgerrechtler, der Bund und Lokalpolitiker über die Zukunft des Geländes - und den richtigen Umgang mit der DDR-Vergangenheit. http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,697796,00.html
Ich würde vorschlagen, die Büros wieder einzurichten und die alten Holzköpfe und deren Nachfolger dort anzusiedeln. Dann kann jeder am Morgen sehen, wer dort ein- und ausgeht und wer seine Spitzeldienste wieder aufgenommen hat. Alle hauptamlichen und nebenamtlichen Mitarbeiter dürften dann nur die Hintertüre benutzen, damit man sie nicht so schnell erkennt.
Lochblech.19 05.06.2010
Die Opfer des DDR-Regimes haben einen anständigeren Umgang verdient als in den stasivermieften Räumen gewürdigt zu werden. Die Unmenschlichkeit der Stasitruppe benötigt eher einen gut aufbereitet Ort, den auch nachfolgende [...]
Die Opfer des DDR-Regimes haben einen anständigeren Umgang verdient als in den stasivermieften Räumen gewürdigt zu werden. Die Unmenschlichkeit der Stasitruppe benötigt eher einen gut aufbereitet Ort, den auch nachfolgende Generationen anspricht, zur politischen Bildung beiträgt. Das müssen dann nicht mehr zwingend die Originalorte sein. Es ist eher zu befürchten das den Gestrigen, und die gibt es reichlich, einen Wahlfahrtsort eingerichtet wird.
woscha 05.06.2010
Historie der Immobilien sollte man diese kostenlos dem Zentralrat der Muslime überlassen. Auch wäre viel Platz für umfangreiche und ununterbrochene Gebetshandlungen, sowie jeder Menge Schulungsräume der nunmehr endlich auch [...]
Zitat von sysopDas alte Stasi-Hauptquartier in Berlin-Lichtenberg verfällt, die meisten Gebäude stehen leer. Jetzt streiten Bürgerrechtler, der Bund und Lokalpolitiker über die Zukunft des Geländes - und den richtigen Umgang mit der DDR-Vergangenheit. http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,697796,00.html
Historie der Immobilien sollte man diese kostenlos dem Zentralrat der Muslime überlassen. Auch wäre viel Platz für umfangreiche und ununterbrochene Gebetshandlungen, sowie jeder Menge Schulungsräume der nunmehr endlich auch hierzulande dringend erforderlichen Religionspolizei. Im Erdgeschoß könnte man diverse Burka - und Kopftuch - Nähereien unterbringen, und in den Obergeschoßen die Labors für die Experimente der diversen Unterhosen - und sonstigen Selbstmordattentäter, sowie allen, die es werden wollen. Das Lager für Sprengstoffe, Äxte, Messer und der sonstigen, spezifischen Ausrüstung könnte man in einem Nebengebäude einrichten, selbstverständlich vorher feuerpolizeilich geprüft. Selbstverständlich hat diese Überlassung kostenfrei zu sein, denn es ist den Gläubigen ja nicht zuzumuten, daß sie von ihrem bißchen ARGE-Schotter auch noch Miete bezahlen :-)
KurtFolkert 05.06.2010
Wie bei der neuen Reichskanzlei. Einfach abreißen und gut ist. Einen Gedenkstein kann man noch davor setzen, aber das reicht dann auch schon. Es sei denn, man kann einen Plan schmieden, wie der Zementkloß sinnvoll genutzt werden [...]
Wie bei der neuen Reichskanzlei. Einfach abreißen und gut ist. Einen Gedenkstein kann man noch davor setzen, aber das reicht dann auch schon. Es sei denn, man kann einen Plan schmieden, wie der Zementkloß sinnvoll genutzt werden kann und auch optisch ansehnlicher würde. Da sehe ich aber Schwarz.. schließlich bekommen die in Berlin andere historische Bauwerke auch nicht auf Kurs ^^
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Parteienystem der DDR
Die Sowjetische Militäradministration ließ mit ihrem Befehl Nr. 2 vom 10. Juni 1945 zwar schon frühzeitig die Bildung von Parteien zu (die KPD, die SPD, die CDU und die LDPD). Sie tat dies jedoch vor allem, um die Richtung der Parteien von vornherein steuern zu können. Nachdem es kurzfristig so ausgesehen hatte, als könnten die Kommunisten einen eigenständigen deutschen Weg zum Sozialismus einschlagen, wurde jedoch bald deutlich, daß die sowjetische Führung nicht willens war, in ihrer Besatzungszone Parteien mit unterschiedlichen Konzeptionen zu dulden.







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