Von Marc Hujer, Cordula Meyer und Gregor Peter Schmitz
Es war kurz vor vier Uhr nachmittags, als plötzlich Gas aus dem Bohrloch am Meeresgrund fauchte. Panisch versuchten die Männer auf der Ölplattform, den Druck aus der Tiefe zu bändigen. Einige machten schon die Rettungsboote klar.
Nein, diese Szenen spielten sich nicht ab auf der "Deepwater Horizon", kurz bevor sie am 20. April explodierte. Der Zwischenfall passierte vor nicht einmal zwei Wochen, nur knapp tausend Kilometer von der deutschen Küste entfernt. Tagelang versuchten die Techniker auf der Bohrinsel "Gullfaks C" 200 Kilometer nordwestlich der norwegischen Stadt Bergen, das Bohrloch mit Schlamm und Zement zu stopfen.
"Noch immer ist die Situation nicht unter Kontrolle", sagt Frederic Hauge, Gründer der norwegischen Umweltorganisation Bellona, der das Szenario nach Interviews von Augenzeugen rekonstruiert hat. Große Mengen giftigen Bohrschlamms seien im Loch versickert, der Kopf des Bohrers stecke fest. Die Lage sei "ernst", konstatierte auch die norwegische Ölaufsichtsbehörde. Der Betreiber der Plattform versichert, inzwischen habe er die Lage im Griff.
"Es gibt viele Ähnlichkeiten zur 'Deepwater Horizon'", sagt Hauge. Wie dort, so sei auch auf der "Gullfaks C" schon früher Gas ausgetreten. Und genau wie dort wurden durch einen Bedienungsfehler gewaltige Brocken Dichtungsgummi aus dem Blowout Preventer nach oben gepresst, sagt Hauge. "Es stimmt eben nicht, dass so ein Unfall nicht auch in der Nordsee passieren könnte."
Das Desaster im Golf von Mexiko ist die wohl größte Umweltkatastrophe der US-Geschichte. Zugleich aber ist es ein Menetekel für das, was auch in anderen Teilen der Welt passieren wird.
Hilflose Versuche des Ölkonzerns BP
Bis zu 126.000 Tonnen Öl sind in den Golf von Mexiko gesprudelt, das ist mehr als das Dreifache dessen, was vor 21 Jahren aus dem Tanker "Exxon Valdez" ins arktische Meer vor Alaska lief. Hilflos konnte die Welt live per Webcam zusehen, wie immer mehr der tiefbraunen Brühe aus dem Bohrloch schoss. Und hilflos muteten auch die Versuche des Ölkonzerns BP an, das Loch mit Bohrschlamm, Zement oder gar mit Golfbällen, Fetzen von Autoreifen, Kabeln oder anderem Müll zu stopfen.
Die Ölkonzerne kapitulieren vor der Technik, die Politik vor den Ölkonzernen: So lautete die Lehre dieser Bilder. Die Ölmultis, das offenbarte die Katastrophe, haben sich in einem technisch hochbrisanten Bereich jeder effektiven Kontrolle längst entzogen.
Die Ölindustrie habe sich im wesentlichen "selbst reguliert", wetterte der US-Präsident. Damit solle es jetzt vorbei sein. Aber wie viel können seine angekündigten Verbesserungen tatsächlich ändern?
Immer tiefer dringen die Konzerne in die Ozeane vor. Immer weiter verschieben sie im Wettlauf um neue Quellen die technischen Grenzen. Damit steigt das Risiko.
Nur ein paar Monate bevor die Plattform "Deepwater Horizon" sank, hatte sie einen neuen Weltrekord für die tiefste Ölbohrung im Meer aufgestellt: 1250 Meter unter dem Meeresspiegel war sie noch einmal 9400 Meter in die Tiefe der Erdkruste vorgedrungen.
"Bedeutende Unsicherheit bezüglich der Leistungsfähigkeit dieser Systeme"
Die Kälte des Wassers, die Hitze des Öls und vor allem der enorme Druck machen hier alles zum Experiment. Die Unternehmen entwickeln die Technik, während sie mit ihr arbeiten. Die Firmen seien "abhängig von Prototypen und neuer Technologie", konstatierten dänische Ingenieure im vergangenen Jahr in einem Fachjournal. Es gebe "bedeutende Unsicherheit bezüglich der Leistungsfähigkeit dieser Systeme".
Subprime am Meeresgrund: Wie die Banker mit immer riskanteren Derivaten hantieren, so improvisieren die Ölkonzerne mit immer gewagteren Bohrungen. Beide haben sie gehofft, dass alles schon gutgehen werde. "Die Ölindustrie hat die Risiken von Offshore-Bohrungen dramatisch heruntergespielt", sagt Umweltschützer Hauge. "Und den Kontrollbehörden fehlen das technische Wissen und die Mittel."
Wie sehr sich die Konzerne inzwischen jeder Kontrolle entziehen, das wurde jetzt vor zwei Untersuchungsausschüssen des Kongresses und der US-Küstenwache offenbar. Die Mitglieder hörten Augenzeugen, Techniker und Manager, sie sichteten firmeninterne Dokumente. Rasch zeigte sich dabei, wie BP-Manager an der Sicherheit sparten. Sie trieben die Arbeiter auf der "Deepwater Horizon" zur Eile an und vertrauten offenbar darauf, dass nichts passieren werde. Dass US-Behörden dem Konzern mehrfach grobe Schlamperei vorgeworfen hatten, scherte dabei wenig.
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Ja, mal eine Stiftung die was gegen Malaria unternimmt, hats mehr in den ärmeren warmen Ländern: http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,674827,00.html Da haben die reichen Länder kein Interesse, außer wie in [...] mehr...
Und wieder einer der nichts, aber auch gar nichts, über die Aktivitäten der Gates-Stiftung weiß und auf einen simplen PR-Stunt in seiner Eigenschaft als Schaf reinfällt. Auch Buffet hat mehr Dreck am Stecken/Geld mit schmutzigen [...] mehr...
Bill Gates hat der Menschheit mindestens tausendmal mehr gegeben als ich oder Sie! Das der persönliche Besitz von so viel Geld unsinnig ist hat Herr Bill Gates und andere Superreiche erkannt und so beschlossen das überflüssige [...] mehr...
Waren Ölkonzerne bisher politisch kontollierbar? NEIN!!! Die Frage ist, wie stark ist der Einfluss der Energiekonzerne auf die Politik! Obama hat doch keine Chance die Konzerne in die Schranken zu weisen. Wenn er BP schadet, [...] mehr...
Da werden sie schwerlich die Sonne verantwortlich machen können. Was uns wohl Lebensqualität kosten wird, ist vermutlich das Ende der fossilen Rohstoffe ohne wirkliche Alternative. Im Endeffekt bleibt uns garnichts anderes [...] mehr...
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