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Ausgabe 22/2010
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31.05.2010
 

Datenschutz

Das Netz im Netz

Von Marcel Rosenbach

Datenschutz: Das Netz im Netz
Fotos
klicksafe/ Uwe Völkner

Bislang war der Aufstieg von Facebook eine fulminante Erfolgsgeschichte. Eine Rebellion der Nutzer zwingt die Kalifornier nun zu Zugeständnissen. Doch das Grundproblem bleibt: Der Schutz der Privatsphäre passt schlecht zum Geschäftsmodell.

Wahrscheinlich wäre alles anders gekommen, wenn Mark an der Uni schnell ein Mädchen gefunden hätte. Der Lockenkopf hatte es an die Elite-Universität Harvard geschafft, aber in einer der wichtigsten Disziplinen, dem "Daten" von Campus-Schönheiten, da lief es für ihn noch schlecht.

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Mark, damals gerade 19, schlaksig und eher schüchtern, hackte sich eines Nachts in verschiedene Universitätsrechner, kaperte Fotos der Studierenden, programmierte einen kleinen Code und schickte ihn mit dem Namen "Face Mash" an ein paar Freunde. Harvard sucht die Superstudentin, das in etwa war die Idee. Seine Kommilitonen waren begeistert.

Später wurde daraus "Thefacebook", das Harvard im Sturm eroberte, auf andere US-Universitäten übersprang wie ein Virus - und seither die ganze Welt infiziert.

Die Zeiten, in denen Mark Zuckerberg sich in fremde Rechner hacken musste, um an Porträtfotos hübscher Mädchen zu kommen, sind lange vorbei. Bald wird sein digitales Klassenbuch von einst das 500millionste Mitglied vermelden. Allein in Deutschland laden im Schnitt täglich Tausende neue Nutzer Profilbilder von sich hoch. Wäre Facebook ein Land, dann wäre es nach Einwohnern bereits das drittgrößte der Welt.

"Das" soziale Netzwerk

Sein Herrscher ist heute 26, er ist Gründer und Geschäftsführer eines Global Players, dessen Wert mitunter auf bis zu 15 Milliarden Dollar geschätzt wird. Hollywood ist gerade dabei, seine Lebensgeschichte zu verfilmen, im Herbst soll "The Social Network" in den USA in die Kinos kommen. Der Film beruht großteils auf den süffigen Campus-Geschichten rund um Sex und Software, die der amerikanische Autor Ben Mezrich im vorigen Jahr zu dem Buch "Milliardär per Zufall" verarbeitet hat.

Der Filmtitel übertreibt nicht, Facebook ist wirklich "das" soziale Netzwerk. Es ist sogar mehr, es ist zu einer Art Netz im Netz geworden: Seine Nutzer finden alte Freunde wieder, halten Kontakt zu Verwandten im Ausland und lassen sie über Fotos, Videos und aktuelle Status-Meldungen an ihrem Leben teilhaben. Eigentlich muss man den Planeten Facebook gar nicht mehr verlassen.

Die Nutzer können sich dort Nachrichten schreiben und chatten. Millionen spielen "Farmville" und managen einen Bildschirm-Bauernhof. Fast alle großen Unternehmen sind vertreten und immer mehr Politiker. Eltern melden ihre Babys an, es gibt Gedächtnisseiten für Verstorbene, Prominente schicken per Facebook ihre Partner in die Wüste, indem sie ihren Status von "in einer Beziehung" auf "Single" ändern - und das alles geschieht mittlerweile in mehr als 70 Sprachen. Viele der Übersetzungen erledigen Fans, ohne jede Bezahlung.

Drängende Grundfrage des digitalen Datenschutzes

Keine Frage, Facebook kann faszinieren, es kann sogar süchtig machen. Doch die Zeiten der ungetrübten Begeisterung sind vorbei, spätestens seit Dezember vergangenen Jahres braut sich etwas zusammen. Immer mehr Nutzer haben den Eindruck, Facebook zeige zunehmend ein neues, ein böses Gesicht: nicht mehr das einer bunten fröhlichen Internetgemeinde, sondern eher das einer Art Datendiktatur.

Am Beispiel von Facebook stellt sich seither eine drängende Grundfrage des digitalen Datenschutzes im 21. Jahrhundert: Es geht darum, wer darüber entscheidet, was mit persönlichen Informationen geschieht. Und wer welche Teile davon einsehen, nutzen und sogar an Dritte weitergeben darf.

Wer hat die Kontrolle?

Die Facebook-Nutzer selbst, die ihre Informationen freiwillig preisgeben, um den vermeintlich kostenlosen Service nutzen zu können? Oder ein Privatunternehmen mit einem 26-Jährigen an der Spitze, der noch vor ein paar Jahren Visitenkarten mit der Aufschrift "Ich bin der Boss - Schlampe" verteilte? Und der schon heute so etwas wie ein globales Einwohnermeldeamt verwaltet - nur mit viel mehr und teils deutlich intimeren Informationen.

Die Zeit der Privatheit sei vorbei

Ende Dezember gab Facebook darauf eine eigene Antwort. Ohne große Vorwarnung entschieden Zuckerberg und Co., Profilbild, Name und Geschlecht künftig automatisch öffentlich und damit zum Allgemeingut zu machen - bis dato konnte man Informationen wie diese Freunden vorbehalten.

Zuckerbergs erste Antwort auf den anschwellenden Proteststurm glich einer Verlautbarung aus dem Politbüro. Die Zeit der Privatheit sei vorbei, sagte er noch im Januar. Nicht Facebook müsse sich ändern, die Gesellschaft ändere sich. Mehr Offenheit auch in privaten Dingen sei heute die "soziale Norm".

Seither hagelt es Austrittsdrohungen, es setzt eine Flucht per Löschtaste ein - obwohl das Unternehmen seinen Nutzern diese bislang nach Kräften erschwert. Der Schritt fällt ohnehin nicht leicht: Anders als bei einer Suchmaschine hüpft man nicht einfach einen Anbieter weiter, man hinterlässt immerhin eine digitale Existenz, eine Datenspur, eine Historie. Dennoch haben zwei kanadische Kritiker diesen Montag zum "Verlasst-Facebook-Tag" ausgerufen, rund 23.000 Besucher haben bislang angekündigt, ihnen zu folgen.

Der düsterste Monat der Unternehmensgeschichte

Auch ohne den Massenexodus wird der Mai 2010 wohl als der düsterste Monat der sechsjährigen Unternehmensgeschichte in die Facebook-Annalen eingehen. Selbst Zuckerberg scheint bemerkt zu haben, dass er mit seiner ihm eigenen Idee von Privatsphäre womöglich viele seiner mehr als 534.000 persönlichen Facebook-Fans überfordert hat.

In der vergangenen Woche lenkte er ein, ein wenig zumindest. Die bislang absurd komplizierten Privatsphäre-Einstellungen würden künftig radikal vereinfacht, kündigte Zuckerberg an.

Tatsächlich werden nicht einmal die Änderungen vom Dezember rückgängig gemacht: Name, Profilbild und Geschlecht bleiben öffentlich. Nur die Freundesliste kann man jetzt wieder seinen Kontakten vorbehalten.

Das Echo der letzten Zeit sei "wirklich sehr negativ gewesen", sagte Zuckerberg, der im schwarzen Kapuzenpulli auftrat, er habe "ziemlich anstrengende Wochen" hinter sich.

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08.12.2011 von Rainer Helmbrecht:

Ich bin mir sicher, wenn Ihnen, oder dem Briefträger ihre Postkarte runter fällt, dann wird die auch jemand lesen. Ob das dann wirklich interessant ist, weiss ich nicht, aber ich habe auch schon gesehen, dass man Briefe und [...] mehr...

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Ich denke jetzt nur an die Autos in irgendwelchen Einkaufspassagen; ein Berg von "Teilnahmekarten" durch die Fensterschlitze geschoben.... jede Teilnahmekarte = ein Dummer Und was ist nun mit den "Sozialen [...] mehr...

24.11.2011 von StStevens: auf der Weide der Hoffnung grasen viele Ochsen

wie naiv sind Sie eigentlich ? selbst der versuch, beiträge / einträge zu löschen ist technisch unmöglich gemacht - ich verabschiede mich von dieser unterirdischen plattform - wenn ich schon das gephrasel von sozialem [...] mehr...

23.11.2011 von paix: privatphäre ?

Aber nein, FB verletzt sowas doch nicht. Jeder ist da freiwillig. Alle kennen die entsprechende Berichterstattung. Also verletzen iss anders. Wenn dann müßte der Titel eher lauten FB der SM Club ;) mehr...

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Facebook ging Anfang 2004 als soziales Netzwerk für Harvard-Studenten online. Zunächst konnten nur Menschen mit E-Mail-Adressen ausgewählter US-Hochschulen Mitglieder werden, seit 2006 ist die Seite für alle Über-13-Jährigen offen. Nach Angaben von Goldman Sachs hatte Facebook Anfang 2011 600 Millionen Mitglieder weltweit, nach eigenen Angaben loggt sich jeden Tag die Hälfte von ihnen auf der Seite ein (Stand: Januar 2011).

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Facebook ging Anfang 2004 als soziales Netzwerk für Harvard-Studenten online. Zunächst konnten nur Menschen mit E-Mail-Adressen ausgewählter US-Hochschulen Mitglieder werden, seit 2006 ist die Seite für alle Über-13-Jährigen offen. Nach eigenen Angaben hat Facebook derzeit 600 Millionen aktive Mitglieder weltweit.(Stand: Januar 2011). Mehr zu Facebook auf der Themenseite...

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