ThemaHorst SeehoferRSS

Alle Artikel und Hintergründe

AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 23/2010
  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
 

Koalition "Wir sind nicht der Störenfried!"

Koalition: "Wir sind nicht der Störenfried!"
Fotos
DDP

CSU-Chef Horst Seehofer, 60, über den Zustand der schwarz-gelben Koalition, die Suche nach einem Präsidentschaftskandidaten, seinen Freund Guido, die Kanzlerin und rote Ohren in der Politik.

SPIEGEL: Herr Ministerpräsident, helfen Sie uns auf die Sprünge: Der wievielte Neustart von Schwarz-Gelb ist das, den wir gerade miterleben?

Titelbild
Dieser Artikel ist aus dem SPIEGEL
Neu:
  • Lesen Sie den vollständigen SPIEGEL auf Tablets, Smartphones oder am PC/MAC
  • Mit vielen zusätzlichen Videos, interaktiven Grafiken und Bildern
  • Lesbar über Apps oder Browser
Seehofer: Ich rede nicht von Neustart. Die richtige Therapie ist jetzt: arbeiten.

SPIEGEL: Wo sollen wir den Glauben hernehmen, dass es diesmal klappt?

Seehofer: Weil nichts so überzeugend ist wie die Realität. Wir haben in der vergangenen Woche als Koalition sehr geschlossen und zügig einen guten Präsidentschaftskandidaten präsentiert. Wir haben klargemacht, dass es nicht zu höheren Steuern und Beiträgen kommt.

SPIEGEL: Die Realität sieht anders aus. Ihr Ziel war, schnell und ohne viel Getöse einen überzeugenden Präsidentschaftskandidaten zu präsentieren. Stattdessen ging es tagelang hin und her, erst Ursula von der Leyen, dann Christian Wulff. Was ist da schiefgelaufen?

Seehofer: Da ist nichts schiefgelaufen. Die CSU hat von Anfang an klargemacht, dass sie einen geeigneten Kandidaten der CDU unterstützen wird. Innerhalb weniger Tage hat die Kanzlerin einen geeigneten Vorschlag gemacht. Das war ein sehr verantwortliches Handeln: Die Kanzlerin hat die Gespräche innerhalb der CDU geführt und mir am Donnerstagmittag Christian Wulff als ihren Vorschlag mitgeteilt.

SPIEGEL: Und vorher war es Frau von der Leyen?

Seehofer: Die CSU hat nichts dazu beigetragen, dass andere Kandidaten medial in besonderer Weise behandelt wurden.

SPIEGEL: Wo kam das her?

Seehofer: Ich kann nur sagen: Ich habe Verantwortung für die Christlich-Soziale Union, und die Christlich-Soziale Union hat sich in dieser Frage äußerst diszipliniert und zurückhaltend verhalten, so wie es die Kandidatenwahl für das höchste Staatsamt erfordert.

SPIEGEL: Waren zwei Frauen an der Spitze den Konservativen in der Union mindestens eine zu viel?

Seehofer: In der CSU jedenfalls nicht.

SPIEGEL: So? Es gibt Abgeordnete Ihrer Partei, die haben ihre Vorbehalte sogar öffentlich geäußert.

Seehofer: Das war eine absolute Einzelmeinung. Wir hatten eine ganz klare Position. Für uns war nie das Argument: Um Gottes willen, zwei Frauen an der Spitze des Staates! Da ist die CSU eine sehr moderne Partei.

SPIEGEL: Das letzte Mal, als Frau Merkel einen Kandidaten erkoren hat, hat sie das mit Ihrem Vorgänger, Edmund Stoiber, und Guido Westerwelle in dessen Wohnung gemacht und den Kandidaten Horst Köhler durchgesetzt. Dieses Mal musste sie auf ihre Partei Rücksicht nehmen. Hat sie das Heft noch in der Hand?

Seehofer: Ja, ich denke schon.

SPIEGEL: Sie denken schon?

Seehofer: Ja, ich bin überzeugt.

SPIEGEL: Wäre ein überparteilicher Kandidat, wie ihn die SPD mit Joachim Gauck präsentiert, nicht besser gewesen?

Seehofer: Warum sind wir erst dann eine perfekte Demokratie, wenn es nur noch einen Kandidaten gibt? Ich kann das Argument überhaupt nicht nachvollziehen. Es gehört doch zu einer lebendigen, modernen Demokratie, dass man als Wahlfrau oder Wahlmann in der Bundesversammlung auswählen kann. Wenn das veritable Kandidatinnen oder Kandidaten sind, dann ist doch dagegen überhaupt nichts einzuwenden.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live
insgesamt 274 Beiträge
seluona 07.06.2010
Aus der "Krise" waren schwarz-gelb doch noch nie raus. Ein einziges Lobbyistengequatsche unterbindet jegliche vernünftige Lösungen und ein Ende ist bedauerlicherweise bis zur nächsten Wahl nicht in Sicht. Damit wollte [...]
Aus der "Krise" waren schwarz-gelb doch noch nie raus. Ein einziges Lobbyistengequatsche unterbindet jegliche vernünftige Lösungen und ein Ende ist bedauerlicherweise bis zur nächsten Wahl nicht in Sicht. Damit wollte ich keine Hoffnung auf Besserung bei anderen Wahlergebnissen unterstellen, s. nrw.
capu65 07.06.2010
Das Schlamassel ist so groß, daß es an der Zeit für Neuwahlen wäre. Sieben Monate schwarzgelber Schwachsinn sollten genügen. Da dies aus Machterhalt und den damit zusammenhängenden Pensionsansprüchen wohl nicht eintreten wird, [...]
Zitat von sysopSchwarz-Gelb streitet über Steuersenkungen und die Gesundheitsprämie, vor allem zwischen den Christsozialen und der FDP kracht es. Jetzt legt CSU-Chef Seehofer nach: Im SPIEGEL-Interview rechnet er mit den liberalen Reformern ab. Wie tief steck Schwarz-Gelb in der Krise?
Das Schlamassel ist so groß, daß es an der Zeit für Neuwahlen wäre. Sieben Monate schwarzgelber Schwachsinn sollten genügen. Da dies aus Machterhalt und den damit zusammenhängenden Pensionsansprüchen wohl nicht eintreten wird, ist es an der Zeit, daß die Opposition alle Kräfte bündelt, die Merkel auf die Sau setzt und vor sich her durchs Dorf treibt.
Andreko 07.06.2010
Man sollte auch mal daran erinnern was für einen Holperstart rot-grün seinerzeit hingelegt hatte und für deren ideologischen Schwachsinn von Atomausstieg über EEG bis Ökosteuer zahlen wir noch jahrzehntelang kräftig drauf.
Zitat von sysopSchwarz-Gelb streitet über Steuersenkungen und die Gesundheitsprämie, vor allem zwischen den Christsozialen und der FDP kracht es. Jetzt legt CSU-Chef Seehofer nach: Im SPIEGEL-Interview rechnet er mit den liberalen Reformern ab. Wie tief steck Schwarz-Gelb in der Krise?
Man sollte auch mal daran erinnern was für einen Holperstart rot-grün seinerzeit hingelegt hatte und für deren ideologischen Schwachsinn von Atomausstieg über EEG bis Ökosteuer zahlen wir noch jahrzehntelang kräftig drauf.
medienquadrat 07.06.2010
es ist ganz schön traurig, dass der Bürger darüber beraten muss, wie tief die Regierung denn nun tatsächlich in der Krise steckt. Es sollte tatsächlich in einer Demokratie wieder üblich werden, dass gescheiterte Regierungen [...]
Zitat von sysopSchwarz-Gelb streitet über Steuersenkungen und die Gesundheitsprämie, vor allem zwischen den Christsozialen und der FDP kracht es. Jetzt legt CSU-Chef Seehofer nach: Im SPIEGEL-Interview rechnet er mit den liberalen Reformern ab. Wie tief steck Schwarz-Gelb in der Krise?
es ist ganz schön traurig, dass der Bürger darüber beraten muss, wie tief die Regierung denn nun tatsächlich in der Krise steckt. Es sollte tatsächlich in einer Demokratie wieder üblich werden, dass gescheiterte Regierungen umgehend zurücktreten und zu Neuwahlen aufrufen wird.
nixkapital 07.06.2010
Schwarz-gelb IST Krise...
Zitat von sysopSchwarz-Gelb streitet über Steuersenkungen und die Gesundheitsprämie, vor allem zwischen den Christsozialen und der FDP kracht es. Jetzt legt CSU-Chef Seehofer nach: Im SPIEGEL-Interview rechnet er mit den liberalen Reformern ab. Wie tief steck Schwarz-Gelb in der Krise?
Schwarz-gelb IST Krise...
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
alles aus der Rubrik Deutschland
alles zum Thema Horst Seehofer

© DER SPIEGEL 23/2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Aus dem SPIEGEL

Sie lesen einen Text aus dem
SPIEGEL 23/2010 - entdecken Sie
weitere Top-Themen aus dem Heft:

  • - Banken: Warum US-Immobilienbesitzer die Deutsche Bank fürchten
  • - Justiz: Ein Gutachten erschüttert die Glaubhaftigkeit der Aussage des mutmaßlichen Kachelmann-Opfers
  • - Psychologie: Wie berühmte Hypochonder zu eingebildeten Kranken wurden
  • - Debatte: SPIEGEL-Gespräch mit dem Schriftsteller Henning Mankell über seinen Einsatz für Palästina


Streitthemen der Koalition
dpa
Die geplanten Steuersenkungen bleiben vermutlich das zentrale Streitthema zwischen Union und FDP. Ab 2011 soll es weitere Entlastungen im Umfang von rund 20 Milliarden Euro geben. Die Liberalen drängten in den vergangenen Tagen vehement, an den Plänen festzuhalten. Die Union macht dagegen finanzielle Vorbehalte geltend. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) will zudem ein milliardenschweres Sparpaket vorlegen. Konkrete Verhandlungen dürften allerdings erst nach der Steuerschätzung im Mai beginnen - und damit nach der wichtigen Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 9. Mai.





TOP



TOP