Von Christoph Pauly und Thomas Schulz
Nach Ausbruch der Krise waren bei 25 CDOs so viele Immobilienkredite geplatzt, dass nicht mehr alle Investoren bedient werden konnten. Manche CDOs gingen sofort pleite, andere wurden nach und nach teilweise oder ganz liquidiert. Die auf dem Markt platzierten Wertpapiere waren mit Krediten im Wert von 20 Milliarden Dollar unterlegt.
Ende 2006 etwa konstruierte die Deutsche Bank ein besonders komplexes Wertpapier, eine sogenannte Hybrid-CDO. Es bekam den Namen Barramundi, benannt nach einem indopazifischen hermaphroditischen Fisch, der in schlammigem Wasser lebt. Und schlammig war auch die Zusammensetzung des Geschäfts mit einem Wert von 800 Millionen Dollar: In Barramundi wurden etliche bereits reichlich undurchsichtige Papiere wie Kreditausfallversicherungen (CDS) und CDOs zu einem noch komplexeren Paket verschnürt.
Partner der Deutschen Bank für den Barramundi-Deal war die New Yorker Investmentfirma C-Bass, nach eigener Beschreibung "führend im Kauf und der Verwaltung von privaten Immobilienkrediten vor allem im Subprime-Bereich". Zu Deutsch: C-Bass war darauf spezialisiert, Schrott-Hypotheken für komplizierte Finanzvehikel aufzutreiben und zu vermarkten.
C-Bass verwaltete allerdings nicht nur abstrakte Wertpapiere, sondern hatte auch noch eine Tochterfirma, um all die Kredite ranzuschleppen, die in den Papieren verbaut wurden. Die Tochterfirma hieß Litton Loan, sie wickelte Ende 2005 insgesamt 313.938 Kredite, vor allem minderwertige Hypothekendarlehen, in Höhe von 43 Milliarden Dollar ab.
C-Bass war eines der ersten Opfer der Finanzkrise
Barramundi war bereits der 19. CDO, den C-Bass auflegte. Nur wenige Monate nach dem Geschäft mit der Deutschen Bank, im Sommer 2007, strauchelte die Investmentfirma, C-Bass war eines der ersten Opfer der Finanzkrise.
Der Deutsche-Bank-CDO Barramundi erging es nicht viel besser. Ursprünglich von den Rating-Agenturen noch mit der Bestnote versehen, fiel das mit Subprime-Hypotheken vollgestopfte Finanzvehikel schnell zusammen. Im Frühjahr 2008 wurde Barramundi erst auf "sehr risikoreich" heruntergestuft, im Dezember dann auf Schrott. Im März 2009 brach Barramundi schließlich zusammen und musste liquidiert werden.
Während viele Investoren ihr Geld und viele Amerikaner ihr Haus verloren, blieben die Deutsche Bank und Litton Loan weitgehend ungeschoren. Noch immer pflegt das Frankfurter Institut scheinbar eine gesunde Geschäftsbeziehung mit dem Schrott-Hypotheken-Manager. Denn die Deutsche Bank tritt bei keiner der zahllosen von ihr als Treuhänder verwalteten Immobilien direkt in Erscheinung. Das Eintreiben der Kredite, das Rauswerfen säumiger Zahler und alle anderen Aufgaben übernehmen zwischengeschaltete Dienstleister - darunter auch immer wieder Litton Loan.
Betreut werden die exotischen Finanzvehikel mitunter von einer ebenso exotischen Firma: Deutsche Bank (Cayman) Limited, Boundary Hall, Cricket Square, Grand Cayman. In einer E-Mail vom 26. Februar 2010 listet eine Deutsche-Bank-Mitarbeiterin von den Cayman Islands 84 CDOs und ähnliche Produkte auf, für die sie sich als zuständige Ansprechpartnerin identifiziert.
Ärger mit der US-Aufsichtsbehörde und vielen Immobilienbesitzern
Mittlerweile ermittelt die US-Aufsichtsbehörde SEC gegen die Deutsche Bank und einige andere Investmentbanken, die ähnliche CDOs konstruiert haben. Es wird untersucht, ob die Investoren bei diesen undurchsichtigen Produkten getäuscht wurden. Besonders am Pranger steht die US-Investmentbank Goldman Sachs, die offenbar bereit ist, eine Rekordbuße von einer Milliarde Dollar zu akzeptieren, um einer Strafverfolgung zu entgehen.
Hinzu kommt für die Deutsche Bank der Ärger mit den vielen Immobilienbesitzern. Sie hat die Kredite für die Immobilien, die sie nun verwaltet, nicht selbst vergeben. Aber sie übernahm im Auftrag von Investoren die Treuhänderfunktion für eigene und fremde CDOs. Immobilienkredite seien in den USA in den vergangenen Jahren "wie Abziehbildchen von Fußballern gehandelt worden", sagt Hypothekenexperte Dibert.
Bei all dem Geschacher gingen unterwegs allerdings oft die Besitzurkunden für die Immobilien verloren. In Cleveland und New Jersey etwa ließen Richter von der Deutschen Bank veranlasste Zwangsversteigerungen für nichtig erklären, weil sie den Besitznachweis nicht vorlegen konnte.
Trotzdem versuchen die Dienstleister der Bank immer wieder, Häuser räumen zu lassen - auch wenn inzwischen neue Besitzer drin wohnen, die ihre Raten zahlen. Landesweit existieren deshalb die Klagen gegen das Frankfurter Institut. Und im Internet machen sich wütende, um ihre Häuser kämpfende Amerikaner mit teils wüsten Beschimpfungen Luft.
"Die Deutsche Bank hat inzwischen ein echtes Image-Problem hier in den USA", sagt Hypothekenbetrugsexperte Dibert. "Am liebsten würde sie ihren Kopf in den Sand stecken, aber sie werden nicht daran vorbeikommen, sich mit diesem Problem zu befassen."
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© DER SPIEGEL 23/2010
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