Von Hilmar Schmundt
Er fällt und fällt und fällt. Dann, irgendwann, zieht er die Reißleine, es kracht, der Fallschirm schießt hervor, entfaltet sich. Ein Mann im Astronautenanzug schwebt auf den staubigen Flugplatz von Perris, gut eine Autostunde südöstlich von Los Angeles.
Der Fallschirmsprung des Astronauten ist die Generalprobe für ein weit größeres Drama: Felix Baumgartner, ein Automechaniker aus Salzburg, plant den tiefsten Sprung der Weltgeschichte. Vom Rande des Weltalls will er gen Erde stürzen.
Felix im Glück. Schon als kleiner Junge sprang er von Bäumen, später von Felsen und von Wolkenkratzern. Nun steht er auf dem Flugplatz, umringt von Filmleuten der BBC. Fast hat er es geschafft. In diesem Jahr will er, 41 Jahre alt, sein Lebenswerk krönen: durch einen Sprung aus 36.000 Metern. Nur Raketen und Ballons drangen bisher in solche Höhen; bis zu minus 80 Grad Celsius kalt kann es auf dem Weg dorthin werden.
"Red Bull Stratos" heißt das Projekt, benannt nach einer österreichischen Brausefirma, die der Aktion mit ihrem schier unerschöpflichen Werbeetat finanziell Flügel verleiht. Als erster Mensch will Baumgartner die Schallmauer durchbrechen, ungeschützt vom Metallkokon eines Cockpits. Niemand weiß, was mit dem menschlichen Körper passiert in dieser Höhe, bei dieser Kälte, mit dieser Geschwindigkeit.
"Es ist ganz schön ungemütlich dort oben", sagt Baumgartner bei der Manöverkritik in einem leeren Flugzeughangar. Gerade ist er aus über 8000 Metern abgesprungen - immerhin schon fast so hoch wie der Mount Everest, und doch nur knapp ein Viertel dessen, was er sich vorgenommen hat. Das Problem sei nicht die Kälte, auch nicht die dünne Luft. Ihm macht das Gewicht des Fallschirms und der beiden Sauerstoffflaschen zu schaffen, vor allem aber der steife Raumanzug: "Ich fühle mich darin, als wäre ich um 50 Jahre gealtert", klagt Baumgartner.
Ungelenk wie ein Michelin-Männchen
Trainer, Berater, Testpiloten: Ein Team aus über einem Dutzend Leuten wuselt um den Extremspringer herum. Sie analysieren seinen Sprung, studieren Videos. Die spektakulärsten Aufnahmen stammen von Luke Aikins, am Boden ein behäbiger Bär, in der Luft aber ein Balletttänzer, der bei Testsprüngen stets gemeinsam mit Baumgartner abspringt und neben ihm herfliegt mit seiner am Helm befestigten Filmkamera.
Die Bewegungsabläufe des Fallschirmspringers sind für Aikins alltägliche Reflexe: Wenn er die Arme nach hinten streckt, geht er in den Sturzflug mit über 200 Kilometern pro Stunde, wenn er sie ausbreitet wie zum Segen, hebt sich sein Oberkörper und bremst den Sturz. Hält er einen Arm zur Seite, kullert er auf den Rücken und liegt wie auf einem Luftkissen. Aikins gehört zu einer Fallschirmspringer-Dynastie; vom Großvater über die Eltern und Geschwister bis zu den Cousins - alle sind sie gesprungen. Er wuchs auf einem Flugplatz auf.
Baumgartner sitzt nebenan in einem umfunktionierten Baucontainer, passiv wie ein Boxer in der Ringpause. Vier Mitarbeiter helfen ihm, binden seine Stiefel, zurren den Fallschirm fest, den er selbst nicht erreicht. Ungelenk wie ein Michelin-Männchen stapft Baumgartner in seinem mit Druckflaschen aufgepumpten Anzug umher. Auf seinen Handschuhen sind Autorückspiegel montiert, damit er die Geräte an seinem Bauch sehen kann.
Es ist Aikins' Aufgabe, dem tapsigen Raumfahrer den Tanz in der Leere beizubringen. In der Stratosphäre, sagt er, sei die Luft hundertfach dünner als auf Meereshöhe, ein Springer falle hilflos ins Nichts: ohne Luftwiderstand keine Kontrolle.
Alles hänge deshalb vom korrekten Absprung ab, erklärt Aikins seinem Schüler: kein Hechter wie beim Klippenspringen, eher ein sanftes Vornüberkippen, ein winziger Schritt, keine hastigen Bewegungen. Um das zu üben, hat Baumgartner sich an einem Kran hochziehen lassen und ist in ein Bungeeseil gesprungen; wie Frachtgut baumelte der Astronaut damals am Haken.
"Das Gefährlichste ist der Kontrollverlust", sagt Aikins: "Wenn du anfängst, dich um die eigene Achse zu drehen in einem 'Flat Spin', verlierst du das Bewusstsein." Natürlich würde eine Notfallautomatik den Fallschirm dennoch öffnen - aber ein kreiselnder Springer kann sich in den Leinen verheddern. In den Schirm eingewickelt wie eine Seidenraupe, würde er dann zu Boden stürzen.
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... wenn man von einer Druckwelle zerlegt wird! Es wäre sinnvoll, das ganze erstmal mit einem Dummy zu probieren. Denn es geht per Verdichtungsstoß in den Überschallbereich und so auch wieder heraus. Wie sich dieser [...] mehr...
Wozu die Hype? Da versucht sich doch nur einer auf eine sehr teure Art auszumendeln, indem er sich in eine schon allzu gut bekannte Gefahr begibt, die auch seinen Vorgänger schon fast zum Tode gebracht hätte. Der aber hatte [...] mehr...
Ich würde mal sagen, wenn bei einem Sprung aus dieser Höhe etwas schief geht gibt es für die "Solidargemeinschaft" (die sich übrigens bei jeder sich bietenden Gelegenheit höchst unsolidarisch zeigt, denn sonst würde [...] mehr...
Im Artikel heisst es: "...durch einen Sprung aus 36.000 Metern. Nur Raketen und Ballons drangen bisher in solche Höhen." Nicht ganz richtig, die MIG-29 schafft diese Höhe auch. mehr...
Eine Scheibe mit einem Loch in der Mitte hat 2 Ränder... ;-) mehr...
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