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Ausgabe 30/2010
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Titel Der Enthüller

WikiLeaks: Die Internetaufklärer
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AFP

4. Teil: "Operation Station Hammer": Der Schatten über dem Projekt

Doch seit dem 29. Mai liegt ein Schatten über dem Projekt. Es war der Tag, an dem der 22-jährige US-Soldat Bradley Manning in seiner Basis "Operation Station Hammer" im Irak verhaftet und in ein Militärgefängnis in Camp Arifjan Kuwait gebracht wurde.

Inzwischen hat das US-Militär seine Vorwürfe gegen den ehemaligen Militäranalysten Manning bekanntgemacht: Danach habe er im Zeitraum vom 19. November 2009 bis ins Frühjahr dieses Jahres unter anderem das inzwischen von WikiLeaks veröffentlichte Bagdad-Video sowie 150.000 geheime Drahtberichte des amerikanischen Außenministeriums und eine geheime "Powerpoint-Präsentation" heruntergeladen.

Das Video und 50 der Drahtberichte habe er an eine "unberechtigte Person" weitergegeben, wirft ihm das US-Militär vor. Laut einem Armeesprecher drohen Manning im Fall einer Verurteilung bis zu 52 Jahre Haft.

Wie es aussieht, hat sich Manning selbst enttarnt. Am 21. Mai begann er offenbar eine Serie von Internetchats mit einem amerikanischen Hacker namens Adrian Lamo. Die US-Zeitschrift "Wired" hat Auszüge dieser Chats veröffentlicht.

Darin schüttet ein Teilnehmer, hinter dem US-Behörden Manning vermuten, dem ihm zuvor persönlich nicht bekannten Lamo sein Herz aus. Er schildert, er habe an seinem Arbeitsplatz über zwei Rechner auf die geheimen Netze "SIPRNET" und "JWICS" zugreifen können; auch auf einem Centcom-Rechner habe er ungeschütztes Material gefunden. "Ich kann gar nicht glauben, was ich dir alles beichte", fügt er hinzu.

Sogar den Weg, auf dem er das Material hinausgeschmuggelt haben will, verrät er in dem Chat: Danach habe er an seinem Arbeitsplatz im Irak beschreibbare CDs in seine Rechner geschoben, die er zuvor mit Namen wie "Lady Gaga" beschriftet hatte, um später vermeintliche Musik-CDs nach Hause zu tragen: "Ich hab die Lippen zu Lady Gagas ,Telephone' bewegt, während ich die wahrscheinlich größte Datenmenge in der amerikanischen Geschichte abgesaugt" habe, heißt es im veröffentlichten Teil der Chat-Logs.

Mehrfach bezieht sich der Chatter auch auf WikiLeaks und Assange, mit dem er in Kontakt stehe. Und er gibt Hinweise auf sein Motiv: eine tiefe Unzufriedenheit mit der Situation vor Ort und dem US-Militär.

Lamo informierte das FBI und übergab seine Chat-Protokolle. Er habe die nationale Sicherheit bedroht gesehen, sagte er US-Medien zur Begründung. Kurz darauf wurde Manning festgenommen.

"Wir müssen alle angeblichen Quellen unterstützen"

Für WikiLeaks und Assange ist damit eine heikle Situation entstanden. Sie ähnelt verblüffend dem Szenario, welches das US-Militär in seinem Geheimpapier von 2008 entworfen hatte, um WikiLeaks zu schaden: Eine erfolgreiche Identifizierung, Verfolgung und öffentliche Vorführung von Personen, die Informationen an WikiLeaks weitergeben, würde die Plattform beschädigen, möglicherweise sogar zerstören und andere von ähnlichen Handlungen abhalten, hieß es darin.

Was sagt der WikiLeaks-Frontmann zu der angeblichen Selbstbezichtigung des US-Soldaten?

"Wenn wir den Vorwürfen glauben können, wurde Manning von einem amerikanischen Hacker verraten, der mit WikiLeaks nichts zu tun hat", sagt Assange. "Wir können Menschen nicht vor sich selbst retten, leider."


Ist Manning womöglich auch die Quelle für das Afghanistan-Material? "Wir haben keine Ahnung, ob er unsere Quelle war", behauptet Assange. "Wir haben unser System absichtlich so eingerichtet, dass wir die Identität unserer Informanten nicht erfahren."

Und warum will WikiLeaks Manning juristisch unterstützen, wenn es doch angeblich wegen der technischen Sicherungen für WikiLeaks selbst unmöglich ist zu wissen, wer das Material eingeschickt hat?

"Wir müssen alle angeblichen Quellen unterstützen", sagt Assange. "Egal, ob Herr Manning nun die Quelle für das ,Collateral Murder'-Video war, ob er direkt oder indirekt irgendetwas mit dem Material zu tun hatte, das wir veröffentlicht haben - er ist ein junger Mann, der in Kuwait unter dem Vorwurf festgehalten wird, dass er unsere Quelle ist."

Nach Mannings Verhaftung verschwand auch Assange für ein paar Wochen, seine Anwälte empfahlen ihm, die USA zu meiden. "Ich bin darauf hingewiesen worden, dass jemand auf die Idee kommen könnte, mich der Beihilfe zur Spionage zu beschuldigen", sagt er.

Deutschland ist für WikiLeaks einer der wichtigsten Standorte

Das ist der Grund, warum er in London unter falschem Namen in ein Hotel eincheckt und auch von dort schnell wieder verschwindet, um bei einem Unterstützer unterzuschlüpfen. Wie so oft in den vergangenen Jahren, überall auf der Welt - von Kenia bis Island, wo er mit einem Team von Helfern die Veröffentlichung des Bagdad-Videos vorbereitet hat. Die Vorsichtsmaßnahmen gelten für alle. Der in der Netz-Szene bekannte Programmierer Jacob Appelbaum, der Assange am vorvergangenen Wochenende beim New Yorker Hacker-Kongress vertrat, hatte eigens ein Double organisiert, das dann unmittelbar nach dem Vortrag seine Rolle übernahm. Applebaum selbst fuhr sofort zum Flughafen, nur mit Ausweis, Bargeld und einer "Bill of Rights" bewaffnet, und flog außer Landes.

Auch Daniel Schmitt, der deutsche Repräsentant und neben Assange die wichtigste Stimme von WikiLeaks, ist noch vorsichtiger geworden.

Bei einem Treffen in einem Berliner Café schaut er sich nach möglichen Mithörern um, auch mag er es nicht, wenn in seiner Nähe fotografiert wird.


Deutschland ist für WikiLeaks einer der wichtigsten Standorte, eine feste Säule einer ziemlich losen Organisation. Es gibt viele Einsendungen in deutscher Sprache, es gibt technische Unterstützung aus dem Umfeld des Chaos Computer Clubs - und es gibt einen hohen Anteil deutscher Spendengelder.

Schmitt ist ein schlanker 32-Jähriger mit Vollbart und Hornbrille, er hat Informatik studiert und in der IT-Sicherheit gearbeitet, bevor er seine gesamte Arbeitszeit WikiLeaks widmete. Anders als der leicht exzentrische Assange, der schon mal auf Socken durch London läuft und auf offener Straße Luftsprünge macht, ist er ein nüchterner Typ.

Noch in diesem Jahr soll in Deutschland eine Stiftung namens "Freunde von WikiLeaks" gegründet werden, außerdem arbeitet Schmitt an einer Broschüre, die zum "Leaken" auffordern soll - und die er vor dem Reichstag und dem Verteidigungsministerium verteilen lassen will. Auch über U-Bahn-Werbung hat er schon nachgedacht.

Beide, Assange und Schmitt, sagen, WikiLeaks besitze einen Berg unveröffentlichter Dokumente - und sei erst am Anfang.

"Wenn wir das Bild einer Gipfelbesteigung verwenden wollen, befinden wir uns gerade im Basiscamp", sagt Assange.

Dann klappt er den kleinen schwarzen Rechner zu, packt ihn in seinen grauschwarzen Nylonrucksack - und ist wieder weg.

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insgesamt 4929 Beiträge
Gandhi 25.07.2010
denn noch gewonnen werden? Wie oft sollen wir uns denn noch anhoeren muessen, dass jetzt die entscheidenden 6 Monate kommen? Dass, wenn "wir" alles richtig machen, der Krieg dann gewonnen ist. Ich kann es [...]
Zitat von sysopFast 92.000 US-Dokumente über den Afghanistan-Krieg sind an die Öffentlichkeit gelangt. Sie enthüllen die wahre Dimension des Militäreinsatzes - das Wirken der amerikanischen Task Force 373, die Probleme der Bundeswehr, die Zusammenarbeit pakistanischer Geheimdienstler mit den Taliban. Kann der Westen den Krieg am Hindukusch noch gewinnen?
denn noch gewonnen werden? Wie oft sollen wir uns denn noch anhoeren muessen, dass jetzt die entscheidenden 6 Monate kommen? Dass, wenn "wir" alles richtig machen, der Krieg dann gewonnen ist. Ich kann es schon gar nicht mehr hoeren. Das Einzige, was diesen Krieg beendet, ist ein Ereignis, bei dem eine grosse Menge Soeldner sich aus dieser Welt verabschieden. Dann wird der politische Druck so gross, dass das Gerede davon, dass Freiheit und Demokratie in Afghanistan die Opfer wert sind, untergeht im Protest. Die Afghanen sollen ihren eigenen Weg gehen, ihre eigenen Probleme loesen. Von aussen koennen deren Probleme auch nicht in 10 oder 20 Jahren geloest werden.
ayamo 25.07.2010
Plain and simple? Ein militärischer Sieg? Auf gar keinen Fall. Irgendein schaler Verhandlungsfrieden mit den Taliban wäre allerdings auch nicht ideal, da diese sich nicht an solche Verträge/Vereinbarungen halten.
Plain and simple? Ein militärischer Sieg? Auf gar keinen Fall. Irgendein schaler Verhandlungsfrieden mit den Taliban wäre allerdings auch nicht ideal, da diese sich nicht an solche Verträge/Vereinbarungen halten.
kleenermann 25.07.2010
Wie oft soll diese Frage noch gestellt werden? Nein, man kann ihn nicht gewinnen.
Zitat von sysopKann der Westen den Krieg am Hindukusch noch gewinnen?
Wie oft soll diese Frage noch gestellt werden? Nein, man kann ihn nicht gewinnen.
edgarzander 25.07.2010
Enthüllungen? Ich hätte mir da ein bischen mehr erwartet und war nach dem Durchlesen des Artikels irgendwie enttäuscht. Ist doch alles inzwischen mehr oder weniger bekannt...
Zitat von sysopFast 92.000 US-Dokumente über den Afghanistan-Krieg sind an die Öffentlichkeit gelangt. Sie enthüllen die wahre Dimension des Militäreinsatzes - das Wirken der amerikanischen Task Force 373, die Probleme der Bundeswehr, die Zusammenarbeit pakistanischer Geheimdienstler mit den Taliban. Kann der Westen den Krieg am Hindukusch noch gewinnen?
Enthüllungen? Ich hätte mir da ein bischen mehr erwartet und war nach dem Durchlesen des Artikels irgendwie enttäuscht. Ist doch alles inzwischen mehr oder weniger bekannt...
machorka-muff 25.07.2010
der westen kann und braucht in afghanistan nicht zu gewinnen: abmarsch! die sache mit der enthüllung brisanter kriegsdokumente riecht faul - wahrscheinlich der nächste verarschungs coup der cia.
der westen kann und braucht in afghanistan nicht zu gewinnen: abmarsch! die sache mit der enthüllung brisanter kriegsdokumente riecht faul - wahrscheinlich der nächste verarschungs coup der cia.
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