SPIEGEL: Herr Sauerland, nach der Love Parade wollten Sie nicht zur Trauerfeier, um nicht zu provozieren. Haben Sie den Familien der Opfer inzwischen kondoliert?
SPIEGEL: Hat sie Ihnen Vorwürfe gemacht?
Sauerland: Wir haben aufgearbeitet, wie die Mutter empfindet, und auch ich wollte ihr meine Gefühlslage vermitteln und ihr Hilfe anbieten. Aus der Begegnung konnte ich aber auch eine gewisse Hoffnung schöpfen. Ich habe ihr gesagt, dass keiner von uns so etwas wollte. Und das hat sie mir abgenommen. Das war für mich ganz wichtig.
SPIEGEL: Die Mutter eines anderen Opfers würde gern wissen, warum sich niemand bei ihr entschuldigt hat. Als bislang einziges Schreiben aus Duisburg bekam sie eine Zahlungsaufforderung des städtischen Klinikums über eine Praxisgebühr in Höhe von zehn Euro. Ihr Sohn war dort seinen Verletzungen erlegen.
Sauerland: Es tut mir leid, dass so etwas passiert ist. Wir würden uns gerne entschuldigen. Wir hatten Kondolenzbriefe verfasst, aber sie wurden nicht weitergeleitet. Wir haben die Adressen nicht. Wenn wir sie von den Landesbehörden, aus welchen Gründen auch immer, nicht kriegen, können wir nicht in Kontakt treten. Das ganze tragische Unglück tut mir so unendlich leid. Es ist für mich bis heute unfassbar.
SPIEGEL: Wie haben Sie die letzten drei Wochen erlebt?
Sauerland: Seit dem Ereignis bin ich ein Getriebener. Ich bin in allen Lebenssituationen verfolgt worden, beobachtet worden. Ich habe mehrere Morddrohungen bekommen.
SPIEGEL: Wie sahen die aus?
Sauerland: Jemand meldet sich und sagt, ihm habe man 5000 Euro gezahlt, damit er mich töte. Dann sagte jemand: Tritt sofort zurück, sonst sprengen wir einen Kindergarten.
SPIEGEL: Wie haben Sie reagiert?
Sauerland: Wir erstatten bei jeder Drohung Anzeige gegen unbekannt. Man hat mir Personenschutz angedeihen lassen. Meine Familie habe ich sicherheitshalber aus der Stadt gebracht.
SPIEGEL: Gleich nach der Katastrophe wurden Sie als einer der Hauptschuldigen ausgemacht. Wie haben Sie den Tag der Love Parade in Erinnerung?
Sauerland: Ich war erst in der Nacht davor aus einem einwöchigen Österreich-Urlaub zurückgekommen. Noch im Auto bekam ich eine Mail, dass in der Vorbereitung alles ordentlich läuft. Am frühen Samstagnachmittag bin ich mit meinem Motorroller zum Gelände gefahren. Es waren viele Menschen unterwegs, die sich fröhlich durch die Stadt bewegten.
SPIEGEL: Wann haben Sie erfahren, dass es ernste Probleme gibt?
Sauerland: Das war gegen 17.30 Uhr. Ich hatte gerade auf der Medienbrücke im Gelände eine kurze Pressekonferenz mit Oliver Pocher gegeben. Ich war auf dem Weg zum Lagezentrum im Hoist-Hochhaus, als man mir mitteilte, dass es Probleme im Tunnel gebe.
SPIEGEL: Haben Sie persönlich etwas von dem Gedränge gemerkt?
Sauerland: Für uns, die wir nicht vor Ort in die Rampe oder in den Tunnel gucken konnten, war es nie eine bedrohliche Situation.
SPIEGEL: Dann wurden Tote gemeldet. Wie haben Sie reagiert?
Sauerland: Erst hieß es Massenpanik im Tunnel. Dann: keine Panik, aber zehn Tote, und zwar an der Treppe. Wenn Sie Verzweiflung steigern können, dann war es das.
SPIEGEL: Haben Sie das Kommando übernommen?
Sauerland: Nein. Dafür gibt es einen Krisenstab, jeder dort hat eine genau definierte und eingeübte Funktion. Das gesamte Handeln wird dokumentiert und geht an die Staatsanwaltschaft. Ein Oberbürgermeister sollte sich davor hüten, irgendetwas zu übernehmen, wofür er nicht ausgebildet ist. Aber ich war die ganze Zeit dabei und habe die Entscheidungen begleitet.
SPIEGEL: Fritz Pleitgen, der Vertreter der Kulturhauptstadt Ruhr 2010, sagte, Sie hätten viel zu passiv dagesessen, wie ein Häufchen Elend.
Sauerland: Da Sie als Oberbürgermeister keine Rolle im Krisenstab haben, können Sie auch nicht eingreifen. Ich kann in so einer Situation doch nicht als "local hero" auftreten. Wer so etwas verlangt, verlangt etwas Unmögliches.
SPIEGEL: Ihre Auftritte vor der Presse direkt nach der Katastrophe hatten eine verheerende Wirkung. Sie erklärten, die Menschen hätten Sperren überklettert und seien abgestürzt. Es habe wohl an individuellen Schwächen gelegen.
Sauerland: So wurde es uns von den medizinischen Einsatzkräften als erste Einschätzung übermittelt.
SPIEGEL: Natürlich war es eine unübersichtliche Situation für alle Verantwortlichen. Trotzdem dachte man damals vor dem Fernseher: über eine Million Besucher, ein enger Tunnel, wie soll das gutgehen? Und dann sagen der Oberbürgermeister und seine Partner auf der Pressekonferenz: Die Raver waren selber schuld!
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Auf dem Rückzug? Erst argumentierten Sie, das die Sterbeurkunden nicht ausgestellt sein müssen. Dann argumentieren Sie, das aus den Urkunden keine Adressen ableitbar sein. Jetzt sind die letzten Wohnadressen nicht [...] mehr...
willhy, immerwieder herzerfrischend Ihre vergleiche. Wenigstens haben Sie jetzt die Geschwindigkeit angepasst. Sie lassen aber immer noch die Details aus. Waren die Reifen abgefahren? Gab es ein Qualitätsproblem durch den [...] mehr...
.......aber Vorsicht vor Steinewerfer. Wenn jemand mit 130km/h auf der Autobahn fährt, durch einen Reifenplatzer ins schleudern kommt, auf die Gegenfahrbahn gerät, mit einem LKW kollidiert und tot ist......... dann ist [...] mehr...
Sie begreifen garnichts. Wenn der Verkehrsminister in Berlin per Unterschrift bestaetigt, dass ich mit 240km/h ueber die Autobahn fahren kann, insbesondere in Kurven und sogar auf die Gegenfahrbahn geraten kann und nach einer [...] mehr...
Ich vergleich hinkt gewaltig. http://de.wikipedia.org/wiki/Richtgeschwindigkeit Zitat:"Als Richtgeschwindigkeit bezeichnet man auf Straßen ohne (oder mit höherem) Tempolimit eine Geschwindigkeit, deren Überschreitung [...] mehr...
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