Von Markus Dettmer und Dietmar Hawranek
So einsam waren sie selten, die großen Mahner aus dem Arbeitgeberlager. Martin Kannegiesser, der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, und Dieter Hundt, der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, warnen mal wieder vor zu starken Lohnsteigerungen. Diese wären "jetzt ein Fehler", sagt Kannegiesser. Es müsse alles verhindert werden, sagt Hundt, "was den Aufschwung bremst".
Die SPD sowieso nicht. Sie ist für Lohnsteigerungen, damit nach dem Export nun endlich auch die Nachfrage im Inland in Gang kommt. Aber auch Kanzlerin Angela Merkel ist auf den neuen Kurs eingeschwenkt. Sie hofft, dass sich "die verbesserten Situationen der Unternehmen auch widerspiegeln werden bei den Arbeitnehmern".
Sogar aus dem Ausland erhalten deutsche Gewerkschaften Unterstützung. Die französische Finanzministerin Christine Lagarde sagt, von einer Erhöhung der Löhne in Deutschland könne der ganze Euro-Raum profitieren. Wobei Madame Lagarde ein ganz eigenes Interesse verfolgen dürfte.
Die deutschen Unternehmen sind auch deshalb wettbewerbsfähiger geworden und auf den Exportmärkten so erfolgreich, weil ihre Arbeitnehmer sich jahrelang zurückhielten. In Frankreich und anderen Ländern dagegen stiegen die Löhne deutlich stärker (siehe Grafik links). Nun hofft die französische Finanzministerin wohl, dass sich dieser Wettbewerbsnachteil verringert, wenn die deutschen Gewerkschaften ordentliche Erhöhungen durchsetzen.
Endlich sollen die Beschäftigten etwas vom Aufschwung abbekommen
Die Voraussetzungen dafür waren eigentlich selten so gut. Nach der Krise der vergangenen Jahre geht es den meisten Unternehmen wieder besser, manchen sogar blendend. Die Autoindustrie kann kaum so viele Fahrzeuge produzieren, wie sie vor allem auf Exportmärkten verkaufen kann. Im Maschinenbau geht es wieder aufwärts. In der Chemieindustrie werden zeitweise stillgelegte Anlagen wieder hochgefahren. Alles brummt.
Viele Ökonomen erwarten in diesem Jahr rund zwei Prozent Wachstum. Und eine große Koalition aus Politikern und Gewerkschaftern ist deshalb überzeugt: Von dieser Entwicklung sollen nun endlich auch die Beschäftigten profitieren, die in den vergangenen Jahren auf Einkommenssteigerungen verzichteten, um ihren Arbeitsplatz zu sichern. DGB-Chef Michael Sommer sagt: "Jetzt sind unsere Leute mal wieder dran."
An diesem Montag gibt es in Gelsenkirchen "die erste Tarifrunde der Nachkrisenzeit", sagt IG-Metall-Bezirksleiter Oliver Burkhard. Die Gewerkschaft fordert für die Beschäftigten der nordwestdeutschen Stahlindustrie sechs Prozent mehr Lohn. Bei dieser Zahl hätte es in der Vergangenheit gewiss einen Aufschrei der Empörung gegeben, jetzt wird sie ganz ruhig zur Kenntnis genommen.
Es hat sich herumgesprochen, dass die deutschen Arbeitnehmer "zu den bescheideneren in der Welt" ("Handelsblatt") gehören. Hierzulande verdienen die Beschäftigten schon seit vielen Jahren nach Abzug der Inflation nicht mehr, sondern weniger. Sogar in den Boom-Jahren von 2004 bis 2008 sanken die sogenannten Reallöhne.
Viele Konzerne verdanken ihr Wachstum den Mitarbeitern
Nach Ausbruch der Weltfinanzkrise verzichteten viele Belegschaften sogar auf Lohn, um den Job zu sichern. Viele mussten in Kurzarbeit gehen, manche überließen dem Unternehmen ihr Urlaubs- oder Weihnachtsgeld. In kaum einem Land haben die Belegschaften auf die Finanzkrise mit ähnlich großer Lohnzurückhaltung reagiert.
Beispiel Daimler: Ein Teil der Belegschaft musste kurzarbeiten, der andere die Arbeitszeit um 8,75 Prozent verringern, bei entsprechend verringerten Bezügen. Die vereinbarte Tariferhöhung wurde von Mai auf Oktober verschoben.
Zudem gab die Belegschaft dem Konzern einen Kredit über insgesamt 280 Millionen Euro: Sie verzichtete im März auf die ihr zustehende Ergebnisbeteiligung für das Jahr 2008 in Höhe von 1900 Euro für jeden Mitarbeiter. Das Geld wurde erst im Dezember ausbezahlt, als es dem Autokonzern schon wieder besserging.
Die großen Konzerne konnten dadurch ihre Personalkosten gewaltig reduzieren. Bodo Uebber, Finanzvorstand des Daimler-Konzerns, bezifferte die Einsparungen im vergangenen Jahr mit 1,8 Milliarden Euro.
Der Stuttgarter Autokonzern profitierte wie viele andere Unternehmen gleich auf doppelte Weise von der Kompromissbereitschaft der Belegschaft. Die Alternative zu Arbeitszeit- und Lohnkürzungen wären Entlassungen gewesen. Diese hätten Daimler und Co. im Jahr 2009 erst einmal viel Geld für Abfindungen gekostet. 2010 wären die Personalkosten gesunken.
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All das haben Sie einwandfrei und korrekt aus Unternehmersicht für nicht-Unternehmer dargestellt. Hinzuzufügen ist das der Unternehmer mit dem Arbeitnehmer Gewinn erwirtschaften will. Insbesondere sei nochmal auf den [...] mehr...
Gott, wie peinlich ist das denn - unfassbar! mehr...
Sehr "schlau" immer wieder das selbe zitieren und das schreiben ersparen! Aber dennoch Ihre Beiträge sind echt super lustig, da bleibt kein Auge... da bleibt kein Hosi trocken! Spanien und die Krise: Bei 86% [...] mehr...
Netter Versuch. Wir sind aber im Augenblick beim deutschen Arbeitsmarkt. Warum gibt es zwischen Brandenburg/Berlin und Baden-Württenberg 20 Jahre nach der Wiedervereinigung so große Unterschiede? Sieht man in Berlin unter der [...] mehr...
solche ideen gibt es schon. "aktivierende Sozialhilfe" ---Zitat--- 3. Zur Existenzsicherung für all jene, die keine Stellen in der Privatwirtschaft finden, dient ein Beschäftigungsangebot in kommunaler Regie, das [...] mehr...
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