Von Hilmar Schmundt
In Halle 5 auf der Ostseite versammeln sich die seriösen Herren der Mobilfunkindustrie. Ihr Outfit besteht aus schwarzem Anzug, Krawatte und ernster Miene. Sie präsentieren Powerpoint-Grafiken, die zeigen, wie eine Sintflut aus Internetdaten ihre Funknetze überschwemmt. Die Herren in Schwarz orakeln vom "Perfect Storm", vom "Network Breaking Point", vom Dauerstau im Funknetz.
T-Shirt trifft Anzug: Zwei Kulturen prallten vorige Woche aufeinander in den Hallen des "Mobile World Congress" in Barcelona, der mit 50.000 Besuchern wichtigsten Handymesse der Welt. Deutlicher als je zuvor zeigte sich dabei, wie sehr die Mobilfunkbetreiber derzeit hin- und hergerissen sind. Sie wissen, dass ihre Zukunft vom mobilen Internet abhängt - und zugleich fürchten sie, dass es sie überfordern könnte.
Turbofunknetz für die anschwellende Datenflut
Eigentlich sieht so der Traum eines jeden Verkäufers aus: Die Kunden kriegen nicht genug, sie kommen immer wieder und wollen immer mehr - E-Mails lesen, YouTube-Videos anschauen, online spielen, videotelefonieren, alles von unterwegs. Das mobile Internet wächst rasant. In rund fünf Jahren könnten mehr Menschen über Funk ins Netz gehen als über Kabel.
Doch die Mobilfunker bringt das in ein Dilemma. Verzweifelt kämpfen sie gegen die anschwellende Datenflut an und versuchen, sie durch ihre ohnehin schon arg verstopften Antennen zu pressen. Besonders YouTube und Skype bringen die Datenfunker in Bedrängnis. Schon heute machen Videoübertragungen rund die Hälfte des mobilen Datenverkehrs aus, Tendenz steil ansteigend.
Als Ausweg wollen die Mobilfunkfirmen nun eine Art Turbofunknetz errichten. Die neue Technik heißt LTE ("Long Term Evolution") und verspricht Übertragungsraten von 100 Megabit pro Sekunde und mehr - theoretisch wäre das über hundertmal schneller als beim bisherigen UMTS-Funknetz.
Bis Ende dieses Jahres sollen bereits die ersten LTE-Handys in den Handel kommen; schon jetzt sind für einzelne Ortschaften USB-Empfangssticks erhältlich.
Mobilfunkfirmen versprechen ein Ende der Funklöcher
LTE soll nicht nur das mobile Internet auf Höchstgeschwindigkeit bringen. Auch klingen Telefongespräche über LTE viel natürlicher, mit satten Bässen und klaren Höhen. Wegen der höheren Reichweite der Sendemasten versprechen die Firmen auch ein Ende der Funklöcher - ein Segen für Millionen.
Und schließlich könnten LTE-Handys sekundenschnell große Rechenzentren anzapfen, um aus der Ferne deren Datenbanken und Kapazität zu nutzen, denn die Zeitverzögerung bei der Kommunikation, die sogenannte Latenz, ist deutlich geringer als bisher. Wie so etwas aussehen könnte, lässt sich in Barcelona am Stand von NTT Docomo bewundern, Japans größtem Mobilfunkbetreiber. "Konnichiwa, o genki desu ka", spricht ein Vertreter in sein LTE-Handy. Umgehend verkündet das Gerät mit fester Stimme die Übersetzung: "Hallo, wie geht es Ihnen?"
Bislang war Deutschland im internationalen Pro-Kopf-Vergleich abgeschlagen bei der Versorgung mit schnellen Internetverbindungen; im internationalen Vergleich der Breitbandnationen taucht es nicht einmal unter den Top Ten auf. "Dabei gibt es eine klare Korrelation zwischen Wohlstand und Internet", sagt Roman Friedrich von der Unternehmensberatung Booz & Company: "Erhöht ein Staat die Rate der Breitbandzugänge um zehn Prozent, dann steigt in den nächsten Jahren die Arbeitsproduktivität um ein Prozent."
Auf anderen Social Networks posten:
...wenn die Technik uns nicht jeden Wunsch sofort erfüllen kann. Eigentlich ist schon eine DSL-Übertragung über einen einfachen Telefondraht aus Sicht, sagen wir mal 1970, ein wahres Wunder. mehr...
...das hört sich im ersten Moment logisch an, hat aber einen Haken: auch die Schnelligkeit sollte mitbezahlt werden, denn dafür ist ja auch ein erheblicher zusätzlicher technischer Aufwand erforderlich. Der Nutzer sollte sich [...] mehr...
Ich sitze hier mit meinen UMTS Stick auf dem Land zwischen mehrere großen Städten in NRW und darf für 30 Euro im Monat bis 5 GB surfen (Vodaphone), weil die Telekom sich standhaft weigert einen DSL Ausbau vorzunehmen und durch [...] mehr...
Ich sag nur Ferngespräch. Nene, damals war nicht annähernd so toll wie Sie es hier darstellen möchten. mehr...
Aber warum haben dann Leute mit Hörvermögen auf nur einem Ohr Probleme, Untehaltungen mit mehreren Leuten zu verfolgen? Nur eine Stimme: mono, mehr als eine Quelle: stereo. mehr...
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© DER SPIEGEL 8/2011
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