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Ausgabe 20/2011
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Atomkraft Soufflé mit Kruste

Fukushima: Arbeiten am Unglücks-AKW
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REUTERS

Im Kernkraftwerk Fukushima hat sich geschmolzener Kernbrennstoff durch den Stahlboden des Reaktors gefressen. Es droht eine verheerende Explosion.

Mit japanischer Präzision ermitteln Kraftwerkstechniker täglich die Wasserstände in den Unglücksreaktoren von Fukushima. Vorigen Dienstag etwa meldete die Atomüberwachungsbehörde Nisa, der Pegel im Reaktordruckbehälter von Block 1 sei um exakt 50 Millimeter gestiegen.

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Welchen Wert diese scheinbare Genauigkeit wirklich hat, wurde nur zwei Tage später offenbar. Kleinlaut musste Kraftwerksbetreiber Tepco zugeben, dass alle bisherigen Angaben falsch waren.

In Wahrheit liegt der Wasserstand drei Meter tiefer als gedacht - dies bedeutet, dass die Brennstäbe trocken lagen und nicht gekühlt wurden.

Das ist eine der schlechtesten Nachrichten seit Beginn des japanischen Super-GAUs. Denn daraus ergibt sich: Große Teile der Brennstäbe in Block 1 sind zu einem Uranklumpen verschmolzen, der sich nun auf dem Boden des Reaktordruckbehälters befindet. Die Masse habe wahrscheinlich bereits zentimetergroße Löcher in Schweißnähte am Stahlboden gefressen, räumte ein Tepco-Sprecher ein.

Mögliches Schreckensszenario: Wenn sich der Brennstoffklumpen weiter nach unten brennt und dort schließlich auf größere Mengen Wasser trifft, könnte es zu einer verheerenden Dampfexplosion kommen.

Mehr als zwei Monate nach Beginn der Katastrophe, so zeigt sich, haben die Ingenieure von Tepco die Lage noch immer nicht im Griff. Nach wie vor existiert kein Kühlsystem. "Statisch, aber nicht stabil" nennt Bill Borchardt von der US-Atomregulierungsbehörde NRC den Zustand der Unglücksreaktoren. Eine "katastrophale Entwicklung ist weiterhin jederzeit möglich", warnt der britische Greenpeace-Atomexperte Shaun Burnie. Vor allem zeigt der Vorfall: Tepco hat nur eine ungefähre Ahnung, was im Innern der Reaktoren tatsächlich abläuft. Auf diese wackligen Informationen baut der Konzern aber sein Krisenmanagement.

Insgesamt befanden sich in Reaktor 1 über 60 Tonnen Brennstoff. Das geschmolzene Uran bildet wie bei einem Soufflé oben eine Kruste. Deshalb lässt sich die Masse darunter noch schlechter kühlen. Tepco verweist allerdings darauf, dass die Außentemperatur am Reaktordruckbehälter lediglich etwas über hundert Grad beträgt - ein Indiz dafür, dass die Brennstoffmasse nicht extrem heiß ist und eine Explosion deshalb nach Ansicht einiger Experten eher unwahrscheinlich.

Dampfexplosion befürchtet

Der Londoner Gutachter John H. Large geht dagegen davon aus, dass der Prozess voranschreiten wird. Wenn es schließlich zur befürchteten Dampfexplosion käme, wären die Folgen dramatisch: "Der Reaktordruckbehälter ist etwa so groß wie ein großer Bus, da käme dann eine gewaltige radioaktive Masse heraus."

Large befürchtet, dass es in den Reaktorblöcken 2 und 3 ähnlich aussieht - oder gar schlimmer: In Reaktor 3 befindet sich weit mehr Brennstoff, auch solcher mit den sogenannten Mischoxid-Brennstäben, die das gefährliche Plutonium enthalten. Dort ist zudem die Temperatur höher.

Tepco weiß nur deshalb mehr über die Lage in Block 1, weil die Firma Ende April verkündet hatte, diesen komplett zu fluten - ein weiterer Hinweis, wie unzureichend die improvisierte Kühlung nach wie vor ist. Zur Vorbereitung schickte Tepco Arbeiter ins Gebäude. Sie stellten fest, dass die Annahmen über den Wasserstand allesamt falsch waren.

Mehr als eine halbe Million Mal so viel Cäsium 134 wie zulässig

Und es sind nicht nur die Kühlprobleme, die den Ingenieuren Kopfzerbrechen bereiten. Am vorigen Mittwoch entdeckten Arbeiter, dass hochradioaktives Wasser über Kabelrohre ins Meer floss. Wie Messungen ergaben, enthielt es mehr als eine halbe Million Mal so viel Cäsium 134 wie zulässig. Vermutlich stammt das Wasser aus dem Turbinengebäude von Reaktor 3. Dort im Keller wurden 750 Millisievert pro Stunde gemessen - Menschen wären in einigen Stunden tödlich verstrahlt.

Wie Experten vermuten, gibt es noch weitere bisher unentdeckte Lecks. Doch die Strahlung ist an vielen Stellen der Atomanlage so hoch, dass Arbeiter nicht an sie herankommen können.

Roboter sammeln inzwischen den verstrahlten Schrott ein, mehr als 120 Container sind schon zusammengekommen. Im Klärschlamm von 15 Anlagen in der Präfektur Fukushima fanden Kontrolleure derweil hohe Cäsium-Konzentrationen.

In ungefähr zwei Wochen wird in Fukushima die Taifun-Saison beginnen, es dürfte sehr viel regnen. Der Regen könnte erneut große Mengen Radioaktivität ins Meer spülen.

So wird das Desaster immer mehr zu einer unendlichen Geschichte. Das Tepco-Management hatte unlängst geschätzt, dass die Reaktoren noch weitere sechs bis neun Monate intensiv gekühlt werden müssten. Doch diesen Zeitplan werden die Japaner wohl nicht einhalten können.

Und dann, nach Abschluss der Kühlung, gehen die eigentlichen Aufräumarbeiten erst los. Laut Reaktorhersteller Hitachi wird es 30 Jahre dauern, die Unglücksreaktoren vollständig abzubauen.

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insgesamt 215 Beiträge
psycho_moni 16.05.2011
Was bitte ist eine radioaktive Explosion?
Was bitte ist eine radioaktive Explosion?
Phi-Kappa 16.05.2011
Wahrscheinlichkeitsrechnung hin, Katastrophen-Szenarien her - Einzelfälle lassen sich nicht vorhersagen. Bei jeder sonstigen Technik ist ein Versagen örtlich und zeitlich begrenzt, beim Atom nicht! Daher: Weg damit, sofort!
Wahrscheinlichkeitsrechnung hin, Katastrophen-Szenarien her - Einzelfälle lassen sich nicht vorhersagen. Bei jeder sonstigen Technik ist ein Versagen örtlich und zeitlich begrenzt, beim Atom nicht! Daher: Weg damit, sofort!
mk333 16.05.2011
"Dort im Keller wurden 750 Millisievert gemessen - Menschen wären in einigen Stunden tödlich verstrahlt." Wann schaffen die Autoren es endlich mal, wissenschaftlich korrekt zu arbeiten??? 750 Millisievert über [...]
"Dort im Keller wurden 750 Millisievert gemessen - Menschen wären in einigen Stunden tödlich verstrahlt." Wann schaffen die Autoren es endlich mal, wissenschaftlich korrekt zu arbeiten??? 750 Millisievert über welchen Zeitraum?? Äpfel sind keine Birnen...
felisconcolor 16.05.2011
---Zitat--- Bei Kontakt mit Wasser gäbe es eine verheerende radioaktive Explosion. ---Zitatende--- mir ist kein radioaktiver Stoff bekannt der bei Kontakt mit Wasser explodiert. Auch kenne ich keine Explosion die radioaktiv [...]
---Zitat--- Bei Kontakt mit Wasser gäbe es eine verheerende radioaktive Explosion. ---Zitatende--- mir ist kein radioaktiver Stoff bekannt der bei Kontakt mit Wasser explodiert. Auch kenne ich keine Explosion die radioaktiv ist. (Ausser einer Kernspaltungs- oder -fusionsbombe) Was aber definitiv hierbei nicht der Fall ist. Wenn, dann ist die Kernbrennstoffschmelze so heiss das sie bei Kontakt mit Wasser, dieses in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt (wie auch bei Bränden von Aluminium oder Magnesium (in Kontakt mit Wasser)). Das ergibt Knallgas und dieses Knallgas explodiert. Knallgas ist aber nicht radioaktiv. Es besteht höchstens die Gefahr das hierbei radioaktive Partikel mitgerissen und verteilt werden. Eine weitere Möglichkeit ist das das Wasser nur schlagartig verdampft und dabei radioaktive Partikel mitreisst und verteilt. Wo war denn nur wieder der technische Redakteur wenn man einen braucht. tz tz tz
Seifert 16.05.2011
Na ja, die Atomkraft wird als Brückentechnologie noch längere Zeit genutzt werden (müssen??). Dumm nur,dass auch Brücken schon eingestürzt sind. Was in Japan möglich war,scheint in Deutschland/Europa nicht völlig [...]
Zitat von sysopIm Kernkraftwerk Fukushima hat sich geschmolzener Kernbrennstoff durch den Stahlboden des Reaktors gefressen. Es droht eine verheerende Explosion. http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,762838,00.html
Na ja, die Atomkraft wird als Brückentechnologie noch längere Zeit genutzt werden (müssen??). Dumm nur,dass auch Brücken schon eingestürzt sind. Was in Japan möglich war,scheint in Deutschland/Europa nicht völlig ausgeschlossen.Deshalb:Ausstieg -je eher,desto besser!
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Von Sievert bis Becquerel: Kleines Lexikon der Strahlenmessung
DPA
Manche Atomkerne von chemischen Elementen sind instabil und zerfallen deshalb. Sie werden als radioaktiv bezeichnet. Die Zerfallsprozesse können unterschiedlicher Natur sein. Die Strahlung, die zerfallende Elemente aussenden, wird in drei Arten unterschieden: Während Alpha- und Betastrahlung aus Partikeln bestehen, handelt es sich bei Gammastrahlung um elektromagnetische Wellen, ähnlich der Röntgenstrahlung. Allerdings ist ihre Wellenlänge viel kleiner und die Strahlen sind somit extrem energiereich. Alphastrahlung besteht aus positiv geladenen Helium-Kernen, die aus zwei Protonen und zwei Neutronen aufgebaut sind. Betastrahlen bestehen aus Elektronen. Sie entstehen, wenn sich ein Neutron in ein Proton und ein Elektron umwandelt, das vom Atomkern abgestrahlt wird.





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