07. Oktober 2002, 00:00 Uhr

Lebensmittel

Fremdstoffe in Babymilch

Babys
DPA

Babys

Nach Krebs erregendem Acrylamid in Pommes und Kartoffelchips (SPIEGEL 27/2002) haben Lebensmittelchemiker jetzt ein weiteres Reaktionsprodukt in erhitzten Nahrungsmitteln ausgemacht. Forscher der TU Dresden wiesen erhebliche Mengen der Substanz Carboxymethyl-Lysin (CML) in Backwaren und Milchprodukten nach. Lebensmittelchemikerinnen der Universität Erlangen-Nürnberg fanden die Substanz zudem in Babymilch und Babymilchpulver aus dem Handel.

CML, ein Umbauprodukt der Aminosäure Lysin, kann Entzündungsprozesse im Körper beeinflussen. Außerdem wird es in Verbindung mit Diabetes und bestimmten Nierenfunktionsstörungen gebracht, für die erhöhte CML-Gehalte im Gewebe typisch sind. "Ein Zusammenhang mit der Nahrungsaufnahme kann nicht ausgeschlossen werden", folgert die Dresdner Arbeitsgruppe aus Fütterungsversuchen mit Ratten, bei denen sich CML in den Nieren der Tiere stark angereichert hatte.

Wie sich die CML-Bildung bei der Erhitzung von Lebensmitteln vermeiden ließe, ist zwar nach derzeitigem Wissensstand noch unklar. Die Erlanger Lebensmittelchemikerinnen regen aber an, dass die Hersteller von Babymilch und Babymilchpulver ihre Verfahren zur Haltbarmachung und Trocknung vorsorglich überprüfen. "Wir wissen nicht, wie schädlich CML ist", so die Forscherinnen, "aber es ist auf jeden Fall ein Kunstprodukt, das in Muttermilch nicht vorkommt."


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© DER SPIEGEL 41/2002
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