AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 30/2001

Campino

Der 39-jährige Sänger der Punkband Tote Hosen über seine teure Liebe zu Fortuna Düsseldorf


SPIEGEL: Campino, Sie und Ihre Band haben einen Sponsorenvertrag mit dem Drittligisten Fortuna Düsseldorf abgeschlossen: eine Million Mark für zwei Jahre. Verkauft man so mehr Platten?

Campino: Kaum. Deswegen lassen wir uns wiederum von einer Düsseldorfer Brauerei unterstützen.

SPIEGEL: Sie zahlen das Geld gar nicht aus eigener Kasse?

Campino: Doch, wir verdienen es, aber reichen es gleich weiter. Es tut weh genug, sich dafür ein Jahr lang verkaufen zu müssen.

SPIEGEL: Hätten Sie das Geld nicht sinnvoller verwenden können?

Campino: Ich würde mich nicht wohl fühlen, wenn wir unser ganzes Geld in die Fortuna stecken würden. Aber wir finanzieren auch andere Dinge: Hausaufgabenhilfe, Fan-Projekte gegen rechts, Anwaltshilfe für Asylbewerber.

SPIEGEL: Warum ausgerechnet das Drittliga-Team Fortuna Düsseldorf?

Campino: Von Fortuna lernen heißt verlieren lernen, und da lernt man bei diesem Verein nie aus. Wir sind nur mit Glück dem Abstieg in die vierte Liga entgangen. Fan zu sein hat mit Vernunft nichts zu tun. Man kann sich eine neue Freundin suchen, aber keinen neuen Verein.

SPIEGEL: Wollen Sie die Fortuna bald ganz übernehmen ­ wie Elton John den FC Watford in Großbritannien?

Campino: Elton John ist Milliardär. Unser Einsatz ist da eher symbolisch. Wir werden uns nicht in sportliche Belange einmischen und in die wirtschaftlichen erst recht nicht. Jedes Punk-Rock-Label wird besser geführt als ein Fußballverein.

SPIEGEL: Wie sehen die Trikots aus?

Campino: Auf der Brust prangt der Totenkopf, unser Symbol seit 20 Jahren. Aber er lächelt ­ das ist unser Zugeständnis an den DFB.





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