AUS DEM SPIEGEL
Ausgabe 51/2002

Schneckenpost gegen Spamversender Ganz reale Rache

Alan Ralsky ist ein Spam-Versender: Er macht sein Geld damit, Millionen von Menschen mit Werbung vollzumüllen. Jetzt bekommt er die Rache der Web-Gemeinde zu spüren: Derzeit bekommt er Post von "jeder Werbekampagne, die es gibt". Schneckenpost, auf Papier.


GMS

Alan Ralsky gehört nicht gerade zu den beliebtesten Menschen im Internet. Der Amerikaner ist einer der Top-Versender von so genanntem Spam, unerwünschten Werbe-Mails, die einem die Mailbox verstopfen und größeren Reichtum, besseren Sex und mehr Gesundheit versprechen.

Da die Absenderadressen immer wieder wechseln, lässt sich Spam kaum bekämpfen ­ dachte man bisher.

Auch Ralsky fühlte sich sicher, und seine Auftraggeber machten ihn reich. Als aber vor ein paar Wochen auf einer Detroiter Internet-Seite ein Bericht über Ralskys neues 740.000-Dollar-Wohnhaus erschien, war das einigen genervten Spam-Gegnern zu viel: Jemand veröffentlichte Ralskys Anschrift im Netz ­ seitdem kriegt der Mann täglich Post, reale Post: Anzeigenblätter, Kataloge, Broschüren, billige Werbegeschenke.

"Sie haben mich bei jeder Werbekampagne angemeldet, die es gibt", klagt Ralsky. "Diese Leute sind verrückt." Jetzt will der Werbemann klagen. Aber selbst wenn er einen Schuldigen ausmachen kann: Die Reklameflut hört damit nicht auf. Und echte Post kann man nicht einfach per Mausklick löschen.



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